Totenstille im Iran und um den Iran: Wegen der anhaltenden Internetsperre dringen weiter nur bruchstückhafte Informationen aus dem Land, in dem das Mullah-Regime seit vergangener Woche wieder mit brachialer Gewalt gegen die jüngsten Massenproteste vorgeht. 5.000 Menschen seien bisher getötet worden, sagt das Regime selbst, von bis zu 18.000 Toten berichten dagegen Ärztinnen und Ärzte.
Verstörende Nachrichten sind das, die auch die vielen Exil-Iraner in einen Schockzustand versetzt haben – und Exil-Iranerinnen wie Mahin Mousapour, eine persischstämmige Pastorin, die seit 40 Jahren mit ihrer Familie in Deutschland lebt. Sie ist vor langer Zeit zum Christentum konvertiert und steht heute als freikirchliche Pastorin der "Vaterhaus Gemeinde" in Frankfurt am Main vor.
Schlimme Menschenrechtsverletzungen
Seit Beginn der Straßenproteste ist der Kontakt zu ihrer christlichen Bezugsgruppe im Iran abgerissen. Aber über Bekannte, Verwandte und andere Quellen hat auch sie von schlimmen Menschenrechtsverletzungen erfahren. Sie berichtet von der Tochter eines der berüchtigten Revolutionsgardisten, die von ihrem Vater zu Hause mit Elektroschocks gequält und gewaltsam davon abgehalten wurde, auf die Straße zu gehen, von Eltern, denen die Leichen ihrer ermordeten Söhne und Töchter nicht herausgegeben werden, von gezielten Schüssen in die Menge, von Regimetruppen, die in Krankenhäusern Verletzte exekutieren.
Deswegen könne der iranische Außenminister gegenüber den USA auch problemlos behaupten, es würden im Zusammenhang mit den aktuellen Demonstrationen keine Hinrichtungen geben, erklärt Mousapour. Sie verweist darauf, dass es allein zwischen dem 5. Januar und dem 14. Januar 2026 im Iran über 50 Hinrichtungen gegeben habe – mit unterschiedlichsten Begründungen. "Die Demonstranten brauchen sie gar nicht offiziell hinrichten zu lassen; sie lassen sie einfach auf der Straße erschießen, egal ob es sich um Kinder, ältere Menschen oder Jugendliche handelt."
Das Regime wolle mit aller Gewalt den Willen des Volkes brechen, beklagt die Pastorin, es wolle die Leute physisch und psychisch zermürben. "Das Regime hasst das eigene Volk, es hasst den Iran!" Trumps Versprechen, den Menschen zu Hilfe zu kommen, habe die Leute ermutigt, ihren Widerstand öffentlich zu machen; jetzt fühlten sie sich komplett im Stich gelassen.
Enttäuscht vom Schweigen Europas
Ganz besonders enttäuscht ist Mahin Mousapour vom "tödlichen Schweigen Europas" gegenüber den jüngsten Entwicklungen im Iran. Statt entschieden Sanktionen umzusetzen, gehe es Europa im Umgang mit dem Regime in Teheran noch immer in erster Linie um eigene wirtschaftliche Vorteile. "Europa könnte durch seine Parlamente und Medien, den Rundfunk, die Abgeordneten, Politiker und Menschenrechtsorganisationen vieles für das iranische Volk bewirken", sagt Mahin Masapour, "Es könnte zumindest deutlich machen, dass man hinter den Iranern steht, um ihnen Mut zu geben" Stattdessen schweige Europa weiter angesichts der Verbrechen und "das schockiert uns zutiefst."
Als Christin wünscht sie sich, dass Christen weltweit für die Menschen im Iran beten. Als evangelische Pastorin setzt sie dabei auch auf Papst Leo XIV. und hofft, dass "auch er eine Botschaft an das iranische Volk richtet und den Iranern Mut macht".
Dass der repressive Islam, wie ihn das Mullah-Regime vertritt und gewaltsam durchsetzen will, dem Lebensgefühl der meisten Menschen im Land ganz offenkundig widerspricht, steht für die Konvertitin schon lange fest. Sie bemüht dazu das Bild von einer Zwangsheirat: Das Regime habe das iranische Volk mit einem "1400 Jahre alten, fundamental-aggressiven Islam zwangsverheiratet."
Viele wenden sich vom Islam ab
Aber die "Ehefrau" gehe seit Jahren fremd und betrüge ihren "Ehemann", denn immer mehr Menschen wendeten sich vom Islam ab, entschieden sich – allen Repressalien zum Trotz – für andere Religionen. Von den aktuell 90 Millionen Menschen im Iran, so die Pastorin, sind etwa 65 Prozent jünger als 35 Jahre. "Diese Menschen sind jung, gebildet, städtisch, global vernetzt und eher nicht religiös". Besonders Frauen betrachteten den Islam mittlerweile als "Feind ihrer Freiheit, ihrer Rechte, ihrer Kinder, des Sorgerechts und ihres Erbes."
So sieht die christliche Pastorin mit den iranischen Wurzeln die Menschen und ganz besonders die Frauen in ihrem Herkunftsland in eine Doppelrolle gedrängt: Auf der Straße müssten sie Muslime sein, nur zu Hause dürften sie sie selbst sein. Diese Doppelrolle – eine islamische Maske tragen zu müssen und täglich islamische Indoktrination zu hören – habe viele Menschen psychisch krank gemacht. "Wie groß der Schaden wirklich ist, werden wir erst feststellen, wenn das Regime aus dem Iran verschwunden ist", sagt Mahin Masapour und fürchtet, dass bis dahin noch viel Blut vergossen wird. Eins stehe aber schon jetzt fest: Das Regime habe nicht nur den Iran und seine Kultur zerstört, "es hat auch den Islam im Herzen der Menschen zerstört".