Katholische Reformgruppen ziehen gemischte Bilanz zu Synodalem Weg

"Trippelschritte in Millimetern"

Der Synodale Weg biegt in die Schlusskurve. Bevor der große Reformdialog von Bischöfen und Laien ab Donnerstag drei Tage Bilanz zieht, haben katholische Reformgruppen schon mal ihre Eindrücke und Erwartungen formuliert.

Vierte Synodalversammlung / © Julia Steinbrecht (KNA)
Vierte Synodalversammlung / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Vor der Abschlusssitzung des Synodalen Wegs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland haben Reformbefürworter weiteres Engagement für Geschlechtergerechtigkeit und mehr Mitbestimmung gefordert. "Wichtig wird jetzt sein, auch Wunden zu heilen, die in den vergangenen sechs Jahren entstanden sind", konstatierte Christian Weisner vom Bundesteam der Reformbewegung "Wir sind Kirche" am Dienstag vor Journalisten.

Elementar sei, dass der Reformweg weitergegangen werde. Allerdings sei durch vatikanisches Eingreifen auch deutlich geworden, dass "verbindliche Synodalität innerhalb des bestehenden hierarchischen Kirchenrechts kaum möglich sei". Von Donnerstag bis Samstag zieht in Stuttgart die sechste und letzte Synodalversammlung von Bischöfen, Ordensleuten und Laien Bilanz.

Ulrike Göken-Huismann / © Elisabeth Schomaker (KNA)
Ulrike Göken-Huismann / © Elisabeth Schomaker ( KNA )

Die Vize-Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Ulrike Göken-Huismann, mahnte eine Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Wegs in den Bistümern an, etwa eine Predigterlaubnis für Nicht-Priester. Rechtlich sind die Beschlüsse des Reformprojekts nicht bindend für die Bischöfe. 

Göken-Huismann beklagte, bei vielen Reformanliegen habe es "wieder nur Trippelschritte in Millimetern" gegeben. "Es ist fünf nach zwölf in Sachen Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche." Sie bekräftigte die Forderung, dass sich die Verantwortlichen weiter für eine Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche einsetzen sollen.

Bedauern über Bätzings Vorsitz-Ende

Die Reformgruppen, darunter auch der Jugenddachverband BDKJ und die Reforminitiative "Maria 2.0", äußerten Bedauern darüber, dass Bischof Georg Bätzing Ende Februar nicht mehr bei der Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz kandidiert. Bätzing habe sich sehr für den Synodalen Weg und seine Anliegen eingesetzt. "Wir hoffen sehr, dass der Nachfolger ein Mann wird, der sich für die Fortführung der Reformanliegen ebenso engagiert einsetzt", sagte Göken-Huismann.

Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht mit Teilnehmenden einer Protestaktion von Maria 2.0 und Wir sind Kirche (Archiv) / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht mit Teilnehmenden einer Protestaktion von Maria 2.0 und Wir sind Kirche (Archiv) / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Zuversichtlich äußerten sich die Reformgruppen, dass die geplante nationale Synodalkonferenz, in der Bischöfe und Laienvertreter ihre Beratungen verstetigen wollen, im November an den Start gehen könne und die Satzung auch grünes Licht von der Bischofskonferenz sowie aus dem Vatikan bekommen werde. 

Dieser habe schon im Vorfeld dafür gesorgt, dass eine tatsächliche Mitbestimmung von Laien weitgehend eingeschränkt werde. "Aber wir haben dennoch Hoffnung – die Mauer ist ja auch an einem Tag gefallen und keiner hat damit gerechnet", sagte Katharina Hubrich von der Reforminitiative "Maria 2.0".

Synodale Abschlusssitzung in Stuttgart

Im Fokus der Abschlusssitzung des Synodalen Wegs steht eine Evaluation des teils umstrittenen Vorhabens, das seinerzeit unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals ins Leben gerufen wurde. Zentrale Themen waren Macht, Rolle der Frauen, Sexualmoral und priesterliche Lebensform. 

Insgesamt verabschiedete das rund 230 Mitglieder umfassende Gremium 15 Papiere. Zu den greifbarsten Ergebnissen zählten die Liberalisierung des kirchlichen Arbeitsrechts sowie die Möglichkeit zur Segnung von homosexuellen Paaren.

Synodaler Ausschuss

Der Synodale Ausschuss ist ein Ergebnis des Reformprojekts Synodaler Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Er soll unter anderem die Einrichtung eines Synodalen Rates vorbereiten. In diesem neuen Gremium wollen Bischöfe und Laien ihre Beratungen über mögliche Reformen in der Kirche fortsetzen, die sie bei dem 2019 gestarteten Synodalen Weg begonnen haben.

Symbolbild Synodaler Weg / © Maximilian von Lachner (SW)
Symbolbild Synodaler Weg / © Maximilian von Lachner ( SW )
Quelle:
KNA