Kardinal Schönborn gibt Vorsitz der Vatikanbank ab

"Langer und anspruchsvoller Reformprozess"

Das Geldinstitut IOR ist mit seinen Gewinnen eine wichtige Einnahmequelle des Vatikans. Die einst geheimnisumwitterte Bank wird von einer Handvoll Kardinäle geleitet und kontrolliert. Nun gibt es einen Leitungswechsel.

Kardinal Christoph Schönborn / © Kendall Mclaren/CNS photo (KNA)
Kardinal Christoph Schönborn / © Kendall Mclaren/CNS photo ( KNA )

Der italienische Kardinal Giuseppe Petrocchi (77) hat den Vorsitz der Kardinalskommission für die Vatikanbank IOR übernommen. Er folgt damit auf den österreichischen Kardinal Christoph Schönborn (81), wie das Portal Vatican News am Montag meldete.

Schönborns Erfahrung habe während seiner zwölf Jahre an der Spitze des Kontroll- und Leitungsgremiums eine "solide und kohärente Führung" ermöglicht, so die Kardinalskommission.

	Giuseppe Petrocchi, Erzbischof von L Aquila, (Italien).  / © Romano Siciliani (KNA)
Giuseppe Petrocchi, Erzbischof von L Aquila, (Italien). / © Romano Siciliani ( KNA )

Schönborn, emeritierter Erzbischof von Wien, äußerte sich dankbar über den im April 2025 verstorbenen Papst Franziskus für dessen "beständige und erleuchtete Unterstützung während des langen und anspruchsvollen Reformprozesses" des Instituts. Die Umgestaltung unter Aufsichtsratspräsident Jean-Baptiste de Franssu in den vergangenen Jahren habe innerhalb der internationalen Finanzgemeinschaft große Anerkennung und Wertschätzung gefunden, so Schönborn.

Blick auf den Turm Niccolo V. (m.), dem Sitz der Vatikanbank "Istituto per le Opere di Religione" (IOR), am 30. September 2023 im Vatikan / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Blick auf den Turm Niccolo V. (m.), dem Sitz der Vatikanbank "Istituto per le Opere di Religione" (IOR), am 30. September 2023 im Vatikan / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Der neue IOR-Präsident Petrocchi gehört der Kommission bereits seit 2020 an. Weitere Mitglieder des Gremiums sind die Kardinäle Ángel Fernández Artime, Konrad Krajewski, Luis Tagle und Emil Tscherrig.

Finanzdienstleister im Vatikanstaat

Die Vatikanbank IOR ("Institut für die Werke der Religion") ist die einzige Einrichtung im Staat der Vatikanstadt, die professionelle Finanzdienstleistungen erbringen darf. Sie verwaltet Vermögenswerte in Übereinstimmung mit der Soziallehre der katholischen Kirche und betreut nach eigenen Angaben mehr als 12.000 kirchliche Kunden in über 110 Ländern. 2023 und 2024 erzielte die Vatikanbank jeweils einen Gewinn von mehr als 30 Millionen Euro, den sie zu einem Großteil an den Heiligen Stuhl abführte.

Christoph Schönborn OP

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn war 30 Jahre lang Erzbischof von Wien. Geboren am 22. Januar 1945 in Skalken (Skalsko), Böhmen, flohen er, sein Bruder und seine Mutter noch im gleichen Jahr nach Niederösterreich. Aufgewachsen sind sie dann in der Region Vorarlberg. Nach dem Abitur trat er 1963 in den Dominikanerorden ein.

Er studierte Theologie und Philosophie in Walberberg, zwischen Köln und Bonn, und setzte seine Studien auch in Wien und Paris fort. Er wurde am 27. Dezember 1970 in der Wiener Dominikanerkirche zum Priester geweiht.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn / © Cristian Gennari (KNA)
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn / © Cristian Gennari ( KNA )
Quelle:
KNA