Ordensfrauen engagieren sich gegen weltweiten Menschenhandel

Augen auf!

Viele Ordensfrauen engagieren sich gegen den weltweiten Menschenhandel. Eine von ihnen, Marjolein Bruinen, berichtet über die unvorstellbare Brutalität und betont, wie wichtig Aufklärung und gesellschaftliches Engagement sind.

Symbolbild Menschenhandel / © Doidam 10 (shutterstock)

Auf immer wenig bekannte dramatischen Ausmaße des Menschenhandels macht die niederländische Ordensfrau Marjolein Bruinen aufmerksam. Im Interview mit Radio Vatikan zum kirchlichen Welttag gegen Menschenhandel (8. Februar) berichtet die Generalsekretärin der Union der Europäischen Konferenzen der Höheren Ordensoberen/innen (UCESM) von unfassbarer Brutalität der Menschenhändler und appelliert eindringlich an die Gesellschaft, die Augen vor diesem Verbrechen nicht zu verschließen.

Schwester Bruinen berichtete, viele Ordensfrauen engagierten sich etwa für Aufklärung, zum Beispiel mit Vorträgen in Schulen, Kirchengemeinden und Frauengruppen; "beispielsweise wenn es darum geht, dass die Kinder durch einen Loverboy oder ein Lovergirl verführt werden, die zunächst Liebe vortäuschen und dann zur Lösung eines vorgespielten gravierenden Problems die oft verliebten Opfer in die Prostitution locken".

Problem "Unsichtbarkeit"

Auch sorgten Ordensfrauen für Schutz und Begleitung. "Wenn beispielsweise ein Opfer aus einem afrikanischen Land kommt, suchen wir dort vor Ort Klöster auf - und fragen, ob es nach Rückkehr dort unterkommen kann, da die Betroffenen fast nie zu ihrer eigenen Familie zurückkehren können", sagte Bruinen.

Als große Herausforderung im Bereich Menschenhandel nannte sie etwa das Problem der Unsichtbarkeit. Die meisten Delikte geschähen hinter Türen. Betroffene hätten auch Angst, zur Polizei zu gehen, wenn sie "selbst schlechte Erfahrungen mit den Sicherheitskräften im eigenen Land gemacht haben". Manchmal wende sich die öffentliche Meinung aber auch gegen die Polizei - weil man der Meinung sei, dass sie mit ihrem Eingreifen Familien zerstöre. Organisierte Kriminalität sei zudem unfassbar brutal, berichtete die Ordensfrau. "Einmal bekam eine Frau zum Beispiel den abgetrennten Daumen ihres kleinen Kindes zugeschickt, als sie unwillig war mitzumachen. Solche Geschichten gibt es viele."

Erzählt davon!

Erschwerend komme vielfach Armut hinzu. Bruinen: "Frauen, darunter sogar promovierte Ärztinnen und Juristinnen, hoffen, in kurzer Zeit im wohlhabenden Ausland Geld zu sammeln, um in ihrem Heimatland eine Praxis aufzubauen. Aber sie haben keine Ahnung, wo sie landen werden."

Zur Frage, was ein "normaler Mensch" in Westeuropa gegen Menschenhandel tun könne, sagte die Ordensfrau: "Nach einem Vortrag habe ich immer gesagt: 'Wenn jeder, der hier sitzt, diese Geschichte einer weiteren Person erzählt, und diese Person tut das auch, dann wird dieses Dorf bald sicherer sein.' Das gilt auch für unsere Breitengrade." Bewusstsein für die Problematik zu schaffen und die Augen vor derartigen Situationen nicht zu verschließen, sei der erste Schritt dafür, Menschenhandel und seinen vielfältigen Auswirkungen einen Riegel vorzuschieben.

Die UCESM ist ein Netzwerk, das 38 nationale Konferenzen von Ordensgemeinschaften aus 28 europäischen Ländern vertritt. Der kirchliche Welttag gegen Menschenhandel am 8. Februar wurde 2015 von Papst Franziskus (2013-2025) eingeführt.

Gebetstag gegen Menschenhandel

Der Weltgebetstag gegen Menschenhandel findet jährlich am 8. Februar statt. 2015 hat ihn Papst Franziskus ins Leben gerufen, da Millionen Menchen Opfer von Prostitition, Kinder- und Organhandel sind. Den 8. Februar hat der Papst bewusst gewählt. Es ist der Tag  der Heiligen Josephine Bakhita, die im 19. Jahrhundert im Sudan versklavt wurde und später in Italien dem Orden der Canossianerinnen beitrat (DOMRADIO, 6.2.2021)

Symbolbild Gebet, zu Hause / © PUWADON SANG (shutterstock)
Symbolbild Gebet, zu Hause / © PUWADON SANG ( shutterstock )
Quelle:
KNA