Kardinal Brandmüller ruft zu liturgischem Waffenstillstand auf

Man solle Polemik vermeiden

Kardinal Walter Brandmüller hat ein Ende der erbitterten liturgischen Grabenkämpfe in der Kirche gefordert. In einem Beitrag hat er für eine Rückkehr zu Sachlichkeit und gegenseitigem Respekt in der Kirche plädiert.

Kardinäle beim außerordentlichen Konsistorium mit Papst Leo XIV. am 7. Januar 2026 im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Kardinäle beim außerordentlichen Konsistorium mit Papst Leo XIV. am 7. Januar 2026 im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Auf der Internetseite des Blogs "Diakonos" hat der deutsche Kurienkardinal für einen Waffenstillstand "an der liturgischen Front" appelliert. Die Spaltung in der Kirche gehe nicht auf die Konzilskonstitution zur Liturgie zurück, sondern auf deren Umsetzung. Brandmüller schreibt: Der Streit entzünde sich weniger an Dogmen als an Riten, Gebräuchen und Formen der Frömmigkeit.

Kardinal Walter Brandmüller am 17. Dezember 2018 im Vatikan / © Francesco Pistilli (KNA)
Kardinal Walter Brandmüller am 17. Dezember 2018 im Vatikan / © Francesco Pistilli ( KNA )

Kardinal Walter Brandmüller kritisiert im Beitrag sowohl liturgische Experimente nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) als auch die Verweigerung jeder Weiterentwicklung bei Anhängern der sogenannten "Alten Messe", die vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gefeiert wurde. Brandmüller schreibt: "In Wahrheit reduziert sich die einzige wirkliche 'Messe aller Zeiten' auf die Worte der Konsekration", während sich der Ritus im Laufe der Jahrhunderte in Ost und West in unterschiedlichen Formen entwickelt habe.

Kritik an Progressiven und Traditionalisten

Zugleich betont der Kardinal die Verbindlichkeit der kirchlichen Normen. Die nachkonziliare Messe sei vom Papst eingeführt und verbindlich festgelegt worden. Sie "musste trotz berechtigter Kritik in Gehorsam angenommen werden", so Brandmüller. Liturgische Experimente gefährdeten dagegen die Einheit der Liturgie und damit die Einheit des Glaubens.

Sein Appell: die Sprache im Streit um die Messe entwaffnen, Polemik vermeiden und auf gegenseitige Anschuldigungen verzichten. Traditionalisten und Progressive müssten eine Liturgie sicherstellen, "die ihre jeweiligen Normen genau beachtet". Bis zu einer möglichen "Reform der Reform" gelte daher vor allem eines: "Legt die Waffen nieder!"

Walter Brandmüller wurde 1929 in Ansbach geboren, 1953 zum Priester geweiht und ist mit 97 Jahren der älteste deutsche Kurienkardinal. Der promovierte Kirchenhistoriker machte sich vor allem mit Forschungen zu den Konzilien des späten Mittelalters einen Namen und wurde 1971 Professor für Kirchengeschichte. 1998 berief Papst Johannes Paul II. ihn zum Präsidenten des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, ein Amt, das er bis 2009 ausübte. Zum Kardinal erhob ihn Papst Benedikt XVI. im Jahr 2010, als Brandmüller bereits 81 Jahre alt war. In Rom gilt er bis heute als profiliert konservativer Kirchenmann und scharfer Kritiker reformorientierter Entwicklungen im Pontifikat von Papst Franziskus.

Alte Messe

Die "Alte Messe" bezeichnet die Feier der heiligen Messe meist nach dem Messbuch von 1962, dem "Missale Romanum" von Papst Johannes XXIII. Diese Liturgieform wurde durch die Erneuerung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil außer Kraft gesetzt. 1984 gestattete Papst Johannes Paul II. die Feier nach dem Messbuch von 1962 unter bestimmten Voraussetzungen. Papst Benedikt XVI. weitere mit dem Motu proprio "Summorum Pontificum" (2007) die Kriterien für die Zulassung weiter aus. Papst Franziskus schränkte die Feier später mit "Traditionis Custodes" (2021) wieder stärker ein.

Tridentinische Messe / © Natalia Gileva (KNA)
Tridentinische Messe / © Natalia Gileva ( KNA )
Quelle:
KNA