Vatikan will Kampf gegen Kindesmissbrauch verstärken

Kinderschutz studieren

Zuletzt war das Schicksal eines Neunjährigen aus Freiburg in der Öffentlichkeit. In allen Bereichen der Gesellschaft ist Kindesmissbrauch Thema. Die katholische Kirche setzt jetzt auf Bildung des Kinderschutz.

 (DR)

Im Kampf gegen Kindesmissbrauch erweitern die Päpstliche Universität Gregoriana und das dort angesiedelte Kinderschutzzentrum ihr Ausbildungsangebot. "Die '#MeToo'-Debatte, die Vorfälle in der Welt des Sports sowie die Debatte um den chilenischen Bischof Juan Barros von Osorno zeigen, wie dringend nötig es ist, hier weiterzuarbeiten", sagte der Leiter des Kinderschutzzentrums, der Psychologe Hans Zoller, am Freitag am Sitz der Universität in Rom.

Neuer Studiengang 

Die Gregoriana bietet ab Oktober einen neuen zweijährigen, interdisziplinär angelegten Studiengang zum Schutz von Minderjährigen an.

Der viersemestrige Studiengang in englischer Sprache sieht unter anderem ein sechsmonatiges Praktikum vor. Am Abschluss steht der akademische Grad eines Lizenziats. "In seinem multidisziplinären Ansatz ist dieser Vollzeitstudiengang weltweit der erste dieser Art", so Zollner. Er äußerte sich bei einer Feier für 18 Absolventen eines einsemestrigen Fortbildungskurses zum Thema Kinderschutz. Daran nahmen auch die Botschafterinnen Australiens und Irlands beim Heiligen Stuhl teil.

Priester und Ordensleute aus aller Welt

Die Absolventen, meist Priester und Ordensleute aus fast allen Kontinenten, befassten sich etwa mit den Risiken für minderjährige Straßenverkäufer, Kinderehen oder der persönlichen Reife von Klerikern und ihrer Anfälligkeit für Missbrauchstaten. Der Kurs fand zum dritten Mal statt; er wird für Herbst erneut angeboten.

Der Generalvikar des Erzbistums München-Freising, Peter Beer, betonte in seiner Predigt die Notwendigkeit, das Gelernte persönlich zu verinnerlichen. Als vier wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Arbeit zum Schutz Minderjähriger nannte Beer die vertrauliche, nicht-öffentliche Begegnung, einen persönlichen Zugang, den das Opfer oder die gefährdete Person gewährt, ein gläubiges Vertrauen in Gott sowie die Bereitschaft des von Missbrauch Betroffenen, selbst wieder aktiv zu werden. Das Erzbistum München unterstützt das Kinderschutzzentrum seit dessen Anfängen 2012.

Die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom.  / © Paolo Galosi (KNA)
Die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom. / © Paolo Galosi ( KNA )
Hans Zollner / © Romano Siciliani (KNA)
Hans Zollner / © Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA