Eine theologische Betrachtung zur Fastenzeit

Konzentration auf die innere Schönheit

Am Aschermittwoch beginnt für Christen die 40-tägige Fastenzeit. Dabei ist ein gutes Styling für Gott nicht wichtig. Die Fastenzeit lädt dazu ein, den Blick nach innen zu richten: auf Herz, Umkehr und leise Taten.

Autor/in:
Fabian Brand
Ein Priester hält eine Schale mit Asche in der Hand / © Harald Oppitz (KNA)
Ein Priester hält eine Schale mit Asche in der Hand / © Harald Oppitz ( KNA )

"Kleider machen Leute" heißt eine Novelle des Schweizer Dichters Gottfried Keller. In dieser Geschichte geht es um einen armen Gesellen, der sich trotz seiner materiellen Not gut kleidet und viel Wert auf das Äußere legt. Und so gerät er in eine Verwechslungsgeschichte hinein, wird für einen Grafen gehalten und findet letztlich die große Liebe.

Kleider machen Leute: Das kennen wir auch aus unserer Gesellschaft nur zu gut. Da gibt es diejenigen, die sich besonders schön und fein herausputzen, die die große Mode tragen und damit einen gewissen Stil pflegen. Aber es gibt auch die Berufskleidung: die Uniform, durch die man erst den Polizisten erkennt, den weißen Kittel des Arztes oder das Messgewand des Priesters.

Jesus von Nazareth

"Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest".

Dabei kommt es nicht auf die Kleidung selbst an. "Nicht die Kutte macht den Mönch", so sagt man manchmal. Und so mancher Betrüger hat sich schon in die Polizeiuniform hineingeschmuggelt. Vielmehr kommt es auf das Innere an, auf die innere Haltung, auf die persönliche Einstellung.

"Kehrt um zum Herrn"

Damit sind wir schon mitten in den Schrifttexten des Aschermittwochs angekommen. Denn dort hören wir beim Propheten Jesaja die Mahnung: "Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott". Und auch im Evangelium schlägt Jesus ähnliche Töne an. Wenn wir etwas Gutes tun, dann sollen wir es im Verborgenen tun, und zwar so, dass es niemand sieht. "Du aber, wenn du fastest", so sagt Jesus, "salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest".

Die Schrifttexte des Aschermittwochs sind durchzogen von der Mahnung, nicht zu viel Wert auf das Äußere zu legen. Es kommt auf das Innere an! Und das ist es auch, was sowohl der Prophet Jesaja als auch Jesus an der damaligen Gesellschaft kritisieren: dass es Menschen gab, die zwar viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild gelegt haben, aber die innere Haltung vergessen haben.

Das gilt auch beim Fasten. Man kann schön nach außen zeigen, dass man fastet. Man kann es überall hinausposaunen, auf was man verzichtet und wie viel man sich in dieser Fastenzeit vorgenommen hat. Genau das möchte Jesus aber eben nicht – dass wir mit unserer geistlichen Haltung angeben.

Die Gottesbeziehung vertiefen

Die eigene Gottesbeziehung taugt nicht, um damit hausieren zu gehen. Für Jesus ist das Entscheidende, dass wir uns auf uns selber konzentrieren, dass wir fähig sind, unsere eigene Gottesbeziehung zu pflegen und zu vertiefen. Der Blick nach innen, ins Herz eines Menschen hinein, ist wichtiger als das, was man nach außen vorgibt.

Es kann eine schöne Übung für die bevorstehende österliche Bußzeit sein, einmal mehr auf sich selbst zu achten. Nicht im Sinne dessen, welches Bild man von sich selbst nach außen abgibt. Sondern vielmehr: Kann ich mich zurücknehmen? Kann ich Gutes tun, ohne dass es jemand anderes bemerkt? Denn das ist es doch, was uns der Aschermittwoch empfiehlt: dass wir in dieser Fastenzeit den Blick nach innen richten, auf unser Herz schauen, uns vorbereiten auf das Osterfest. Dass wir Umkehr üben, Versöhnung und Vergebung und uns neu einlassen auf Gott, der in Christus unser Wegbegleiter geworden ist.

Es mag schon sein, dass Kleider Leute machen. Aber, wie ein anderes Sprichwort sagt: "Wahre Schönheit kommt von innen". Und so sollten wir uns in diesen Tagen der österlichen Bußzeit auf unsere innere Schönheit konzentrieren: wieder einmal mehr beten, mehr in der Bibel lesen, mehr Gutes tun.

Gott sieht das Verborgene

Und all das nicht so, dass wir es ständig vor uns hertragen. Im Verborgenen sollen wir es tun, denn Gott sieht das Verborgene, er blickt in unser Herz. Vor ihm brauchen wir uns nicht zu verkleiden oder zu verstellen. Er erkennt sofort, dass wir uns hinter den schönen und prächtigen Gewändern nur verstecken. 

Deswegen sollten wir uns gleich vor ihn hinstellen, wie wir sind: ganz ohne Verkleidung, ohne Maske, ohne große Mode. Denn als Menschen sind wir von ihm geliebt und gewollt, mit all unseren Fehlern und Schwächen. Aber auch mit der Bereitschaft zur Umkehr, mit dem Willen, uns neu auf ihn einzulassen, damit wir leben können.

Fastenzeit

Die 40-tägige christliche Fastenzeit beginnt Aschermittwoch und endet am Gründonnerstag vor Ostern. Seit dem 5. Jahrhundert rückte während der Vorbereitung auf Ostern das Fasten in den Mittelpunkt. Da an Sonntagen nicht gefastet werden sollte und sie deshalb nicht als Fastentage gezählt werden, wurde der Beginn der Fastenzeit offenbar im sechsten oder siebten Jahrhundert vom sechsten Sonntag vor Ostern auf den vorhergehenden Mittwoch, den Aschermittwoch, vorverlegt.

Fastenzeit / © Tomasetti (DR)
Fastenzeit / © Tomasetti ( DR )
Quelle:
KNA