DOMRADIO.DE: Zug der fröhlichen Leute – den Namen finde ich klasse! Aber warum ziehen Sie so früh? Eine Woche vor dem echten Karnevalswochenende.
Jens Kalliske (Vizepräsident des Karnevalsverbands Lausitz): Das ist richtig. Wir ziehen dieses Jahr eine Woche vor. Sonst ist es immer am Sonntag vor Rosenmontag, aber diesmal fällt der auf den 15., also genau auf den Tag, an dem bei uns traditionell der Umzug wäre. Jetzt sehe ich zum 81. Mal der Bombardierung von Cottbus. Und da ist es nicht passend, wenn man den Toten gedenkt und gleichzeitig noch einen Karnevalsumzug veranstaltet. Deshalb haben wir beschlossen, alles um eine Woche vorzuziehen.
DOMRADIO.DE: Das stimmt wohl. In Cottbus ist das ja Ostdeutschlands größter und fröhlichster Karnevalsumzug. Rosenmontag hier in Köln sind etwa 12.000 Teilnehmer unterwegs, der Zug dauert rund dreieinhalb Stunden. Welche Dimensionen hat das bei euch in Cottbus?
Kalliske: Ja, wir haben nicht ganz so viele Teilnehmer. Wir haben ca. 3.500 Teilnehmer in 60 Bildern mit 100 Fahrzeugen. Unsere Umzugsstrecke ist auch nicht ganz so groß wie die in Köln, zum Beispiel. Uns ist knapp drei Kilometer lang und wir ziehen ungefähr zweieinhalb Stunden durch diese Innenstadt.
DOMRADIO.DE: Und ich habe gehört, morgen sind Leute aus dem Breisgau mit dabei. Also, ganz aus dem Südwesten Deutschlands, und auch aus Florida. Wie kommen die Amerikaner?
Kalliske: Ja, unsere Vereine aus der Lausitz pflegen viel Kontakt in die alten Bundesländer und auch ins Ausland. So besteht zum Beispiel ein sehr guter Kontakt eines Cottbuser Karnevalsvereins in den Breisgau. Man besucht sich gegenseitig, dieses Jahr sind sie hier. Außerdem ist die Stadt Cottbus Mitglied in der Föderation Europäischer Karnevalstädte, wodurch es Kontakte ins Ausland gibt. In diesem Rahmen kommt auch eine Abordnung aus Florida, die am Umzug teilnimmt.
DOMRADIO.DE: Wie beschreiben Sie die närrischen Tage jetzt in der Lausitz?
Kalliske: Bei uns herrscht schon seit einigen Wochen Hochkonjunktur, weil die Session relativ kurz ist. Die Vereine müssen sich ihre Veranstaltungen gut aufteilen. In der Lausitz gibt es zudem noch andere Traditionen, vor allem die sorbischen Bräuche mit Umzügen und Ähnlichem. Deshalb beginnt bei uns schon Anfang Januar alles mit Maskenbällen und weiteren Veranstaltungen. Jeder Ort hat dabei seinen eigenen Karnevalsstil, was das Ganze besonders interessant macht. In der Lausitz gibt es eine Karnevalsdichte von etwa 10 bis 15 Kilometern, also findet man überall den nächsten Karnevalsverein. Für närrischen Erfolg ist also reichlich gesorgt.
DOMRADIO.DE: Schauen Sie auch nach Köln, wie hier der Karneval gefeiert wird?
Kalliske: Ja, wir schauen schon nach Köln. Dort sind die Voraussetzungen anders, da kann man sagen: Ab Weiberfastnacht bis Rosenmontag oder sogar Aschermittwoch ist quasi alles zu. Leider ist das bei uns in Brandenburg, in der Lausitz, nicht so. Wir müssen alle montags wieder arbeiten. Deshalb haben wir den Rosenmontagszug auf den vorherigen Sonntag verlegt, damit wenigstens viele Leute am Straßenrand stehen. Wir erwarten 50.000 bis 60.000 Zuschauer, weshalb es Ostdeutschlands größter Karnevalsumzug ist. Das macht natürlich allen viel mehr Spaß: Die Akteure haben Zeit, können teilnehmen, auch wenn wir unsere Fahrzeuge nicht dauerhaft aufbauen können. Wir lagern alles in der Garage und stellen es erst am Karnevalswochenende auf die Wagen, um dann am Umzug teilzunehmen.
Das Interview führte Carsten Döpp.