Persischstämmige Christin fordert Solidarität mit den Menschen im Iran

"Europas Schweigen schockiert uns zutiefst"

Der jüngste Gewalt-Exzess des Mullah-Regimes gegen die Menschen in ihrem Herkunftsland bestürzt auch Iraner im Exil. Als Christin beklagt Mahin Mousapour schon lange die zerstörerische Macht des fundamentalistischen Islams.

Autor/in:
Hilde Regeniter
Berlin: Teilnehmer der Großdemonstration "Solidarität mit den Protestierenden im Iran" / © Paul Zinken (dpa)
Berlin: Teilnehmer der Großdemonstration "Solidarität mit den Protestierenden im Iran" / © Paul Zinken ( dpa )

Totenstille im Iran und um den Iran: Wegen der anhaltenden Internetsperre dringen weiter nur bruchstückhafte Informationen aus dem Land, in dem das Mullah-Regime seit vergangener Woche wieder mit brachialer Gewalt gegen die jüngsten Massenproteste vorgeht. 5.000 Menschen seien bisher getötet worden, sagt das Regime selbst, von bis zu 18.000 Toten berichten dagegen Ärztinnen und Ärzte. 

Mahin Mousapour (privat)
Mahin Mousapour / ( privat )

Verstörende Nachrichten sind das, die auch die vielen Exil-Iraner in einen Schockzustand versetzt haben – und Exil-Iranerinnen wie Mahin Mousapour, eine persischstämmige Pastorin, die seit 40 Jahren mit ihrer Familie in Deutschland lebt.  Sie ist vor langer Zeit zum Christentum konvertiert und steht heute als freikirchliche Pastorin der "Vaterhaus Gemeinde" in Frankfurt am Main vor. 

Schlimme Menschenrechtsverletzungen

Seit Beginn der Straßenproteste ist der Kontakt zu ihrer christlichen Bezugsgruppe im Iran abgerissen. Aber über Bekannte, Verwandte und andere Quellen hat auch sie von schlimmen Menschenrechtsverletzungen erfahren. Sie berichtet von der Tochter eines der berüchtigten Revolutionsgardisten, die von ihrem Vater zu Hause mit Elektroschocks gequält und gewaltsam davon abgehalten wurde, auf die Straße zu gehen, von Eltern, denen die Leichen ihrer ermordeten Söhne und Töchter nicht herausgegeben werden, von gezielten Schüssen in die Menge, von Regimetruppen, die in Krankenhäusern Verletzte exekutieren. 

Deswegen könne der iranische Außenminister gegenüber den USA auch problemlos behaupten, es würden im Zusammenhang mit den aktuellen Demonstrationen keine Hinrichtungen geben, erklärt Mousapour. Sie verweist darauf, dass es allein zwischen dem 5. Januar und dem 14. Januar 2026 im Iran über 50 Hinrichtungen gegeben habe – mit unterschiedlichsten Begründungen. "Die Demonstranten brauchen sie gar nicht offiziell hinrichten zu lassen; sie lassen sie einfach auf der Straße erschießen, egal ob es sich um Kinder, ältere Menschen oder Jugendliche handelt."

Eine Frau, deren Gesicht mit den Farben der iranischen Flagge bemalt ist, bei einer Demonstration / © Emrah Gurel/AP (dpa)
Eine Frau, deren Gesicht mit den Farben der iranischen Flagge bemalt ist, bei einer Demonstration / © Emrah Gurel/AP ( dpa )

Das Regime wolle mit aller Gewalt den Willen des Volkes brechen, beklagt die Pastorin, es wolle die Leute physisch und psychisch zermürben. "Das Regime hasst das eigene Volk, es hasst den Iran!" Trumps Versprechen, den Menschen zu Hilfe zu kommen, habe die Leute ermutigt, ihren Widerstand öffentlich zu machen; jetzt fühlten sie sich komplett im Stich gelassen. 

Enttäuscht vom Schweigen Europas

Ganz besonders enttäuscht ist Mahin Mousapour vom "tödlichen Schweigen Europas" gegenüber den jüngsten Entwicklungen im Iran. Statt entschieden Sanktionen umzusetzen, gehe es Europa im Umgang mit dem Regime in Teheran noch immer in erster Linie um eigene wirtschaftliche Vorteile. "Europa könnte durch seine Parlamente und Medien, den Rundfunk, die Abgeordneten, Politiker und Menschenrechtsorganisationen vieles für das iranische Volk bewirken", sagt Mahin Masapour, "Es könnte zumindest deutlich machen, dass man hinter den Iranern steht, um ihnen Mut zu geben" Stattdessen schweige Europa weiter angesichts der Verbrechen und "das schockiert uns zutiefst."

