Die einen können Reliquienverehrung nicht nachvollziehen, für die anderen ist sie ein "bewegendes und schönes Zeichen", sagt der Franziskaner Thomas Freidel. Der Pilgerseelsorger aus Assisi betonte am Dienstag im Interview mit dem Deutschlandfunk: "Wenn wir Reliquien verehren, dann ehren wir nicht diese Person, sondern wir ehren Gott, der durch Franziskus gewirkt hat."
Aus Anlass des 800. Todesjahrs des Heiligen habe sein Orden beschlossen, die sonst unter dem Altar verborgenen Reliquien des Heiligen Franziskus erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren. Am Samstag wurde der Plexiglassarg von der Krypta hinauf in die Unterkirche der Basilika San Francesco gebracht. Bis zum 22. März können Menschen aus aller Welt die von Alter und Feuchtigkeit porösen und geschwärzten Knochen des Heiligen ansehen.
Wer Reliquien verehre, tue das, weil er glaube, dass der Mensch in seinen Knochen "noch ein Stück weit gegenwärtig ist" und dass die Reliquien so eine Art Verbindung zu dem Heiligen schaffen könnten, erklärte Freidel. Der Pilgerseelsorger kritisierte respektlose und verletzende Kritik an der Reliquienverehrung. Diese beziehe sich oft auf eine vermeintliche Störung der Totenruhe. "Wer wird denn noch nach christlicher Tradition bestattet? Welche anderen, zum Teil auch sonderbaren Formen gibt es jetzt?", fragte Freidel. Dass man sich angesichts der sich wandelnden Bestattungskultur in Deutschland ausgerechnet bei der Reliquienverehrung auf die Totenruhe beziehe, halte er für "etwas sonderbar".
Besucherandrang durch Franz und Carlo
Bereits 2025 kamen besonders viele Besucher nach Assisi: Bedingt durch das Heilige Jahr und die Verehrung des ebenfalls hier beigesetzten jungen Heiligen Carlo Acutis, kamen mehr als 5 Millionen Menschen. Bevor zu Ostern die eigentliche Pilgersaison wieder losgeht, hätte sich Freidel eher ein ruhigeres Frühjahr gewünscht. Doch die Präsentation der Reliquien des Franz von Assisi lockt auch im Frühjahr schon Tausende in die kleine Stadt.
Maximal 400.000 Menschen können vorab online ein Zeitfenster buchen, um die Reliquien während des einmonatigen Ausstellungszeitraums zu sehen. Die meisten Plätze sind schon vergeben. Buchbar sind Zeitfenster für Besuche auf eigene Faust oder Führungen in Italienisch, Spanisch, Französisch, Englisch, Polnisch oder Deutsch. Für Letztere ist der gebürtige Pfälzer Freidel zuständig.