Der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat seinem ehemaligen Stellvertreter zufolge persönlich nichts mit riskanten Investitionen zu tun gehabt. "Ich wüsste nicht, dass der Bischof sich in Anlageentscheidungen eingemischt hätte", sagte Isidor Vollnhals am Donnerstag vor dem Landgericht München II im Prozess zum Finanzskandal des Bistums Eichstätt.
Der 76-jährige war von 2010 bis 2019 Generalvikar der Diözese und damit deren Nummer zwei. Hanke, wie Vollnhals inzwischen im Ruhestand, habe stets stark auf transparente Bistumsfinanzen und externe Expertise gedrängt, auch gegen Widerstände. Vollnhals äußerte sich als erster Geistlicher in dem Prozess.
Über einen der beiden Angeklagten, einen früheren leitenden Mitarbeiter in der Finanzabteilung des Bistums, sagte er, es habe zwar intern Kritik an der Einstellung eines früheren Bankers, eines "Zockers", gegeben. Aber: "Für mich war das ein Aussteiger, ein Bekehrter." Gleichwohl habe der Mann in Bezug auf eine kirchliche Stiftung einmal gesagt, das Bistum habe "konservative und langweilige" Anlagestrategien.
Frage zu Renditezielen
Der Ex-Generalvikar betonte immer wieder, Sicherheit sei bei Investitionen vorrangig gewesen. Auf Nachfrage eines Verteidigers, wie dann vorgegebene Renditeziele hätten erreicht werden sollen, erwiderte er, diese seien gegebenenfalls nicht erfüllbar gewesen.
Vollnhals erklärte, als Vorsitzender des Vermögensverwaltungsrats des Bistums zwar so etwas wie einem Aufsichtsrat der diözesanen Finanzkammer vorgestanden zu haben. Auf Nachfrage zu geschäftlichen Details erklärte er indes mehrfach, sich nicht erinnern zu können oder damit nicht befasst gewesen zu sein.
Als der Finanzskandal herausgekommen sei, sei er konsterniert gewesen, erzählte Vollnhals, wie auch der Bischof. Dieser kennt den angeklagten Ex-Mitarbeiter persönlich. Dazu vom Richter befragt, sagte Vollnhals, der Bischof habe den Mann nach dem Skandal nicht vor Konsequenzen schonen wollen.
Aussage Hankes erwartet
Ursprünglich sollte an diesem Donnerstag Hanke selbst aussagen. Dessen Auftritt wurde verschoben, dem Vernehmen nach auf übernächste Woche. Zeitweilig befand sich auch Hanke im Visier der Ermittler; das Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft jedoch ein.
Der Prozess begann im Januar und soll bis Herbst laufen. Er könnte früher enden, sollte es zu einem Deal zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigern kommen, bei dem die eine Seite Geständnisse macht, die andere den zu erwartenden Strafrahmen absteckt.
Im Zentrum des Finanzskandals stehen 31 Darlehen aus dem Bistumsvermögen, die zwischen 2014 und 2016 an Immobilienentwickler in den USA ausgereicht wurden. Kirchliche Rücklagen von fast 60 Millionen US-Dollar waren ohne Absicherung in Darlehen angelegt worden. Laut Anklage wurde dabei ein Totalverlust in Kauf genommen.
Angeklagt ist neben dem früheren Bistumsmitarbeiter ein Banker, der in den USA Immobilien entwickelt hat. Bisher hat das Bistum nach eigenen Angaben 35,25 Millionen US-Dollar aus den Darlehen zurückerlangt.