Vatikan-Chefdiplomat wird für Europäische Verdienste geehrt

Parolin gilt als "Nummer Zwei" im Vatikan

Die Bischofskonferenz der EU vergibt erstmals einen Verdienstorden an bedeutende Persönlichkeiten, die in ihrem Einsatz für Europa Vorbilder sind. Unter den Ausgezeichneten ist auch der italienische Kardinal, Pietro Parolin.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin empfängt Roberta Metsola, Präsidentin des Europäischen Parlaments (Archiv) / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin empfängt Roberta Metsola, Präsidentin des Europäischen Parlaments (Archiv) / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Die EU-Bischofskonferenz sieht im neuen Europäischen Verdienstorden einen Beitrag zur Festigung der Union. Er kann das gemeinsame Bewusstsein für den Wert der Union und das Engagement für die europäische Integration stärken, wie der Präsident der Kommission der EU-Bischofskonferenzen (COMECE), Mariano Crociata, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Brüssel mitteilte. 

Bischof Mariano Crociata / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Bischof Mariano Crociata / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Er nahm nicht explizit Bezug auf die am Vortag bekanntgegebenen Namen der ersten Ordensträger – darunter Kardinal Pietro Parolin. Allgemein sprach er von bedeutenden europäischen Persönlichkeiten.

Der Chefdiplomat des Heiligen Stuhls, Kardinalstaatssekretär Parolin, ist einer von 20 Europäerinnen und Europäern, die im Mai bei einem Festakt den Orden erstmals verliehen bekommen. Damit würdigt die EU nach eigenen Angaben Personen, die einen Beitrag zur europäischen Integration oder zur Förderung und Verteidigung der Grundwerte der EU geleistet haben.

Christliche Wurzeln der EU bewahren

Der Italiener Parolin gilt als "Nummer Zwei" im Vatikan. Seit fast 13 Jahren ist er oberster Diplomat des Papstes und faktischer Chef der Römischen Kurie. Vielfach hat sich der 71-Jährige als Virtuose auf der Klaviatur der Diplomatie erwiesen. Etwa die Begegnung von US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj am Rande der Beisetzung von Papst Franziskus wurde von Beobachtern als ein Erfolg Parolins gewertet.

Der überzeugte Europäer warnte laut Vatican News im Januar in Brüssel davor, dass Europa seine christlich-humanistischen Wurzeln aus Angst kappe. Europa brauche keine rein "technischen Lösungen", sondern Werte müssten jedem politischen Kalkül vorausgehen - allen voran die unantastbare Würde der Person.

Angela Merkel / © Christoph Soeder (dpa)
Angela Merkel / © Christoph Soeder ( dpa )
Auch Angela Merkel erhält den Verdienstorden der EU. 

Bei einem Treffen europäischer Bischöfe vor einem Jahr teilte er seine Beobachtung, dass selbst bei christlichen Politikern das Bewusstsein für die Werte, aus denen die Europäischen Gemeinschaften entstanden sind, abnehme. In der Migrationspolitik forderte er die Bischöfe auf, "im Dialog mit den Institutionen der Union dafür zu sorgen, dass wir Migranten nicht nur als Zahlen betrachten, sondern als Menschen mit ihrer eigenen Geschichte, ihren Dramen und Erwartungen".

Ehre auch für Merkel, Walesa, Selenskyj

Parolin erhält den zweithöchsten Rang des Verdienstordens, gemeinsam mit neun Männern und Frauen aus der Politik. Mit dem höchsten Rang ehrt die EU die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie den ehemaligen polnischen Präsidenten Lech Walesa. Unter den Ordensträgern der dritten, niedrigsten Stufe sind Vertreter etwa aus Wissenschaft, Sport und Kultur.

Die EU-Bischofskommission COMECE

Etwa die Hälfte der Bewohner in der Europäischen Union sind nach Vatikan-Angaben Katholiken. Um den Dialog mit EU-Institutionen zu pflegen und Anliegen der katholischen Kirche zu Gehör zu bringen, unterhalten die Bischofskonferenzen der 27 Mitgliedstaaten eine eigene Kommission, die COMECE. Die Abkürzung steht für das lateinische "Commissio Episcopatum Communitatis Europensis".

Eingangsschild am Sitz der COMECE in Brüssel / © Julia Steinbrecht (KNA)
Eingangsschild am Sitz der COMECE in Brüssel / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA