Kardinal Hollerich fordert Verteidigung der internationalen Ordnung

Politische Predigt im Frankfurter Bartholomäusdom

Beim Karlsamt im Frankfurter Dom hat Kardinal Jean-Claude Hollerich eine hochpolitische Predigt gehalten. Kein Land habe das Recht, "andere Länder zu überfallen". Kein Land könne einfach auf die Ölreserven anderer Länder zugreifen.

Kardinal Jean-Claude Hollerich predigt in Messe / © Christian Breuer (Bistum Münster)
Kardinal Jean-Claude Hollerich predigt in Messe / © Christian Breuer ( Bistum Münster )

Der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich hat die internationale Gemeinschaft zur Verteidigung des Völkerrechts aufgerufen. Kein Staat auf der Welt sei "wichtiger" als andere Länder, sagte Hollerich am Samstagabend in seiner Predigt beim traditionsreichen Karlsamt im Frankfurter Dom. Es gebe ein internationales Recht, das für Gerechtigkeit im Zusammenleben der Länder stehe.

Kardinal Jean-Claude Hollerich / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Jean-Claude Hollerich / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

"Das heißt, dass kein Land das Recht hat, andere Länder zu überfallen", betonte der Kardinal. Es bedeute auch, "dass kein Land ein Recht auf Ölreserven von anderen Ländern hat", sagte Hollerich, ohne konkreter zu werden. Offenbar bezog er sich damit auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sowie die Militäraktion der USA gegen Venezuela, nach der US-Präsident Donald Trump mehrfach das Interesse der USA an den großen Ölvorkommen des südamerikanischen Landes betont hatte.

"Rechtsordnung wird infrage gestellt"

Hollerich beklagte, die internationale Rechtsordnung werde derzeit infrage gestellt. Dies sei ein Rückfall in eine Zeit, "wo der Stärkere diktiert, was Recht ist; wo der Bürger eines Landes mehr Rechte hat als der Bürger eines anderen Landes". Hollerich fragte: "Wo ist da die Gleichheit aller Menschen vor Gott?"

Als Christ wisse man: "Alle Menschen sind von Gott erschaffen, alle Menschen sind von Gott gewollt und alle Menschen sind von Christus erlöst - alle!" Jeder Mensch sei letztlich Bruder oder Schwester in einer internationalen Gemeinschaft. Die politische Ordnung müsse daher "Sorge tragen für das Wohl aller". Recht und Gerechtigkeit gehörten untrennbar zur europäischen Friedensordnung, mahnte der 67-jährige Erzbischof von Luxemburg.

Rückfall in frühere Zeiten

Kaiser Karl der Große (um 748 bis 814) habe den Grundstock für den Rechtsstaat gelegt. Wenn in den gegenwärtigen Zeiten die internationale Rechtsordnung infrage gestellt werde, "dann fallen wir zurück in die Zeit zwischen Völkerwanderung und Karl dem Großen", kritisierte Hollerich.

Das Karlsamt - also den feierlichen Gottesdienst im Bartholomäusdom zu Ehren von Karl dem Großen - gibt es seit 1332. Die katholische Kirche in Frankfurt erinnert jeweils am letzten Januarsamstag an Kaiser Karl den Großen, der am 28. Januar 814 starb. Er wird als Gründervater Europas verehrt und ist Patron der Stadt Frankfurt und des Kaiserdoms.

Quelle:
KNA