DOMRADIO.DE: Als Seelsorger bei den Olympischen Winterspielen dabei zu sein, klingt wie ein Traumjob - fast wie Urlaub. Wie war denn die Zeit für Sie persönlich an der Schanze, an der Loipe oder im Eisstadion?
Thomas Weber (evangelischer Pfarrer in Gevelsberg): Sie haben schon Recht: Im normalen Leben bin ich evangelischer Gemeindepfarrer in Gevelsberg. Als Seelsorger des Arbeitskreises "Kirche und Sport" war ich jetzt vor Ort bei den Winterspielen und habe auch tatsächlich privaten Urlaub genommen für die Hälfte der Zeit.
Von daher sehe ich die Olympischen Winterspiele auch als bergbegeisterter Wintersportler mit besonderen Augen. Aber man muss auch sagen, die Entfernung zwischen den verschiedenen Standorten wird zwar die Zukunft der Olympischen Spiele sein, aber es ist schon anstrengend, umzuziehen, wieder Zimmer zu räumen und Koffer zu packen. Die 14 Tage waren aber auch voller großartiger Erlebnisse und Begegnungen.
DOMRADIO.DE: Als Seelsorger waren Sie quasi rund um die Uhr ansprechbar für die deutschen Athletinnen und Athleten. Was für Gespräche gab es nach sportlichen Erfolgen oder auch nach Enttäuschungen?
Weber: Es sind ganz unterschiedliche Begegnungen gewesen. Es waren meine fünften olympischen Winterspiele und ich kenne mittlerweile auch viele von den Älteren, den ehemaligen Aktiven. Aber ich kenne auch die Freude der Sieger und Siegerinnen. Das ist immer etwas Besonderes, zu sehen, wenn ein junger Athlet am Ziel seines Weges ist und die Vorbereitung sich gelohnt hat und er eine gute Platzierung erzielt hat und die Medaille in den Händen hält.
Aber es sind auch Gespräche mit Ehemaligen, wie es nach dem Sport weitergegangen ist. So bunt gemischt wie das Leben. Für mich ist die Olympiamannschaft auch immer eine Gemeinde auf Zeit, so wie ich die Kirchengemeinde auch erlebe.
DOMRADIO.DE: Die Olympischen Spiele sind natürlich ein Fest des Sports, so haben wir das auch erlebt in den letzten zwei Wochen. Inwiefern sind sie aber auch ein Fest des Glaubens und des Friedens? Haben Sie solche Momente auch erlebt?
Weber: Ein Fest des Friedens definitiv, das ist offensichtlich. Zu vielen verschiedenen Sportarten pilgern zehntausende von Fans aus verschiedenen Nationen mit ihren Fahnen und Outfits, zum Beispiel zum Biathlon oder zum Langlauf, und es ist alles so friedlich. Für mich ist das beim neunten Mal Olympia jetzt selbstverständlich. Aber die, die zum ersten Mal dabei sind, sagen: Das ist schon auffällig, wie gut das Miteinander ist und wie man sich begegnet. Da hat der Sport wirklich eine ganz, ganz große integrative Kraft, die überspringt und die offensichtlich ist.
Was den Glauben anbetrifft, so habe ich diesmal zum Beispiel Pastoren aus Südkorea kennengelernt, die ihr Team begleitet haben. Man spricht aber auch über den Glauben, wenn ich mich vorstelle als Seelsorger. Es sind Gespräche über Gott und die Welt.
DOMRADIO.DE: Was nehmen Sie ganz persönlich mit von diesen Spielen?
Weber: Ich bin begeistert, weil ich sehe, wie viel Energie und Lebenszeit die jungen Athleten in ihren Sport investieren. Der Apostel Paulus hat uns dieses Bild auch als Christen vor Augen gemalt: Schaut auf die Sportler, die für einen vergänglichen Siegeskranz ihren Weg gehen und wir haben als Ziel einen unvergänglichen Siegeskranz vor Augen. Das ist für mich als Christ wirklich ein schönes Bild. Das nehme ich jetzt wieder mit nach Hause.
Nächstes Jahr habe ich dann die Altersgrenze auch in der Gemeinde erreicht. Deswegen waren es meine letzten Spiele. Es waren großartige Jahre und vor allen Dingen waren für mich die sogenannten Randsportarten spannend. Da einmal live dabei zu sein und die Athletinnen und Athleten zu sehen, die sonst nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen, das ist immer etwas ganz Besonderes.
Das Interview führte Carsten Döpp.