Dr. phil., theol.
Peter Beer

Theologe, Pädagoge und Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom
Peter Beer (privat)

Peter Beer, geboren 1966, ist promovierter Theologe und Pädagoge sowie Professor am "Institute of Anthropology. Interdisciplinary Studies on Human Dignity and Care“ der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Von 2009 bis 2019 war er Generalvikar im Erzbistum München und Freising und damit der zweitmächtigste Mann nach Kardinal Reinhard Marx. 

2020 wurde er zum Professor am Zentrum für Kinderschutz (Center for Childprotection, CCP) der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom ernannt. Im selben Jahr gab er sein Amt als Generalvikar auf. Als Grund gab er in einem Interview mit der "Zeit" sein Scheitern im Kampf gegen die Beschützer von Missbrauchstätern an. "Wir haben keine Einzelfälle von Missbrauch, sondern ein System", so Beer. Die Institution habe "schändlich" agiert - und sträube sich damals wie heute gegen Aufklärungsbemühungen.

"Wenn du Hierarchien angreifst, Herrschaftswissen transparent machen willst, wird blockiert und zurückgeschossen", berichtet er. Beer selbst habe alles versucht gegen die Täterschützer. "Aber ich konnte den Apparat letztlich kaum ändern." Die Kirche könne sich selbst nicht aufklären: "Das ist meine bittere Erfahrung."

Heute unterrichtet er ohne Priesterkragen an der Uni und stellt sich große Fragen zur Zukunft der Kirche. Ist Bedeutungsverlust etwas schlechtes? Hätten wir uns als Institution nicht schon viel früher hinterfragen müssen? Sind Reformideen wie der Synodale Weg und die Weltsynode die wahre Antwort auf die Probleme der Kirche? 

Beer selbst wurden im Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising bescheinigt, dass er Missbrauchsfälle zwar aufklären wollte, aber auf erbitterte interne Widerstände gestoßen sei. Die unabhängigen Gutachter der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) attestierten Beer - wie auch Kardinal Marx - eine grundsätzliche Offenheit für die Thematik des sexuellen Missbrauchs, warfen ihm aber unangemessenes Verhalten in vier Fällen vor.

Beer sagte dazu, er wolle "keine Entschuldigungen" für seine Fehler suchen: "Die sind passiert, dafür bin ich verantwortlich, so wie ich als Generalvikar für die gesamte Organisation des Erzbistums die Letztverantwortung trug." Das Missbrauchsgutachten sieht er als Chance für einen Neuanfang für die katholische Kirche: "Wir müssen verstehen: Kritik ist nicht zu unserem Schaden, sondern Bedingung für einen Neuanfang." 

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