Kardinal Schönborn gibt Vorsitz der Vatikanbank ab und zieht Bilanz

"Langer und anspruchsvoller Reformprozess"

Das Geldinstitut IOR ist mit seinen Gewinnen eine wichtige Einnahmequelle des Vatikans. Die einst geheimnisumwitterte Bank wird von einer Handvoll Kardinäle geleitet und kontrolliert. Nun gibt es einen Leitungswechsel.

Kardinal Christoph Schönborn / © Kendall Mclaren/CNS photo (KNA)
Kardinal Christoph Schönborn / © Kendall Mclaren/CNS photo ( KNA )

Der italienische Kardinal Giuseppe Petrocchi (77) hat den Vorsitz der Kardinalskommission für die Vatikanbank IOR übernommen. Er folgt damit auf den österreichischen Kardinal Christoph Schönborn (81), wie das Portal Vatican News am Montag meldete.

Schönborns Erfahrung habe während seiner zwölf Jahre an der Spitze des Kontroll- und Leitungsgremiums eine "solide und kohärente Führung" ermöglicht, so die Kardinalskommission.

	Giuseppe Petrocchi, Erzbischof von L Aquila, (Italien).  / © Romano Siciliani (KNA)
Giuseppe Petrocchi, Erzbischof von L Aquila, (Italien). / © Romano Siciliani ( KNA )

Der neue IOR-Präsident Petrocchi gehört der Kommission bereits seit 2020 an. Weitere Mitglieder des Gremiums sind die Kardinäle Ángel Fernández Artime, Konrad Krajewski, Luis Tagle und Emil Tscherrig.

Schönborn: Sanierung der Vatikanbank gelungen 

Kardinal Christoph Schönborn zieht derweil eine positive Bilanz der Reform der Vatikanbank. Die Finanzinstitution sei grundlegend saniert und ihre Glaubwürdigkeit wiederhergestellt, sagte Schönborn der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress am Dienstag. Er blicke mit Dankbarkeit auf seine Tätigkeit zurück. Die Vatikanbank sei zwar klein, "aber sie liegt halt im Vatikan und daher ist die Aufmerksamkeit besonders groß".

"Es lag wirklich sehr viel im Argen. Man kann durchaus von Korruption sprechen, und zwar auch in den eigenen Reihen", sagte Schönborn mit Blick auf frühere Korruptions- und Geldwäscheaffären. Bereits Papst Benedikt XVI. habe Reformen angestoßen, sei jedoch am fehlenden Rückhalt innerhalb der Institution gescheitert.

Franziskus brachte Durchbruch 

Den entscheidenden Durchbruch schreibt Schönborn Papst Franziskus zu. Dessen Reformkurs und die Einbindung international erfahrener Wirtschaftsexperten hätten die Wende gebracht. Besonders hob er Generaldirektor Gian Franco Mammì sowie den Aufsichtsrat unter Präsident Jean-Baptiste de Franssu hervor. Die Neuausrichtung der Bank habe "innerhalb der internationalen Finanzgemeinschaft große Anerkennung und Wertschätzung gefunden".

Beim Eintritt Schönborns in die Kardinalskommission 2014 habe die Bank lediglich Geschäftsbeziehungen zur Deutschen Bank unterhalten.

Keine italienische Bank habe kooperieren wollen. Heute pflegt die Vatikanbank reguläre Beziehungen zu mehr als 40 internationalen Banken. Auch die regelmäßigen externen Prüfungen hätten zunehmend bessere Ergebnisse gebracht.

Reformbedarf bleibe

Trotz der Erfolge bleibe Reformbedarf, betonte Schönborn. Finanzinstitutionen müssten sich kontinuierlich weiterentwickeln. Der eingeschlagene Kurs sei jedoch eindeutig richtig. Eine engere Zusammenarbeit der vatikanischen Einrichtungen sei nun entscheidend.

Er sei überzeugt, dass Papst Leo XIV. diesen Reformweg fortsetzen werde. Mit Dankbarkeit blickte Schönborn auf seine zwölfjährige Tätigkeit zurück. Die Vatikanbank sei zwar klein, "aber sie liegt halt im Vatikan und daher ist die Aufmerksamkeit besonders groß".

Finanzdienstleister im Vatikanstaat

Die Vatikanbank IOR ("Institut für die Werke der Religion") ist die einzige Einrichtung im Staat der Vatikanstadt, die professionelle Finanzdienstleistungen erbringen darf. Sie verwaltet Vermögenswerte in Übereinstimmung mit der Soziallehre der katholischen Kirche und betreut nach eigenen Angaben mehr als 12.000 kirchliche Kunden in über 110 Ländern. 2023 und 2024 erzielte die Vatikanbank jeweils einen Gewinn von mehr als 30 Millionen Euro, den sie zu einem Großteil an den Heiligen Stuhl abführte.

Christoph Schönborn OP

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn war 30 Jahre lang Erzbischof von Wien. Geboren am 22. Januar 1945 in Skalken (Skalsko), Böhmen, flohen er, sein Bruder und seine Mutter noch im gleichen Jahr nach Niederösterreich. Aufgewachsen sind sie dann in der Region Vorarlberg. Nach dem Abitur trat er 1963 in den Dominikanerorden ein.

Er studierte Theologie und Philosophie in Walberberg, zwischen Köln und Bonn, und setzte seine Studien auch in Wien und Paris fort. Er wurde am 27. Dezember 1970 in der Wiener Dominikanerkirche zum Priester geweiht.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn / © Cristian Gennari (KNA)
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn / © Cristian Gennari ( KNA )
Quelle:
KNA