Bischof Jung blickt Katholikentag in Würzburg mit Spannung entgegen

"Wir sind jetzt auf den Zielgraden"

Die Vorbereitungen für den Katholikentag laufen auf Hochtouren. Würzburg will ein guter Gastgeber sein. Zum Abschluss der Vollversammlung der Bischofskonferenz dort schaut Ortsbischof Franz Jung auf das katholische Großevent.

Autor/in:
Johannes Schröer
Der Würzburger Dom inmitten der Würzburger Altstadt / © canadastock (shutterstock)
Der Würzburger Dom inmitten der Würzburger Altstadt / © canadastock ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: "Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich" ist das Motto des 104. Katholikentages, der vom 13. bis 17. Mai in Würzburg stattfindet. Was bedeutet dieses Motto?

Bischof Dr. Franz Jung (Bischof von Würzburg): Das ist ein ganz wunderbares Wort aus dem Evangelium, nämlich aus der Begegnung Jesu mit dem Bartimäus. Es ist ein Wort, das die Menge dem Bartimäus zuspricht. Die Menge will Bartimäus mundtot machen. Erst als Jesus stehen bleibt, merken die Leute: Jetzt ändert sich etwas, und sie ermutigen Bartimäus, zu diesem Jesus hinzutreten. Das ist unsere Aufgabe als Kirche. Den Menschen Mut zu machen, aufzustehen und die Christusbegegnung zu suchen.

DOMRADIO.DE: Warum lohnt es sich, nach Würzburg zu kommen?

Jung: Erst einmal, weil Würzburg eine wunderbare Stadt ist, und dann, weil wir uns als gute Gastgeber präsentieren wollen. Aber auch, weil wir eine Botschaft der Ermutigung in die Gesellschaft in dieser Zeit senden wollen. Man merkt, dass viele Menschen ein Gefühl der Ohnmacht haben. Die Großen teilen die Welt unter sich auf, alles geht den Bach runter, alles wird schlimmer. Wir sagen: "Nein!" Wir nehmen die Dinge in die Hand. In der Begegnung mit Jesus Christus stehen wir auf und versuchen, diese Gesellschaft mitzugestalten. Das ist diese ermutigende Botschaft, die wir jetzt an Christi Himmelfahrt senden wollen.

 © Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
© Karl-Josef Hildenbrand ( dpa )

DOMRADIO.DE: Einige 10.000 Menschen werden nach Würzburg kommen. Wie laufen denn die Vorbereitungen?

Jung: Die Vorbereitungen sind auf der Zielgeraden. Man merkt, wie bei allen großen Events, wenn es langsam greifbar wird, dass dann auch mehr Energie da ist. Wenn man zwei Jahre im Voraus plant, ist alles so theoretisch, aber jetzt sind die Podien besetzt, die Bettenkampagne läuft auf Hochtouren und unsere Botschafter sind unterwegs. Das wird wunderbar.

DOMRADIO.DE: Für Sie wird das ein ganz besonderes Highlight sein. Werden auch einige Prominente, zum Beispiel Politiker, kommen?

Jung: Die Crème de la Crème wird da sein. Bundespräsident und Bundeskanzler sind angekündigt. Unser Landesvater wird uns mit seiner Gegenwart beehren. Es werden viele prominente Leute da sein, was uns wirklich freut. Wir sehen, dass auch der Katholikentag eine Chance ist, als Politiker das Gespräch zu suchen und mit der Kirche ein Signal an die Gesellschaft zu senden.

DOMRADIO.DE: Wie läuft denn die Bettenkampagne der Würzburger für die Katholikentagsbesucher?

Jung: Die Angebote sind sehr weit gespannt und laufen gut. Es gibt unzählige Möglichkeiten: von der Übernachtung im Garten, in einem offen gelassenen Treibhaus, bis zu einem Campingplatz. Wir sind ein Wallfahrtsbistum, das heißt, viele Leute sind es gewohnt, Wallfahrer zu beherbergen. Wir sagen immer frei überliefert nach dem Hebräerbrief, dass Pilger, die man unterbringt, Segen bringen. Das ist für viele ein echtes Anliegen.

DOMRADIO.DE: Der Heilige Kilian ist das Ziel für viele Pilger in Würzburg. Aber es gibt auch andere Prominente. Würzberg ist eine regelrechte Kulturstadt. Zum Beispiel gibt es noch Walter von der Vogelweide, den berühmten Freskenmaler Tiepolo und Balthasar Neumann. Kann man Würzburg die Stadt der Prominenten nennen?

Reliquien der Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan / © Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
Reliquien der Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan / © Karl-Josef Hildenbrand ( dpa )

Jung: Würzburg ist eine uralte Kulturstadt. Wir haben hier mit Kilian, Kolonat und Totnan drei echte Heilige und keine Geklauten, wenn ich das so in Richtung Köln sagen darf (schmunzelt). Die sind von hier und seit Jahrhunderten der große Magnet für Pilger. Es ist sehr schön, dass wir jetzt auch die Bischofskonferenz hier im Neumünster haben, wo die Leiber der drei Heiligen verehrt werden – so gesehen in der heiligen Urzelle in unserem Dom. Dort verehren wir die drei Heiligen, deren Köpfe im Altar liegen, jedes Jahr in der Kilianiwoche. Das ist für uns die größte Reliquie in unserem Bistum, also der geistliche Mittelpunkt und die Selbstvergewisserung im Glauben hier in Würzburg.

DOMRADIO.DE: Worauf freuen Sie sich denn ganz besonders, wenn Sie an den Katholikentag denken?

Jung: Ich freue mich auf die Begegnung mit ganz vielen Menschen und vor allem, dass so viele sagen: "Wir kommen gerne nach Würzburg. Würzburg ist eine tolle Stadt." Wir freuen uns, dass wir uns gegenseitig im Glauben aufbauen und miteinander diese Tage feiern können.

Das Interview führte Johannes Schröer. 

Katholikentage

Deutsche Katholikentage sind Treffen, bei denen sich die Kirche mit ihren Verbänden und Institutionen über mehrere Tage der Öffentlichkeit präsentiert. Sie finden in der Regel alle zwei Jahre in wechselnden Städten statt.

Bei Katholikentagen diskutieren zehntausende Christen über kirchliche und gesellschaftspolitische Themen und feiern Gottesdienste. Veranstalter ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK); Gastgeber ist die jeweilige Diözese des Austragungsortes.

Logo des 104. Deutschen Katholikentags, "Hab Mut, steh auf!"  / © Hannah Krewer (KNA)
Logo des 104. Deutschen Katholikentags, "Hab Mut, steh auf!" / © Hannah Krewer ( KNA )
Quelle:
DR

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