US-Religionsvertreter reagieren gespalten auf Krieg im Nahen Osten

"Wir fordern ein Ende der Spirale der Gewalt"

Wenige Tage nach US-Militärschlägen gegen den Iran warnen führende christliche und muslimische Vertreter der USA vor einer Eskalation. Jüdische Organisationen hingegen verteidigen das Vorgehen als Schritt für mehr Sicherheit.

Autor/in:
Tobias Käufer
Eine Rauchwolke steigt nach einer Explosion in Teheran auf / © Mohsen Ganji/AP (dpa)
Eine Rauchwolke steigt nach einer Explosion in Teheran auf / © Mohsen Ganji/AP ( dpa )

Wenige Tage nach der Militäroperation der USA und Israels gegen das Mullah-Regime im Iran, gibt es ein gespaltenes Echo der Religionsvertreter in den Vereinigten Staaten. Der Vorsitzende der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Paul S. Coakley, warnte, dass der eskalierende Konflikt zu einem größeren regionalen Krieg auszuarten drohe. 

Paul Stagg Coakley, Erzbischof von Oklahoma City / © Bob Roller/OSV News (KNA)
Paul Stagg Coakley, Erzbischof von Oklahoma City / © Bob Roller/OSV News ( KNA )

"Wie der Heilige Vater gewarnt hat, stehen wir vor der Möglichkeit einer Tragödie von unermesslichem Ausmaß", schrieb Coakley. 

Die US-Bischöfe würden sich dem Appell des Papstes anschließen, damit die Diplomatie wieder ihre angemessene Rolle einnehmen könne. 

US-Bischöfe / © Bob Roller (KNA)
US-Bischöfe / © Bob Roller ( KNA )

"Wir fordern ein Ende der Spirale der Gewalt und eine Rückkehr zu multilateralen diplomatischen Bemühungen", so Coakley weiter. Die Bemühungen müssten darauf abzielen, "das Wohlergehen der Völker zu wahren, die sich nach einem friedlichen Leben auf der Grundlage der Gerechtigkeit sehnen". 

Der Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen (CAIR) verurteilte Angriffe auf den Iran als "unnötig und ungerechtfertigt". Der regionale CAIR-Direktor Dawud Walid aus Michigan sagte einem Regionalsender: "Ich bin ziemlich beunruhigt, dass dies bereits das zweite Mal war, dass unsere Regierung an dem Verhandlungstisch saß und sich dann entschied, einen Präventivschlag zu starten." 

Kritik aus dem Kongress 

Die demokratische Kongressabgeordnete Rashida Tlaib aus Detroit verurteilte das Vorgehen der Trump-Regierung. Die Tochter von palästinensischen Einwanderern erklärte: "Der illegale Angriffskrieg der Trump-Regierung und des israelischen Regimes gegen den Iran hat bereits Dutzende von Kindern das Leben gekostet, und es werden noch mehr schreckliche Todesfälle und Zerstörungen folgen." 

Ilhan Omar (l) und Rashida Tlaib, Abgeordnete der Demokraten im US-Repräsentantenhaus / © J. Scott Applewhite (dpa)
Ilhan Omar (l) und Rashida Tlaib, Abgeordnete der Demokraten im US-Repräsentantenhaus / © J. Scott Applewhite ( dpa )

Diese Kriegshandlungen drohten, einen katastrophalen regionalen Krieg auszulösen, der niemanden sicherer machen werde, sondern nur unermessliches Leid verursachen werde, schrieb Tlaib. Zuvor hatte sich das American Jewish Committee (AJC) in den USA demonstrativ hinter "die gezielten Militäraktionen" der Vereinigten Staaten und Israels gestellt, "um die weltweite Terrorkampagne des iranischen Regimes zu stoppen". 

In einer am Wochenende verbreiteten Erklärung hieß es, die Welt werde sicherer sein, wenn die Bedrohung durch die illegalen Nuklear- und Raketenprogramme des iranischen Regimes sowie durch die iranischen Revolutionsgarden ein für alle Mal beseitigt sei. Die Hoffnung sei groß, dass mit den Militäraktionen ein entscheidender Schritt zur Erfüllung dieser wichtigen Mission getan werden könne. 

Kritik von MAGA-Anhängern 

Unterdessen üben Vertreter der einflussreichen rechten MAGA-Bewegung in den USA scharfe Kritik an der Militäroperation der USA und Israels gegen das Regime im Iran. Auch die oppositionellen Demokraten werfen Präsident Donald Trump vor, das Vorgehen decke sich nicht mit den amerikanischen Interessen. Die republikanische Ex-Abgeordnete Marjorie Taylor Greene schrieb auf "X": "Wir haben für 'America First' und NULL Kriege gestimmt." 

Blackwater-Gründer und Influencer Erik Prince sagte in einem Podcast mit Ex-Trump-Berater Steve Bannon: "Ich glaube nicht, dass das im Interesse Amerikas war." Prince warnte vor einer "ganzen Reihe von Problemen, Chaos und Zerstörung im Iran", die das Vorgehen auslösen könne. 

Mike Johnson, Vorsitzender des US-Repräsentantenhauses, Hakeem Jeffries, Minderheitsführer des Repräsentantenhauses, Chuck Schumer, Mehrheitsführer im Senat, und Senator Joni Ernst reichen sich auf der National Mall am 14.11.2023 in Washington die Hände / © Mark Schiefelbein/AP (dpa)
Mike Johnson, Vorsitzender des US-Repräsentantenhauses, Hakeem Jeffries, Minderheitsführer des Repräsentantenhauses, Chuck Schumer, Mehrheitsführer im Senat, und Senator Joni Ernst reichen sich auf der National Mall am 14.11.2023 in Washington die Hände / © Mark Schiefelbein/AP ( dpa )

Der Minderheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus sagte, das amerikanische Volk wolle, dass sich die amerikanische Politik darauf konzentriere, ihr Leben besser und erschwinglicher zu machen, "anstatt uns in einen weiteren endlosen Krieg im Nahen Osten zu verwickeln, der mit einem Scheitern enden wird." Trump selbst erklärte, dem Iran stehe eine große Angriffswelle erst noch bevor. 

Quelle:
KNA