Europäische Bischöfe appellieren gemeinsam für ein starkes Europa

"Europa muss seine Seele wiederfinden"

Ein gemeinsames Schreiben aus Deutschland, Frankreich, Italien und Polen setzt klare politische Statements. Die katholischen Bischofskonferenzen der Länder rufen Christinnen und Christen zum Einsatz für ein geeintes Europa auf.

Autor/in:
Niklas Hesselmann
Bischöfe mit gefalteten Händen / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischöfe mit gefalteten Händen / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Unter Verweis auf die katholischen Gründerväter Europas haben die katholischen Bischofskonferenzen von Deutschland, Frankreich, Italien und Polen gemeinsam für ein starkes Europa geworben. "Die Welt braucht Europa. Das ist die Dringlichkeit, die die Christen verinnerlichen müssen", schreiben die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung mit dem Titel "Christinnen und Christen für Europa". Denn: "Ein internationaler Rahmen stirbt und ein neuer ist noch nicht geboren."

Die Erklärung ist in dieser Form ein historisch einmaliger Vorgang. Auf europäischer Ebene äußert sich in der Regel die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE). Die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen haben sich zudem im Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) zusammengeschlossen.

"Europa muss seine Seele wiederfinden"

In einer Welt, die "von Kriegen und Gewalt zerrissen und polarisiert" sei, "muss Europa seine Seele wiederfinden, um der Welt seinen unverzichtbaren Beitrag zum 'Gemeinwohl' anzubieten", so die Bischöfe. Sie betonen die Bedeutung des Christentums in Europa, gerade auch nach dem Zweiten Weltkrieg: "Es hat zu einem großen Teil das Gesicht eines humanistischen, solidarischen und weltoffenen Europas geprägt."

Viele katholische Laien hätten Europa entschlossen als gemeinsames Haus angesehen und sich für die Entwicklung einer neuen internationalen Ordnung eingesetzt. Heute seien Christen zwar weniger zahlreich, das hindere sie jedoch nicht daran, sich mit Mut und Ausdauer auf das zu besinnen, was ihre Hoffnung begründe.

Gründerväter "keine naiven Träumer"

Die Vorsitzenden heben besonders den Einsatz der europäischen Gründerväter Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi hervor: Sie "wurden von ihrem christlichen Glauben inspiriert und waren keine naiven Träumer, sondern die Architekten eines großartigen, aber zerbrechlichen Gebäudes".

Die Bischöfe zitieren Adenauer aus seiner Rede zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft: "Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen für den Fortschritt in Frieden zu arbeiten." Auch den Worten De Gasperis messen die Kirchenmänner große Bedeutung bei: "Ein vereintes Europa wird nicht gegen die Heimatländer geboren, sondern gegen die Nationalismen, die sie zerstört haben."

Für supranationale Lösung von Konflikten

"Europa darf sich nicht allein auf einen Wirtschafts- und Finanzmarkt reduzieren, da sonst die ursprüngliche Intuition der Gründerväter verfehlt würde", heißt es weiter. Ein dieser Gründungsidee verpflichtetes Europa werde sich unter Achtung der Rechtsstaatlichkeit und unter Ablehnung der Logik von Rückzug und Gewalt für eine supranationale Lösung von Konflikten entscheiden. Es sei aufgerufen, nach Bündnissen zu suchen, die Voraussetzungen für echte Solidarität zwischen den Völkern schaffen. 

Kardinal Matteo Maria Zuppi, Sonderbeauftragter des Vatikans für den Ukraine-Krieg / © Oleg Varov (dpa)
Kardinal Matteo Maria Zuppi, Sonderbeauftragter des Vatikans für den Ukraine-Krieg / © Oleg Varov ( dpa )

Trotz vieler europaskeptischer Bewegungen hätten Europäer mit dem Beginn des Kriegs gegen die Ukraine stärker zueinandergefunden. Europa müsse immer bereit sein, den Dialog auch im Konfliktfall wieder aufzunehmen, um Versöhnung und Frieden zu ermöglichen. "Im Namen ihres Glaubens sind die Christen eingeladen, mit allen Bewohnern des europäischen Kontinents ihre Hoffnung auf eine universelle Brüderlichkeit zu teilen", schließen die vier Bischöfe.

Unterzeichnet wurde die Erklärung vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sowie seinen drei Amtskollegen Kardinal Jean-Marc Aveline aus Frankreich, Kardinal Matteo Zuppi aus Italien und Erzbischof Tadeusz Wojda aus Polen.

Die EU-Bischofskommission COMECE

Etwa die Hälfte der Bewohner in der Europäischen Union sind nach Vatikan-Angaben Katholiken. Um den Dialog mit EU-Institutionen zu pflegen und Anliegen der katholischen Kirche zu Gehör zu bringen, unterhalten die Bischofskonferenzen der 27 Mitgliedstaaten eine eigene Kommission, die COMECE. Die Abkürzung steht für das lateinische "Commissio Episcopatum Communitatis Europensis".

Eingangsschild am Sitz der COMECE in Brüssel / © Julia Steinbrecht (KNA)
Eingangsschild am Sitz der COMECE in Brüssel / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA