Die Franziskaner in Assisi verwahren sich gegen den Verkauf angeblicher Reliquien des heiligen Franziskus im Internet. "Das ist nichts als Betrug", sagte der Kommunikationschef der Basilika San Francesco in Assisi, Bruder Giulio Cesareo, am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Reliquien sind nicht käuflich", betonte er. Die Kirche verbiete und verurteile den Handel mit sterblichen Überresten oder anderen von Heiligen benutzten Objekten, die von Gläubigen als Erinnerung an vorbildliche Christen verehrt werden.
"Es zeugt von großer Naivität, wenn man Reliquien online wie andere Konsumgüter kaufen möchte; denn sie sind für die Kirche und die Gläubigen spirituelle Schätze, die keinen kommerziellen Wert haben", so der Ordensmann. Die Franziskaner seien "zutiefst betrübt, dass es Menschen gibt, die bereit sind, andere um diese heiligsten Dinge zu betrügen, um Profit zu machen".
Reliquien sind keine Glücksbringer
Noch erstaunter sei er allerdings, dass manche wirklich erwägen, Reliquien auf Online-Shopping-Portalen zu erwerben, sagte Cesareo. "Das bedeutet, dass sie den außergewöhnlichen Wert dieser spirituellen Dinge nicht erkennen und riskieren, sie wie Spülmittel, ein T-Shirt oder Handcreme zu behandeln." Manche betrachteten sie "vielleicht als eine Art Amulett, das vor Bösem, Unglück oder Katastrophen schützt". Für Christen seien Reliquien aber keine Talismane, sondern schlicht "Zeichen dafür, wie Gott in unserem Leben gegenwärtig und wirksam ist, wenn wir ihm Raum geben und ihn willkommen heißen", betonte der Ordensmann.
Die Zeitung "Il Corriere dell'Umbria" und andere italienische Medien hatten berichtet, dass Knochenreste und Teile des Gewandes von Franz von Assisi (um 1182-1226) etwa auf der Plattform eBay zum Verkauf angeboten würden. Zum 800. Todestag des populären Heiligen werden erstmals seine Gebeine für vier Wochen in der Basilika in Assisi ausgestellt. Seit 22. Februar haben rund 135.000 Menschen den Plexiglas-Sarg besucht.
Es sei nicht Aufgabe der Franziskaner, Betrug mit angeblichen Reliquien oder falschen kostenpflichtigen Eintrittskarten anzuzeigen, sagte Cesareo. Auch fühle sich der Orden in keiner Weise geschädigt. Vielmehr müssten "jene, die glauben, online Reliquien zu kaufen, diese Täuschungen erkennen und gegebenenfalls Anzeige erstatten".