DOMRADIO.DE: Sie haben in Katar eine Familie besucht und mit ihr Erstkommunion gefeiert. Wie fühlt es sich an, wenn es nicht vor und zurück geht?
Dr. Dominik Meiering (Kölner Domkapitular und leitender Innenstadtpfarrer): Es ist ein komisches Gefühl, weil man eine Art Ausweglosigkeit spürt. Der Krieg wird noch ein bisschen weitergehen. Das Bombardement geht weiter. Morgens und abends hören wir immer die Einschläge.
In der Regel werden diese Raketen alle abgefangen. Man sieht dann am Himmel das Spektakel, das man auch aus dem Internet kennt – obwohl da auch viele Fake-Nachrichten kursieren. Gerade müssen alle im Haus bleiben und es ist nicht absehbar, wann ein Flieger von hier aus wieder losgeht. Deshalb versuchen wir, auf dem Landweg irgendwo rauszukommen.
DOMRADIO.DE: Wie groß ist und war Ihre Sorge?
Meiering: Wir sind alle ziemlich entspannt, weil wir merken, dass die katarischen Behörden das gut im Griff haben. Wir fühlen uns auch vom Auswärtigen Amt und von der deutschen Botschaft sehr gut informiert. Natürlich soll man im Haus bleiben und nicht viel auf der Straße rumlaufen, denn in der Tat fallen manchmal kleine Stücke auf den Boden. Aber ansonsten haben wir nicht das Gefühl, besonders bedroht zu sein.
Das Ziel der Angriffe ist die amerikanische Basis, die 60 Kilometer entfernt liegt. Von daher haben wir hier eine relativ sichere Situation. Natürlich kann immer etwas passieren, siehe Dubai, aber wir sind alle in Gottes Hand.
DOMRADIO.DE: Mit dem Flugzeug kommen Sie in absehbarer Zeit erstmal nicht raus. Gibt es denn Optionen auf dem Landweg? Was wissen Sie?
Meiering: Außenminister Wadephul hat gestern schon ein paar Sätze dazu gesagt. Der muss das jetzt für 30.000 Deutsche organisieren. Ich bin mit einer Gruppe von sieben Leuten hier. Das sollte ein bisschen einfacher sein. Wir haben versucht, unsere Kontakte zu aktivieren, und versuchen, einen Flug entweder von Maskat oder von Riad aus zu bekommen.
Wir müssen aber erst den entsprechenden Transit hinbekommen und das Visum erhalten. Das zu koordinieren, ist nicht so einfach. Natürlich sind alle Leitungen überlastet. An den meisten Telefonen erreicht man niemanden. Immerhin sind hier hunderttausende Menschen gestrandet.
DOMRADIO.DE: Als katholischer Priester sind Sie auch Seelsorger. Ist Seelsorge gerade in der Situation gefragt?
Meiering: Auf jeden Fall. Vor allen Dingen bin ich aber Mensch und versuche, einfach da zu sein. Wir sitzen viel beieinander. Wir sind mit Familie und Gästen 13 Leute und besprechen Stunde um Stunde, was als Nächstes zu tun ist. Wir verbringen unendlich viel Zeit am Rechner oder am Handy, um entweder neueste Nachrichten mitzubekommen oder um beispielsweise zu schauen, ob die Akkreditierung geklappt hat.
Natürlich beobachten wir auch immer die Flüge und wie sich das entwickelt. Also, man ist schon beschäftigt. Zwischendurch gibt es dann immer mal wieder eine Zoom-Konferenz mit der Heimat, damit man bei der ein oder anderen Arbeit dabei ist. Das geht den anderen auch so. Die Arbeit läuft zu Hause weiter und es tut gut, sich an der einen oder anderen Stelle einzuklinken.
Das Interview führte Carsten Döpp.