Kardinal von Chicago kritisiert Kriegspolitik der USA

"So wie ich es verstehe, gab es keine unmittelbare Bedrohung"

Kardinal Blase Cupich ist als Erzbischof von Chicago mit Leo XIV. in besonderer Weise verbunden, denn der stammt aus der US-Metropole. Nach einem Treffen mit dem Papst hat sich Cupich zu politisch brisanten Themen geäußert.

Kardinal Blase Joseph Cupich / © Kendall Mclaren/CNS photo (KNA)
Kardinal Blase Joseph Cupich / © Kendall Mclaren/CNS photo ( KNA )

Kardinal Blase Cupich aus Chicago hat das Vorgehen der US-Regierung im Iran kritisiert. In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview des Portals Vatican News erinnerte der Erzbischof von Chicago daran, dass die Angriffe im Iran schon etwa tausend Tote gefordert hätten. Wenn man beginne, den Einsatz von Waffen als Lösungsweg für Probleme zu sehen, gerate man auf eine Bahn, von der eine Umkehr nur noch sehr schwer möglich sei. 

Tel Aviv: Rettungskräfte und Militärangehörige begutachten den Ort eines Einschlags einer iranischen Rakete / © Oded Balilty/AP (dpa)
Tel Aviv: Rettungskräfte und Militärangehörige begutachten den Ort eines Einschlags einer iranischen Rakete / © Oded Balilty/AP ( dpa )

Cupich erinnerte an den Ersten Weltkrieg, der anfangs als rasche Lösung für ein begrenztes Problem gesehen wurde, dann aber zu einem langen, schrecklichen Konflikt mit Millionen von Toten wurde. "Wenn man diese Tür einmal aufstößt, wird es sehr schwer, sie wieder zu schließen." 

Prinzip der Souveränität missachtet

Scharf kritisierte Cupich die offizielle Kriegsbegründung der US-Regierung und sagte: "So wie ich es verstehe, gab es keine unmittelbare Bedrohung." Und weiter: "Wenn das Prinzip der Souveränität eines Staates nicht mehr geachtet wird, können wir jede Entschuldigung erfinden, um einen Krieg zu beginnen." Damit werde ein internationaler Konsens aufgegeben, der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geherrscht habe.

Donald Trump / © Evan Vucci/AP (dpa)
Donald Trump / © Evan Vucci/AP ( dpa )

Der Papst habe in dieser Lage die wichtige Aufgabe, an diesen Konsens unter den Nationen zu erinnern. "Ich glaube er spricht für viele Menschen, die darüber besorgt sind, was passiert, wenn dieser Konsens nicht mehr trägt."

Blase Joseph Cupich

Chicagos Kardinal Blase Joseph Cupich ist unter den US-Bischöfen eher ein Außenseiter. Illegal Eingewanderten will er einen legalen Aufenthaltsstatus geben. Nach dem Attentat auf einen Schwulen-Club 2016 in Orlando sorgte er für Aufsehen.

1949 in Nebraska geboren, wirkte Cupich nach dem Theologiestudium in Washington und Rom unter anderem als Seelsorger und Rektor eines Priesterseminars. 1998 wurde er zum Bischof von Rapid City im Bundesstaat South Dakota ernannt. 2010 wechselte er nach Spokane im Bundesstaat Washington.

Blase Joseph Cupich / © Paul Haring (KNA)
Blase Joseph Cupich / © Paul Haring ( KNA )
Quelle:
KNA