Papst Leo XIV. beschreibt die Kirche als gut organisierten Organismus

"Ausdruck des göttlichen Liebesplans"

Woraus besteht die katholische Kirche? Das hat schon das Zweite Vatikanische Konzil vor 60 Jahren diskutiert und in unzähligen Dokumenten festzuschreiben versucht. Ihre Definition erklärte nun Papst Leo XIV.

Papst Leo XIV. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Papst Leo XIV. hat die Kirche als einen "gut organisierten Organismus" beschrieben. Darin lebten die menschliche und die göttliche Dimension ohne Trennung und ohne Vermischung zusammen, so das Kirchenoberhaupt am Mittwoch auf dem Petersplatz. Das Menschliche sei in der Gemeinschaft von Männern und Frauen, die Freude und Mühen des Christseins mit ihren Vorzügen und Fehlern teilen, sofort erkennbar.

Die göttliche Dimension der Kirche zeige sich hingegen nicht in einer idealen Vollkommenheit oder einer spirituellen Überlegenheit ihrer Mitglieder, erklärte Leo XIV. Entscheidend sei die Tatsache, dass die Kirche aus dem Liebesplan Gottes für die Menschheit hervorgehe. 

Gott ist trotzdem da / © Love You Stock (shutterstock)
Symbolbild: christliche Nächstenliebe

Beide ergänzten sich harmonisch. Und gerade durch ihre Mitglieder und ihre begrenzten irdischen Aspekte offenbarten sich auch die Gegenwart Christi und sein Heilswirken. Dazu gehöre auch die Nächstenliebe, in der die Gegenwart Jesu in der Welt erfahrbar sei.

In seinen Generalaudienzen beschäftigt sich der Papst derzeit mit den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), das vor 60 Jahren endete. Inhalt seiner aktuellen Ausführungen war die dogmatische Konstitution "Lumen gentium" von 1964, die das Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche neu formulierte:

Sie definiert sich als Gemeinschaft der Gläubigen, als "Volk Gottes" auf dem Weg durch die Zeit. In dieser ständig zu reformierenden Kirche wird ein "gemeinsames Priestertum" aller Gläubigen betont, das bei Priestern und Laien in unterschiedlichen Formen verwirklicht wird.

Zweites Vatikanisches Konzil

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) war die bislang letzte beschlussfassende Versammlung aller Bischöfe der katholischen Weltkirche. Insgesamt rund 2.800 Konzilsväter debattierten im Petersdom darüber, wie die Kirche ihre Botschaft unter den Bedingungen der modernen Welt und von weltanschaulichem Pluralismus verkünden kann. Weitere Themen waren eine Reform von Liturgie und Priesterausbildung, die Einheit der Christen und die Aussöhnung von Kirche und Judentum.

II. Vatikanisches Konzil vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 / © N.N. (KNA)
II. Vatikanisches Konzil vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 / © N.N. ( KNA )
Quelle:
KNA