DOMRADIO.DE: Der "Zug der fröhlichen Leute" – den Namen finde ich klasse! Aber warum ziehen Sie so früh? Eine Woche vor dem echten Karnevalswochenende.
Jens Kalliske (Vizepräsident des Karnevalsverbands Lausitz): Das ist richtig. Wir ziehen dieses Jahr eine Woche vor. Sonst findet unser Zug immer am Sonntag vor Rosenmontag statt, aber in diesem Jahr fällt der Tag auf den 15. Februar. Das ist genau der Tag, an dem sich die Bombardierung von Cottbus zum 81. Mal jährt. Für uns passt es nicht zusammen, wenn man an einem Tag den Toten gedenkt und gleichzeitig einen Karnevalsumzug veranstaltet. Deshalb haben wir beschlossen, alles um eine Woche vorzuziehen.
DOMRADIO.DE: Das stimmt wohl. Der Karnevalsumzug in Cottbus ist Ostdeutschlands größter und fröhlichster. Zum Vergleich: Am Rosenmontag in Köln sind etwa 12.000 Teilnehmer unterwegs, und der Zug dauert rund dreieinhalb Stunden. Welche Dimensionen hat der Umzug bei euch in Cottbus?
Kalliske: Wir haben nicht ganz so viele Teilnehmer. Bei uns ziehen ca. 3.500 Teilnehmer in 60 Bildern mit 100 Fahrzeugen. Unsere Umzugsstrecke ist auch nicht so lang wie die in Köln. Unser Zugweg durch die Innenstadt ist knapp drei Kilometer lang, und wir brauchen dafür ungefähr zweieinhalb Stunden.
DOMRADIO.DE: Bei Ihrem Umzug nehmen auch Leute aus dem Breisgau teil. Also ganz aus dem Südwesten Deutschlands und sogar aus Florida. Wie kommt die Verbindung zu den Amerikanern zustande?
Kalliske: Unsere Vereine aus der Lausitz pflegen viel Kontakt in die alten Bundesländer und auch ins Ausland. So ist ein langjähriger Kontakt eines Cottbuser Karnevalsvereins in den Breisgau entstanden. Man besucht sich gegenseitig. In diesem Jahr sind die Breisgauer hier bei uns. Außerdem ist die Stadt Cottbus Mitglied in der Föderation Europäischer Karnevalsstädte. Auch dadurch gibt es Kontakte ins Ausland und darüber kommt auch die Abordnung aus Florida.
DOMRADIO.DE: Beschreiben Sie uns gerne, wie die närrischen Tage in der Lausitz gefeiert werden?
Kalliske: Bei uns herrscht schon seit einigen Wochen Hochkonjunktur, weil die Session relativ kurz ist. Die Vereine müssen sich ihre Veranstaltungen gut aufteilen. In der Lausitz gibt es zudem noch andere Traditionen, vor allem sorbische Bräuche mit Umzügen und Ähnlichem. Deshalb beginnt die Session bei uns schon Anfang Januar mit Maskenbällen und weiteren Veranstaltungen. Jeder Ort hat seine eigene Art Karneval zu feiern, was das Treiben besonders interessant macht. In der Lausitz gibt es eine Karnevalsdichte von etwa 10 bis 15 Kilometern. Man findet also überall den nächsten Karnevalsverein. Für den närrischen Erfolg ist reichlich gesorgt.
DOMRADIO.DE: Schauen Sie auch in die Karnevalshochburgen im Westen? Zum Beispiel nach Köln oder Düsseldorf?
Kalliske: Wir schauen schon nach Köln. Allerdings sind die Voraussetzungen dort andere. In den Hochburgen ist von Weiberfastnacht bis Rosenmontag oder sogar Aschermittwoch quasi alles auf Karneval getrimmt. Bei uns in Brandenburg, in der Lausitz ist das leider nicht so. Wir müssen am Rosenmontag alle wieder arbeiten. Deshalb geht unser Rosenmontagszug am Sonntag davor, damit auch viele Leute am Straßenrand stehen können. Wir erwarten fünfzig- bis sechzigtausend Zuschauer. Deshalb ist es auch Ostdeutschlands größter Karnevalsumzug. Mit den Zuschauern macht es natürlich allen viel mehr Spaß, und auch die Teilnehmer haben mehr Zeit.
Das Interview führte Carsten Döpp. (Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurde am Sonntag, dem 8. Februar, um 10:30 Uhr aktualisiert.)