Bayerische Bischöfe wollen mehr Gotteshäuser erhalten

"Einseitig auf Liturgie getrimmt"

Gibt es in Bayern zu viele Kirchen für zu wenige Gläubige? Der ehemalige Bamberger Erzbischof und der evangelische Landesbischof sind zuversichtlich, dass mehr Gotteshäuser erhalten bleiben könnten, als derzeit befürchtet wird.

In Hannover ist die Gerhard-Uhlhorn-Kirche entweiht worden. Dort leben nun junge Menschen. Das Kruzifix ist mit einem Segel abgehängt. / © Christian Venn (epd)
In Hannover ist die Gerhard-Uhlhorn-Kirche entweiht worden. Dort leben nun junge Menschen. Das Kruzifix ist mit einem Segel abgehängt. / © Christian Venn ( epd )

In der aktuellen Debatte um die Zukunft der bayerischen Kirchen hat sich der emeritierte Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, optimistisch gezeigt. Er sei überzeugt, dass die beiden großen Kirchen mehr Gotteshäuser bewahren könnten, als viele derzeit meinten, sagte der Theologe bei einer Podiumsdiskussion in München am Donnerstagabend in der Katholischen Akademie Bayern.

Erzbischof em. Ludwig Schick (Erzbistum Bamberg)

Auch der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp gab sich gelassen: "Wir befinden uns in einem Wandel, aber das ist nicht der erste in der Geschichte der Kirche." Er setze auf die Energie der Menschen vor Ort: "Die müssen wir aktivieren, und damit sind wir erst ganz am Anfang», betonte Kopp. Kirchen seien "Lieblingsorte" auch für Menschen, die nicht Mitglied seien. Bei der Nutzung von Gotteshäusern wiederum sei er offen: "In Kirchen ist schon immer alles Mögliche passiert."

Großes Potential

Diese Ansicht teilte der frühere Bamberger Erzbischof: "Kirchen hatten immer verschiedene Funktionen: Verkündigung, Heilung, Caritas. Wir haben sie zuletzt ein bisschen einseitig auf Liturgie getrimmt - das war nicht die beste Idee", sagte Schick. Bei der Nutzungsfrage von Sakralgebäuden müsse deshalb auch die katholische Kirche ihren Horizont weiten.

Unterstützung dafür kam von wissenschaftlicher Seite: Gerade für Nicht-Mitglieder hätten Gotteshäuser oft einen hohen immateriellen Wert, betonte Albert Gerhards, Gründer der Forschungsgruppe Transara für Sakralraum-Transformation an der Uni Bonn. Darin liege ein großes Potenzial für die Gemeinden, "wenn sie ihre Räume öffnen, Gastfreundschaft zeigen und bereit sind, zu teilen".

In diesem Zusammenhang warnte der katholische Theologe vor zu großen Regionalgemeinden: "Da verliert man die Ehrenamtlichen vor Ort." Das Podiumsgespräch war Teil der Fachtagung "Gotteshaus, Denkmal, Kostenfaktor - Wer und was bestimmt wirklich über die Zukunft der Kirchen?", die noch bis Samstag dauert.

Erzbistum Bamberg

Das Bistum Bamberg wurde auf die Initiative von König Heinrich II. hin bei der Reichssynode in Frankfurt gegründet. Erster Bischof von Bamberg war Eberhard I., der dieses Amt von 1007 bis 1040 innehatte. Mit dem Bistum Bamberg ins Leben gerufen wurde das Domkapitel, das den Heiligen Georg als Patron wählte.

Beim 4. Laterankonzil 1215 erlangte das Domkapitel das alleinige Bischofswahlrecht und beanspruchte die Mitregierung des Hochstifts und der Diözese.

Blick auf die Bamberger Altstadt / © saiko3p (shutterstock)
Blick auf die Bamberger Altstadt / © saiko3p ( shutterstock )
Quelle:
epd