Eine landesweite Umfrage der katholischen Kirche in Polen ergibt: Nur etwa ein Drittel der Paare in Polen zieht erst nach der kirchlichen Eheschließung zusammen. Das berichteten kirchliche Medien am Dienstag. Ziel der Erhebung sei es gewesen, mehr über heutige Paare und ihre Beweggründe für eine kirchliche Trauung zu erfahren.
Ergebnisse aus dem Erzbistum Warschau etwa zeigen, dass die Entscheidung für eine kirchliche Eheschließung nicht allein religiös motiviert ist. Zugleich bezeichnete sich die Mehrheit der Befragten als gläubig (71,2 Prozent) oder tief religiös (18,3 Prozent).
Die meisten Paare waren seit mehr als fünf Jahren (43,8 Prozent) oder seit drei bis fünf Jahren (29,2 Prozent) in einer Beziehung. Rund 67,2 Prozent lebten bereits vor Eheschließung zusammen. Nach kirchlicher Lehre ist das verboten und stellt für die Kirche eine pastorale Herausforderung dar.
Paare oft nicht mit der Lehre einverstanden
Die Beraterin in der Familienseelsorge des Warschauer Erzbistums, Beata Chojnacka, erklärte, die Zahlen würden Fragen zur Seelsorge und zur Vermittlung von Sinn und Bedeutung der Ehe aufwerfen. Junge Menschen verstünden häufig die Argumente hinter der kirchlichen Lehre nicht, so die Expertin.
Auch in Ehevorbereitungskursen zeigten sich Spannungen zur kirchlichen Lehre. "In ersten oder abschließenden Befragungen nennen junge Paare häufig Punkte, mit denen sie nicht einverstanden sind, etwa Abtreibung, künstliche Befruchtung, Verhütung oder das Zusammenleben vor der Ehe", betonte sie. Es bleibe jedoch die Frage, inwieweit dies auf tatsächlicher Kenntnis der kirchlichen Lehre beruhe oder auf öffentlich verbreiteten Meinungen.
Die Umfrage wurde vom Institut für Kirchenstatistik in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Zentrum für Familienpastoral durchgeführt. Die landesweiten Ergebnisse stellte die Polnische Bischofskonferenz Ende Februar vor.
Die Untersuchung ist als langfristiges Projekt angelegt: In zwei bis drei Jahren soll dieselbe Gruppe erneut befragt werden. Dabei solle es um ihre aktuelle Lebenssituation, mögliche Schwierigkeiten und Unterstützungsbedarf gehen, erklärte Chojnacka.