Kardinal Blase Cupich aus Chicago hat das Vorgehen der US-Regierung im Iran kritisiert. In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview des Portals Vatican News erinnerte der Erzbischof von Chicago daran, dass die Angriffe im Iran schon etwa tausend Tote gefordert hätten. Wenn man beginne, den Einsatz von Waffen als Lösungsweg für Probleme zu sehen, gerate man auf eine Bahn, von der eine Umkehr nur noch sehr schwer möglich sei.
Cupich erinnerte an den Ersten Weltkrieg, der anfangs als rasche Lösung für ein begrenztes Problem gesehen wurde, dann aber zu einem langen, schrecklichen Konflikt mit Millionen von Toten wurde. "Wenn man diese Tür einmal aufstößt, wird es sehr schwer, sie wieder zu schließen."
Prinzip der Souveränität missachtet
Scharf kritisierte Cupich die offizielle Kriegsbegründung der US-Regierung und sagte: "So wie ich es verstehe, gab es keine unmittelbare Bedrohung." Und weiter: "Wenn das Prinzip der Souveränität eines Staates nicht mehr geachtet wird, können wir jede Entschuldigung erfinden, um einen Krieg zu beginnen." Damit werde ein internationaler Konsens aufgegeben, der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geherrscht habe.
Der Papst habe in dieser Lage die wichtige Aufgabe, an diesen Konsens unter den Nationen zu erinnern. "Ich glaube er spricht für viele Menschen, die darüber besorgt sind, was passiert, wenn dieser Konsens nicht mehr trägt."