Menschen mit Diabetes sollten Fastenzeiten nach Einschätzung von Fachleuten mit besonderer Achtsamkeit umsetzen. Ärztliche Kontrolle sei dabei wichtig.
"Fasten darf nie auf eigene Faust begonnen werden – weder aus religiöser Überzeugung noch aus gesundheitlichem Ehrgeiz", sagte Theresia Schoppe, Vorstandsmitglied beim Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD), am Donnerstag in Stuttgart. Fasten beeinflusse Blutzucker, Insulinwirkung und Flüssigkeitshaushalt zugleich. In Deutschland haben mehr als neun Millionen Menschen Diabetes.
So zeigten Studien für Menschen mit Typ-2-Diabetes klare Vorteile, wenn Fasten geplant und begleitet erfolge. Klinische Untersuchungen belegen demnach, dass intermittierendes Fasten über zwölf Wochen den Langzeitblutzucker um etwa 0,5 bis 1 Prozentpunkte senken kann. Zudem verloren die Studienteilnehmer laut Angaben im Schnitt vier bis fünf Kilogramm Gewicht, und der tägliche Insulinbedarf sank um rund neun Einheiten, ohne dass schwere Unterzuckerungen auftraten.
Anders ist die Lage demnach etwa bei Typ-1-Diabetes (absoluter Insulinmangel). Schon kurze Fastenphasen könnten zu gefährlichen Unterzuckerungen oder zu einer diabetischen Ketoazidose (Stoffwechselübersäuerung) führen.
Ramadan-Fasten: Besondere Regeln für Menschen mit Diabetes
Beim Ramadan-Fasten gelten demnach zusätzliche Anforderungen. Menschen mit Typ-2-Diabetes könnten fasten, wenn der Stoffwechsel stabil eingestellt sei, so die Experten. Die Medikation müsse vorab angepasst werden, die Blutzuckerwerte sollten mehrfach täglich gemessen werden – vor dem Fastenbrechen, danach, nachts und vor der Mahlzeit vor Sonnenaufgang. Die abendliche Mahlzeit sollte den Blutzucker nicht unnötig belasten, und ausreichendes Trinken in der Nacht sei essenziell.
Bei Menschen mit Diabetes Typ 1 und instabilen Werten, Hypo-Neigung oder Diabetes-Komplikationen wie Nierenschäden rät der VDBD davon ab, zu fasten. "Allen anderen möchten wir nicht pauschal abraten, doch es braucht in jedem Fall eine spezialisierte Betreuung, klare Abbruchregeln und die Bereitschaft, das Fasten bei Auffälligkeiten sofort zu beenden", so Schoppe. Im Zweifel gelte immer: "Sicherheit geht vor Fasten."