Katholische Kirche in Republik Moldau engagiert sich stark karitativ

"Wir fühlen uns nicht als Minderheit"

Moldau steht stark unter Druck. Denn Russland führt nicht nur Krieg gegen die Ukraine, sondern attackiert auch die kleine Republik. Ein Blick auf die katholische Kirche in Moldau führt vor Augen, wo die Probleme des Landes liegen.

Autor/in:
Roland Müller
Ein Gottesdienst in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldau / © Valeriy Surujiu (shutterstock)
Ein Gottesdienst in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldau / © Valeriy Surujiu ( shutterstock )

Sie ist nur ein kleines Land am Rand der Europäischen Union: die Republik Moldau. Etwas größer als Belgien, aber mit knapp 3,5 Millionen Einwohnern wesentlich dünner besiedelt, gehört der Binnenstaat zu den ärmsten Ländern Europas. 

Dennoch steht das Land im besonderen Fokus der europäischen Politik: Denn die Republik Moldau wird aufgrund ihrer geografischen Lage zwischen dem EU-Staat Rumänien und der Ukraine, die sich seit Februar 2014 im Krieg befindet, selbst von Russland bedroht. Staatspräsident Wladimir Putin betrachtet die ehemalige Sowjetrepublik als zu seiner Einflusssphäre gehörig und versucht, sie durch hybride Attacken von ihrem pro-europäischen Kurs abzubringen. 

Dazu gehören etwa Desinformationskampagnen in den Medien oder die Stärkung der separatistischen Regionen Transnistrien und Gagausien – aber auch die Instrumentalisierung der orthodoxen Kirche in Moldau. Wegen der akuten Bedrohung durch Russland hat das osteuropäische Land in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht. Zuletzt aufgrund einer Äußerung der moldauischen Präsidentin Maia Sandu, die eine Vereinigung mit dem EU-Land Rumänien ins Spiel brachte.

Anton Cosa / © Annika Weiler (DR)
Anton Cosa / © Annika Weiler ( DR )

Eher wenig in der öffentlichen Aufmerksamkeit steht die katholische Kirche des Landes. Das verwundert nicht, denn in dem von der Orthodoxie geprägten Staat sind die Katholiken mit rund 20.000 Gläubigen eine kleine Minderheit. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die katholische Kirche Moldaus – denn wer sie kennt, versteht die ehemalige Sowjetrepublik und ihre Probleme besser.

Bistum Chișinău wurde 2001 gegründet

Die Geschichte der moldauischen Katholiken hängt eng mit der Vergangenheit ihres Landes zusammen. Ab 1812 gehörte Moldau zum russischen Zarenreich. Bis dahin gab es nur eine verschwindend geringe Zahl von katholischen Gläubigen in der Region. Im Zuge der russischen Herrschaft wurden Siedler unter anderem aus Deutschland und Polen in dem damals Gouvernement Bessarabien genannten Gebiet angesiedelt. Diese brachten teilweise ihre katholische Konfession mit. "1821 wurde schließlich die erste katholische Pfarrei in der heutigen Hauptstadt Chișinău gegründet", weiß Bischof Anton Coșa. 

Coșa leitet seit 2001 als erster Bischof von Moldau das Bistum Chișinău, das als einzige Diözese des Landes direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Vor der Gründung der Hauptstadtdiözese war er acht Jahre lang als Apostolischer Administrator für das Seelenheil der Moldauer Katholiken zuständig. Der heute 64-jährige Rumäne kam 1989 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Moldau. "Damals erhielten die Katholiken ihre Kathedrale in Chișinău zurück, die ihnen die Kommunisten Jahrzehnte zuvor weggenommen hatten", erinnert sich Coșa. 

Die wehende Nationalflagge von Moldawien. / © picture alliance / ZB (dpa)
Die wehende Nationalflagge von Moldawien. / © picture alliance / ZB ( dpa )
Die wehende Nationalflagge der Republik Moldau.

