Wagenbauer Tilly kontert Moskauer Verfahren mit Satire

Putin spießt Hoppeditz auf

Mit einem Schwert spießt Putin den Hoppeditz auf: Mit diesem Motiv greift der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly das russische Verfahren gegen ihn auf. Die Figur des Düsseldorfer Karnevals ist aber keinesfalls wehrlos.

Wagenbauer Jacques Tilly steht vor dem Mottowagen auf dem Putin die Düsseldorfer Karnevalsfigur Hoppeditz aufspießt.  / © Federico Gambarini (dpa)
Wagenbauer Jacques Tilly steht vor dem Mottowagen auf dem Putin die Düsseldorfer Karnevalsfigur Hoppeditz aufspießt. / © Federico Gambarini ( dpa )

Das Verfahren gegen den Bildhauer Jacques Tilly ist Thema eines politischen Mottowagens im Düsseldorfer Rosenmontagszug. Dabei spießt der russische Präsident Wladimir Putin den Hoppeditz mit einem Schwert auf, wie ein am Montag vor dem Zug vom Comitee Düsseldorfer Carneval veröffentlichter Entwurf des von Tilly gestalteten Wagens zeigt. Der Hoppeditz ist das Symbol des Düsseldorfer Karnevals. Er wird traditionell zum Start der Karnevalssession am 11. November geweckt und zum Ende am Veilchendienstag wieder begraben. Er trägt ein rot-weißes Kostüm mit Narrenkappe.Die Düsseldorfer Karnevalsfigur wiederum schlägt dem in Militäruniform gekleideten Putin mit einer Narrenpritsche auf den Kopf.

Auch im Kölner Rosenmontagszug gibt es Solidarität mit dem Düsseldorfer Wagenbauer: Dort hängt ein Schild mit der Aufschrift “Mer ALL sin Tilly” (Wir alle sind Tilly) an einem Wagen. Putin selbst ist auf den politischen Persiflagewagen des Kölner Karnevals nicht abgebildet.

Tilly: Angst ist “schlechter Ratgeber”

In Moskau läuft aktuell ein Prozess gegen den Düsseldorfer Wagenbauer Tilly wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane. Tilly nimmt nicht an dem Verfahren in Russland teil. “Wenn ich mich auf das Spiel des Despoten Putin einlassen würde, dann schaffe ich für den nur eine Propaganda-Show”, sagte Tilly dem Evangelischen Pressedienst (epd). Verglichen mit den russischen Angriffen auf die Ukraine seien “Humor und Satire sehr humane Waffen”. Zudem sei Angst “ein schlechter Ratgeber für Humoristen und Satiriker”, sagte der 62-jährige Künstler dem epd.

Tilly hatte in den vergangenen Jahren etwa einen Wagen mit der Aufschrift “Hitler-Stalin-Pakt 2.0” gestaltet. Dabei schüttelten sich Putin und Trump die Hände und zerquetschten dabei den ukrainischen Staatschef Selenskyj. Zuvor hatte er den russischen Präsidenten auch in einer mit Blut gefüllten Ukraine-Badewanne gezeigt. Tilly gestaltet seit 1984 die oft bissig-entlarvenden Mottowagen im Düsseldorfer Karneval.

Rosenmontagszüge in Karnevalshochburgen

In den Karnevalshochburgen sind die diesjährigen Rosenmontagszüge gestartet. Deutschlands größter Umzug, der sieben Kilometer lange "Zoch" in Köln, setzte sich um 10 Uhr in Bewegung. Der Mainzer Zug begann um 11.11 Uhr, der
Düsseldorfer Zug um 12.22 Uhr. Mit ihren politischen Mottowagen spotten die Jecken und Narren etwa über Trump und Putin, aber auch Bundeskanzler Merz, die AfD und das Regime im Iran.

Putin und Trump verschlingen Europa

In Düsseldorf ist der russische Präsident auch auf zwei weiteren satirischen Wagen zu sehen: Einmal steuert er eine AfD-Drohne mit dem Kopf von Parteichefin Alice Weidel. Eine weitere Persiflage zeigt Putin, der gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump ein verschreckt blickendes Europa verschlingt. Ein anderer Wagen zeigt Trump zusammen mit einer Jesus-Figur. Der US-Präsident schlägt mit seinem "ICE"-Arm ins Gesicht des Mannes mit Dornenkrone und Heiligenschein auf dem Kopf. Auf Jesus' Gewand steht die Aufschrift 2Love & humanity" (Liebe & Menschlichkeit). Die Abkürzung ICE steht für die US-Einwanderungsbehörde.

Die Proteste der Menschen im Iran gegen das Mullah-Regime sind ebenfalls Thema: In Düsseldorf fährt ein Wagen mit einem sich auflösenden Mullah, dem Blutstropfen aus dem Mund tropfen. Die Kölner Karnevalisten zeigen den Politiker und Religionsführer Ali Chamenei, der Demonstrierende auffrisst und ein Blutbad verursacht.

Bundeskanzler Merz aufs Korn genommen

Aber auch die Bundespolitik wird bei den Zügen aufs Korn genommen: In Düsseldorf reitet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) etwa mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) auf deinem Verbrenner-Dinosaurier. In Köln ist Merz als "Kanzler der Schmerzen" zu sehen, wie er und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sich mit Fetischoutfits im "Groko Happy Aua Club" den Hintern versohlen.

Darum feiern Menschen jetzt Fasching, Fastnacht oder Karneval

Konfetti, Kostüme, Kamelle: In vielen Regionen herrscht bald der Ausnahmezustand. Wer mitfeiert, genießt die Heiterkeit im grauen Winter. Hinter vielen Bräuchen steckt derweil noch mehr.

Mit der Bezeichnung "fünfte Jahreszeit" können Rheinländer, Mainzer, Bayern und auch die Basler alle etwas anfangen. Doch der Lokalpatriotismus steckt den Narren im Blut, deswegen feiert jede jecke Region schon namentlich anders: Fasching, Fastnacht oder Karneval. Das närrische Treiben wirft aber auch darüber hinaus manche Fragen auf. Die wichtigsten Antworten:

Konfetti an Karneval / © Julia Steinbrecht (KNA)
Konfetti an Karneval / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
epd