Viele gerade junge Menschen kennen das: Das Handy liegt auf dem Schreibtisch, der Bildschirm blinkt immer wieder auf – Nachrichten in Gruppen, Likes, ein paar neue Storys ploppen auf. Die Situation wirkt belebt. Und doch bleibt es im Zimmer still. Es findet kein echtes Gespräch statt, kein Austausch über den Tag.
Einsamkeit fühlt sich nicht immer nach Leere an. Manchmal ist sie ein dumpfes Hintergrundrauschen. "Einsamkeit ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit", sagt der Bonner Stadtdechant Msgr. Markus Hofmann. Sie treffe Menschen unabhängig von Alter oder sozialer Schicht.
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung vom Mai 2024 hat ergeben, dass sich 29 Prozent der 16- bis 30-Jährigen in Deutschland emotional einsam fühlen, fast 39 Prozent fühlen sich sozial einsam.
Auch Andrea Honecker vom Bonner Katholikenrat begegnet dem Thema immer wieder in Gemeinden und Verbänden. Auf der einen Seite gebe es dort viel Engagement. Ehrenamtliche organisieren Kleiderkammern, Essensausgaben oder Gesprächsangebote.
Auf der anderen Seite gebe es Menschen, die so isoliert seien, dass sie diese Hilfen kaum erreichen, etwa weil sie ihre Wohnung selten verlassen, sich schämen oder schlicht nicht wüssten, an wen sie sich wenden könnten. Genau hier entstünde eine Lücke, sagt Frau Honecker.
Hilfe, die konkret wird
Mit einem Versuch, diese Lücke zu schließen, laden das Stadtdekanat Bonn und zahlreiche Partner am 5. März 2026 um 19.30 Uhr zum Podium "Einsamkeit – (k)ein Tabu" ins Bonner Münster ein.
Der Abend verbindet Diskussion und direkte Unterstützung: Sechs Fachleute aus Psychologie, Psychiatrie, Seelsorge und Beratung sprechen über Ursachen, unterschiedliche Facetten von Einsamkeit und mögliche Auswege. Es gehe laut Andrea Honecker um Fragen wie: Woran erkenne ich, dass Einsamkeit krank macht? Welche Rolle spielen digitale "pseudopersönliche" Kontakte und wie kann man Betroffene ansprechen?
Im Anschluss präsentieren zwölf Organisationen beim "Marktplatz" im Gangolfsaal am Bonner Münster ihre Angebote. Besucherinnen und Besucher können mit Beratungsstellen, kirchlichen Initiativen und sozialen Trägern direkt ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und erfahren, an wen sie sich wenden können – für sich selbst, für Angehörige oder wenn sie helfen möchten.
Auch über Bonn hinaus gibt es Orientierung. Das Kompetenznetz Einsamkeit bündelt Informations- und Beratungsangebote und verweist auf regionale Anlaufstellen. Deren Ziel sei es, Betroffenen und Angehörigen den Zugang zu professioneller Unterstützung zu erleichtern.
Ein Netzwerk wächst
Das Podium ist zugleich Auftakt einer Veranstaltungsreihe. Geplant sind Vorträge, Veranstaltungen zu digitalen Kontakten junger Menschen sowie gemeinsame Spaziergänge und Mahlzeiten. So haben sie unter anderem am 20. April Dominik Bloh eingeladen, der von den Jahren berichtet, in denen er als Obdachloser gelebt hat, berichtet Andrea Honecker:
"Das ist eine ganz extreme Form von Einsamkeit und Ausgeschlossenheit." Die Lesung mit dem Bestseller-Autor Dominik Bloh findet um 19 Uhr in der katholischen Familienbildungsstätte Bonn statt. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet ein offenes Kaffeetrinken vor der Kreuzkirche in Bonn.
Getragen wird das Projekt von einem breiten Bündnis kirchlicher und sozialer Akteure, von Caritas über Beratungsstellen bis hin zur Diakonie. Hauptamtliche und Ehrenamtliche arbeiten eng zusammen, sagt Honecker. Gleichzeitig richtet sich die Initiative ausdrücklich auch an Menschen, die sich engagieren möchten. Wer Zeit schenken, Gesprächspartner sein oder Projekte unterstützen will, findet hier Anknüpfungspunkte.
Die Herausforderung bleibt, Menschen zu erreichen, bevor sich Einsamkeit verfestigt. Das Podium im Bonner Münster ist ein Anfang – und ein Signal: Niemand soll mit diesem Gefühl allein bleiben.