Wie die gesamte Gesellschaft Moldaus sind auch die Katholiken stark mit Migration konfrontiert. "Sehr viele leben wegen der besseren Arbeitsbedingungen in Rumänien. Viele Moldauer haben ohnehin einen rumänischen Pass", sagt der Bischof. Auch in den EU-Ländern Spanien, Italien oder Polen arbeite ein großer Teil der Moldauer. Aber Migration spielt auch mit Blick auf den Klerus des Landes eine große Rolle: Von den 20 Priestern des Bistums Chișinău stammen nur vier aus Moldau. 

Moldauische Caritas setzt sich gegen Armut ein

"Zwei sind aus einer orthodoxen Kirche zum Katholizismus konvertiert." Die meisten der weiteren Priester stammen aus Polen und sind Ordensmänner der Salesianer Don Boscos oder der Herz-Jesu-Priester. Die Internationalität der moldauischen Kirche zeigt sich auch daran, dass in der Chișinăuer Kathedrale der Göttlichen Vorsehung die Gottesdienste auf Rumänisch, Russisch, Englisch, Italienisch, Polnisch und Lateinisch gefeiert werden. 

Obwohl die katholische Kirche in Moldau mit ihren nur 20 Pfarreien und Filialkirchen eine Minderheit in der Gesellschaft ist, engagiert sie sich stark karitativ. "In der Republik Moldau gibt es viele arme und wenige reiche Menschen. Besonders in Chișinău, weil viele für die Arbeitssuche vom Land in die Stadt ziehen", sagt Bischof Coșa. "Unsere Caritas setzt sich gegen diese große Armut ein." So gibt es in der moldauischen Hauptstadt eine Armenspeisung, mehrere soziale Projekte, einige Kindergärten und Hilfsangebote für Geflüchtete aus der Ukraine. "Auch in den anderen Teilen des Landes und in der separatistischen Region Transnistrien sind wir als katholische Kirche präsent." 

Blick auf Chisinau, die Hauptstadt der Republik Moldau / © Calin Stan (shutterstock)
Blick auf Chisinau, die Hauptstadt der Republik Moldau / © Calin Stan ( shutterstock )

Möglich ist dieses Engagement im Sinne der christlichen Nächstenliebe nur durch finanzielle Unterstützung und Sachspenden aus dem Ausland. Aus Deutschland helfen etwa die Sternsinger, Renovabis oder die Malteser der katholischen Kirche Moldaus. "Besonders zum Bistum Dresden-Meißen haben wir ein gutes Verhältnis. Die Diözese unterstützt uns bei der Versorgung der Priester", sagt der Bischof in perfektem Deutsch. 

"Wir haben Respekt füreinander"

Coșa ist erfreut über den Ausgang der Parlamentswahl im Herbst vergangenen Jahres, bei der die pro-europäische Regierungspartei PAS von Präsidentin Sandu wider Erwarten erneut eine Mehrheit erringen konnte. "Aber das ist meine persönliche Meinung. Als Kirche können und wollen wir keine Wahlempfehlung abgeben." Denn die Mehrheit der Katholiken in Moldau sei russisch- und nicht rumänischsprachig, sodass sie eine grundlegende Sympathie für Russland hätten. 

Die Beziehungen zu den orthodoxen Kirchen des Landes seien insgesamt positiv, selbst in den sich als unabhängig verstehenden Gebieten – und auch zur moldauischen Orthodoxie, die dem Moskauer Patriarchat untersteht. "Wir haben Respekt füreinander und versuchen, uns nicht auf die Füße zu treten." Die kleine katholische Minderheit in der Republik Moldau wolle in die Gesellschaft des Landes hineinwirken, sagt Bischof Coșa. "Dabei fühlen wir uns aber nicht als Minderheit, denn wir haben die Weltkirche hinter uns."

Quelle:
DR

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