Peter Beer ist aus dem Münchner Domkapitel ausgeschieden

Zum ersten Mai

Peter Beer, früherer Münchner Generalvikar, ist aus dem Münchner Domkapitel ausgeschieden. Seine Mitgliedschaft wurde zum 1. Mai "im gegenseitigen Einvernehmen beendet". Bereits 2020 legte er seine Aufgabe als Generalvikar nieder.

Peter Beer / © Francesco Pistilli (KNA)
Peter Beer / © Francesco Pistilli ( KNA )

Das teilte das Domkapitel am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Beer nehme keine besondere Aufgabe im oder um den Dom herum oder für die Erzdiözese München und Freising mehr wahr, hieß es zur Begründung.

Generalvikar bis 2020

Der Niederbayer wurde 2010 von Kardinal Reinhard Marx zum Generalvikar ernannt. Die Aufgabe legte er 2020 nieder. Als Grund gab er in einem Interview mit der "Zeit" vor einigen Monaten sein Scheitern im Kampf gegen die Beschützer von Missbrauchstätern an.

Generalvikar

Ein Generalvikar gilt als wichtigster Mitarbeiter des Bischofs an der Spitze einer Diözese und als dessen "alter ego". Ihm fällt vor allem die Verwaltung zu. Darin ist er mit dem Manager eines Unternehmens vergleichbar. Laut Kirchenrecht besitzt er die Gewalt, "die der Diözesanbischof von Rechts wegen hat, um alle Verwaltungsakte erlassen zu können".

Das Generalvikariat ist zentrale Verwaltungsbehörde eines Bistums. Mancherorts heißt sie Ordinariat. Sie gewährleistet das Funktionieren von Seelsorge, Sozialdiensten und Bildungseinrichtungen.

Akten in einem Archiv / © Julia Steinbrecht (KNA)

Dabei äußerte er auch Zweifel an seiner späten Entscheidung zur 2002 erfolgten Priesterweihe sowie an seiner weiteren Mitgliedschaft im Domkapitel. Er habe überlegt, die Ernennungsurkunde und sein Kapitelkreuz zurückzuschicken.

Aufklärung von Missbrauchsfällen

Seit April 2020 ist der promovierte Theologe und Pädagoge Professor an der Universität Gregoriana und ein enger Mitarbeiter des vatikanischen Kinderschutzexperten Hans Zollner, mit dem er zur Schule ging. Außerdem ist er weiter Vorsitzender des Stiftungsrats der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt (KU).

Schon 2010 beauftragte Beer als Generalvikar die Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) mit einem Missbrauchsgutachten, das damals als wegweisend galt, aber nicht veröffentlicht wurde. Das zweite WSW-Gutachten, das im Januar publik wurde, beleuchtete auch seine Amtszeit als Generalvikar. Die ihm darin angelasteten Versäumnisse räumte Beer ein. Zugleich hielten ihm die Anwälte zugute, "als einer von wenigen und gegen teils erbitterten Widerstand innerhalb der Erzdiözese" sich für Aufklärung und Aufarbeitung von Missbrauchsfällen eingesetzt zu haben.

Erzbistum München und Freising

Das Erzbistum München und Freising ist mit rund 1,61 Millionen Katholiken (Stand: Mai 2021) das größte unter den sieben bayerischen Bistümern und eine der bedeutendsten Diözesen in Deutschland. Sie erstreckt sich über eine Fläche von 12.000 Quadratkilometern vorwiegend auf Oberbayern und ging hervor aus dem Hochstift Freising, das der heilige Bonifatius 739 errichtete. Nach der Säkularisation 1821 wurde der Bischofssitz nach Münchenverlegt und die Erhebung zum Erzbistum verfügt.

Türme der Liebfrauenkirche in München / © haraldmuc (shutterstock)

Quelle:
KNA