DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielen Sie für die Athleten? Wie können Sie helfen?
Johannes Lackner (Tiroler Pfarrer und Olympiaseelsorger für das Team Österreich): Als Seelsorger stehe ich dem Team für Gespräche zur Verfügung, wenn die Sportler das wollen. Ich feiere auch Gottesdienste für Sie, ich bete für Sie und gebe Ihnen den Segen.
Gerade die Gottesdienste sind in dieser Hektik der Olympischen Spiele eine Möglichkeit, um zur Ruhe zu kommen. Sie können dort ein bisschen runterkommen, um auch mal andere Gedanken zu fassen. Ich glaube, das ist wichtig – auch dass ich da bin.
DOMRADIO.DE: Wie wird man Olympia-Seelsorger?
Lackner: Ich bin von Kindheit an sehr sportbegeistert. Ich komme aus Kitzbühel in Tirol. Das ist eine Sportstadt. Meine Eltern haben mir diese Sportbegeisterung schon mitgegeben. Um Olympia-Seelsorger zu werden, habe ich mich beim Bischof von Sankt Pölten beworben. Der ist für den Sport in Österreich zuständig. Er hat mich dann ins Team genommen.
Meinen Vorgänger habe ich sehr gut gekannt. Der hat mich ermutigt, dass ich mich bewerbe. Es ist für mich eine tolle Aufgabe. Es ist eine Leidenschaft, dass ich im österreichischen Team dabei sein und die Athleten unterstützen kann. Ich kann Ihnen aus dem Glauben heraus nahe sein.
DOMRADIO.DE: Ist das ein Traumjob für Sie?
Lackner: Für mich ist das wirklich ein Traumjob, eine Berufung, dass ich so nahe an den Athleten und am Geschehen sein darf. Ich kann ihnen auch Kraft geben, das freut mich sehr.
DOMRADIO.DE: Die Skispringerin Lisa Eder aus Leogang im Salzburger Land ist am Wochenende Vierte geworden. Sie sprang damit knapp an den Medaillen vorbei. Ist sie jemand, dem Sie Trost spenden mussten?
Lackner: Bis jetzt habe ich mit Lisa noch keinen Kontakt gehabt, weil sie in Predazzo ist und ich in Cortina bin. Ich werde am Mittwoch nach Predazzo fahren. Ein vierter Platz ist bei Olympia der undankbarste Platz. Ich kann verstehen, dass sie sehr traurig und enttäuscht war.
DOMRADIO.DE: Conny Hütter ist gestern im Abfahrtslauf ebenfalls Vierte geworden. Sind das solche Fälle, bei denen Sie in Aktion treten können, wenn die Sportler und die Athleten das wollen?
Lackner: In Paris zum Beispiel habe ich in ähnlichen Fällen längere Gespräche mit Athleten geführt. Wenn sie die Leistung nicht gebracht haben, versuche ich, Trost zu spenden. In Paris ist ein gläubiger Sportler kurz vorm Wettkampf krank geworden. Er konnte seine Leistung deswegen nicht bringen. Da kam die Frage auf, warum Gott das zulasse. Er hätte es auch verhindern können, dass er krank wird. Das sind so schwierige Fragen, bei denen man als Seelsorger gefordert ist.
DOMRADIO.DE: Es sind weite Wege bei den Spielen. Ist das auch für Sie mit Stress verbunden?
Lackner: Ich habe meine Zentrale im Pfarrhof in Cortina. Von hier aus fahre ich zu den anderen Wettkampfstädten. Ich fahre mit dem eigenen Auto nach Ville di Fiemme für einen Tag und nach Bormio und Livigno werde ich für zwei, drei Tage fahren.
Das sind weite Wege. Von Cortina bis nach Bormio fahren wir sechs, sieben Stunden. Auch in Antholz werde ich bei den Biathleten sein. Das ist eine Herausforderung, aber ich möchte alle Sportler treffen können, wenn sie das wollen. Ich möchte zumindest mein Angebot zur Verfügung stellen. Deswegen ist es mir ein Anliegen, dass ich auch zu den anderen Wettkampfstädten fahre.
Das Interview führte Carsten Döpp.