Dieses am 8. Januar aufgenommene und am 13. Januar via AP zur Verfügung gestellte Foto soll Iraner bei einem Protest gegen die Regierung in Teheran zeigen / © Uncredited/UGC/AP (dpa)
Dieses am 8. Januar aufgenommene und am 13. Januar via AP zur Verfügung gestellte Foto soll Iraner bei einem Protest gegen die Regierung in Teheran zeigen / © Uncredited/UGC/AP ( dpa )

Als Christin wünscht sie sich, dass Christen weltweit für die Menschen im Iran beten. Als evangelische Pastorin setzt sie dabei auch auf Papst Leo XIV. und hofft, dass "auch er eine Botschaft an das iranische Volk richtet und den Iranern Mut macht".

Dass der repressive Islam, wie ihn das Mullah-Regime vertritt und gewaltsam durchsetzen will, dem Lebensgefühl der meisten Menschen im Land ganz offenkundig widerspricht, steht für die Konvertitin schon lange fest. Sie bemüht dazu das Bild von einer Zwangsheirat: Das Regime habe das iranische Volk mit einem "1400 Jahre alten, fundamental-aggressiven Islam zwangsverheiratet."

Viele wenden sich vom Islam ab

Aber die "Ehefrau" gehe seit Jahren fremd und betrüge ihren "Ehemann", denn immer mehr Menschen wendeten sich vom Islam ab, entschieden sich – allen Repressalien zum Trotz – für andere Religionen. Von den aktuell 90 Millionen Menschen im Iran, so die Pastorin, sind etwa 65 Prozent jünger als 35 Jahre. "Diese Menschen sind jung, gebildet, städtisch, global vernetzt und eher nicht religiös". Besonders Frauen betrachteten den Islam mittlerweile als "Feind ihrer Freiheit, ihrer Rechte, ihrer Kinder, des Sorgerechts und ihres Erbes." 

08.01.2026, Iran, Teheran: Dieses Videostandbild, das von einer Person aufgenommen wurde, die nicht bei Associated Press angestellt ist, und das AP außerhalb des Irans erhalten hat, zeigt Menschen, die eine Kreuzung während eines Protests blockieren. / © Uncredited/UGC/AP/ (dpa)
08.01.2026, Iran, Teheran: Dieses Videostandbild, das von einer Person aufgenommen wurde, die nicht bei Associated Press angestellt ist, und das AP außerhalb des Irans erhalten hat, zeigt Menschen, die eine Kreuzung während eines Protests blockieren. / © Uncredited/UGC/AP/ ( dpa )

So sieht die christliche Pastorin mit den iranischen Wurzeln die Menschen und ganz besonders die Frauen in ihrem Herkunftsland in eine Doppelrolle gedrängt: Auf der Straße müssten sie Muslime sein, nur zu Hause dürften sie sie selbst sein. Diese Doppelrolle – eine islamische Maske tragen zu müssen und täglich islamische Indoktrination zu hören – habe viele Menschen psychisch krank gemacht. "Wie groß der Schaden wirklich ist, werden wir erst feststellen, wenn das Regime aus dem Iran verschwunden ist", sagt Mahin Masapour und fürchtet, dass bis dahin noch viel Blut vergossen wird. Eins stehe aber schon jetzt fest: Das Regime habe nicht nur den Iran und seine Kultur zerstört, "es hat auch den Islam im Herzen der Menschen zerstört".

Quelle:
DR

Die domradio- und Medienstiftung

Unterstützen Sie lebendigen katholischen Journalismus!

Mit Ihrer Spende können wir christlichen Werten eine Stimme geben, damit sie auch in einer säkulareren Gesellschaft gehört werden können. Neben journalistischen Projekten fördern wir Gottesdienstübertragungen und bauen über unsere Kanäle eine christliche Community auf. Unterstützen Sie DOMRADIO.DE und helfen Sie uns, hochwertigen und lebendigen katholischen Journalismus für alle zugänglich zu machen!

Hier geht es zur Stiftung!