Eine Verkündigungsszene des spätgotischen Malers Johann Koerbecke ist vom erzbischöflichen Museum Kolumba in Köln an die
Erben der Vorkriegsbesitzerin Ellen Funke übergeben worden.
Funke habe das beidseitig bemalte Tafelgemälde aus dem 15. Jahrhundert im Jahr 1936 an eine Düsseldorfer Galerie verkaufen müssen, erklärte das Museum Kolumba am Montag.
Verfolgungsdrucks durch die Nationalsozialisten
Funke habe dies aufgrund des Verfolgungsdrucks durch die Nationalsozialisten getan, um finanzielle Mittel für einen dauerhaften Aufenthalt im sicheren Ausland zu erzielen und Familienmitglieder zu unterstützen. Die Vorderansicht des zwischenzeitlich geteilten Gemäldes wurde nun von Kolumba an Funkes Nachfahren restituiert.
Ellen Funke, eigentlich Helene Sophie Victoria Hermine Heintzmann (1869-1947), hatte den Angaben nach das beidseitig bemalte
Tafelgemälde von Koerbecke aus einer aufgelösten Privatsammlung als Bezugsberechtigte erhalten. Aufgrund der jüdischen Herkunft ihrer mütterlichen Vorfahren wurde Funke im Nationalsozialismus als "jüdischer Mischling ersten Grades" eingestuft und verfolgt. 1936 verkaufte sie das Gemälde an die Düsseldorfer Galerie Stern.
Beide Bildseiten an Nachfahren übergeben
Der Düsseldorfer Kunsthändler Max Stern trennte die beiden Bildseiten voneinander. Die Vorderseite mit der Verkündigungsszene
gelangte über eine weitere Galerie an das Landesmuseum Bonn, von dem es 1937 der Sammler Carl Härle im Tausch erwarb.
Seine Töchter schenkten es 1996 dem Diözesanmuseum Köln, heute Kolumba. Die Rückseite des Koerbecke-Gemäldes mit einer "Vision des Heiligen Bernhard" war bereits im vergangenen Oktober von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen restituiert worden.
Die Nachfahren von Ellen Funke haben laut dem Museum Kolumba das Gemälde in die "Sammlung Alexander Haindorf" integriert. Diese im 19. Jahrhundert begründete Kunstsammlung wird derzeit wieder zusammengetragen und war die erste nachgewiesene Sammlungsheimat des Tafelgemäldes.