40 Tage dauert das Fasten in der Österlichen Bußzeit. Zieht man von den 46 Tagen von Aschermittwoch bis Karsamstag die Sonntage ab, verbleiben genau diese 40 Tage. Doch unberücksichtigt davon sind zwei Hochfeste, die so gut wie immer in die Österliche Bußzeit fallen und daher für eine zusätzliche Unterbrechung des Fastens sorgen.
Am 19. März begeht die Kirche das Hochfest des heiligen Josef, Bräutigam der Jungfrau und Gottesmutter Maria, und am 25. März – genau neun Monate vor Weihnachten – feiert sie das Hochfest der Verkündigung des Herrn.
Biblische Zeugnisse knapp
Während die Liturgie in dieser Phase des Kirchenjahres sonst von Buße und Vorbereitung auf Ostern geprägt ist, tritt an diesem Donnerstag eine Gestalt in den Mittelpunkt, die gerade durch ihre Unauffälligkeit wirkt: der Bräutigam der Jungfrau Maria und Nährvater Jesu.
Die biblischen Zeugnisse über Josef sind knapp. Vor allem das Matthäusevangelium zeichnet ihn als "gerechten" Mann, der im Gehorsam gegenüber Gottes Weisung handelt. Er nimmt Maria zu sich, schützt Mutter und Kind und sorgt für die Familie. Worte werden ihm nicht zugeschrieben – seine Sendung erfüllt sich im Tun. Gerade darin liegt das Festgeheimnis: Josef steht für einen Glauben, der nicht im Vordergrund stehen muss, um tragfähig zu sein.
Wegmarke in der Fastenzeit
Dass sein Hochfest immer in die Fastenzeit fällt, kann als eine geistliche Wegmarke gesehen werden. Josef verkörpert jene Haltung, die die Kirche in diesen Wochen einübt: Hören auf Gott, Verzicht auf das Eigene, Bereitschaft zum Aufbruch. Sein Leben ist geprägt von Entscheidungen, die aus dem Vertrauen wachsen.
Der Kölner Männerseelsorger Burkhard Knipping betont, Josef sei "aufnahmefähig für Gottes Botschaften" und zugleich bereit, diese "klug und tatkräftig umzusetzen". Glaube zeigt sich demnach nicht im Reden, sondern im Handeln.
Aufstieg der Josefsverehrung
Die besondere Verehrung des heiligen Josef ist vergleichsweise spät gewachsen. Erst seit dem späten Mittelalter tritt er stärker in das Bewusstsein der Kirche, getragen von Ordensgemeinschaften und Volksfrömmigkeit. Im 17. Jahrhundert erreicht diese Entwicklung einen Höhepunkt.
Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges gewinnt Josef neue Bedeutung: als Schutzpatron der Kirche, der Familien und der Sterbenden. Seine Gestalt steht für Verlässlichkeit in einer Zeit tiefgreifender Unsicherheit.
Zweiter Patron in Köln seit 1676
In diesen Zusammenhang gehört auch seine Wahl zum zweiten Patron des Erzbistums Köln im Jahr 1676, nachdem 1662 auf der Diözesansynode Maria als Unbefleckte Empfängnis zur ersten Patronin erklärt worden war. Zwei Jahrhunderte später hob der Kölner Erzbischof Paulus Kardinal Melchers in einem Dekret die Bedeutung des heiligen Josef hervor und ordnete an, dass der Heilige mit einem feierlichen Hochamt in allen Pfarrkirchen liturgisch zu feiern sei. Zumindest im Kölner Dom wird dies am heutigen Tag der Fall sein, wenn Weihbischof Steinhäuser die Abendmesse im Hochchor als Pontifikalamt feiern wird.
Kirchen, die dem heiligen Josef geweiht sind, gab es aber im 17. Jahrhundert noch so gut wie keine. Erst nachdem Papst Pius IX. im Dezember 1870 die gesamte katholische Kirche unter den Schutz des heiligen Josef gestellt hatte, gab dies der Josefsverehrung einen enormen Anschub. An vielen Orten entstanden ab dieser Zeit neue Josefskirchen. Später wurde Josef als Patron der Werktätigen entdeckt und damit zum Schutzherrn der katholischen Arbeiterbewegung.
Vorbild für heute
Bis heute hat das Patronat des heiligen Josef nichts von seiner Aktualität verloren. Burkhard Knipping bringt es auf eine prägnante Formel: Josef werde dort zum Vorbild, wo Menschen "die anstehende Aufgabe … erkennen und dann wirklich loslegen".
So wird das Hochfest des heiligen Josef mitten in der Fastenzeit zu mehr als einer liturgischen Unterbrechung. Es ist ein Hinweis darauf, wie christliches Leben Gestalt gewinnt: im Hören, im Vertrauen und im entschiedenen Handeln.