Der international bekannte Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly ruft im Karneval erneut zur Verteidigung der Demokratie auf. "Der Staat darf die Verteidigung seiner liberalen Grundwerte nicht verschlafen, er muss sich stärker wehren", sagt er der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen. "Wir dürfen nicht aus falsch verstandener Toleranz fahrlässig dafür sorgen, dass sich die Intoleranz immer weiter uneingeschränkt ausbreitet."
Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es in Deutschland wenigstens einen Konsens gegeben: Nie wieder Krieg, Vernichtung und Massenmord. Dieser Konsens schwinde nun. "Demokratie muss in jeder Generation neu erworben und gelebt sein", so Tilly. "Wenn Demokratie durch totalitäre Ideen weiterhin so unter Beschuss steht, werden wir eines Tages in einer ganz anderen Gesellschaft leben müssen."
Änderungen bis zum Schluss
Seine Persiflage-Wagen am Rosenmontag dienten dennoch nicht der politischen Missionierung, sondern in erster Linie der Unterhaltung, sagte der Künstler. Angesichts der sich schnell ändernden Weltlage sei es schwieriger geworden, die Wagen bis zum Rosenmontag aktuell zu halten. "Wir haben von Jahr zu Jahr mehr offene Wagen, um reagieren zu können. Ein Wagen ist sogar immer bis zum letzten Wochenende offen, das ist Tradition."
Tilly ist für seine teils bissig-kritischen Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug bekannt. Seine Motive erscheinen in den Tagen nach Karneval regelmäßig auf den Titelseiten der deutschen und internationalen Presse. Wegen seiner spitzen Satire läuft aktuell gegen ihn ein Strafprozess vor einem russischen Gericht. Der Vorwurf lautet Verunglimpfung der russischen Armee.