Pfarrer widerspricht Vorwurf bloßer Symbolpolitik beim Synodalen Weg

"Nachhaltige Reformimpulse gesetzt"

Der Frankfurter Pfarrer Werner Otto weist kirchenrechtliche Kritik am Synodalen Weg zurück. Entscheidend seien nicht formale Kompetenzen, sondern die pastorale Wirkung. Zugleich benennt Otto aber auch Grenzen des Prozesses.

Konferenz zur Vorbereitung des "Synodalen Wegs" / © Harald Oppitz (KNA)
Konferenz zur Vorbereitung des "Synodalen Wegs" / © Harald Oppitz ( KNA )

Der Frankfurter Pfarrer und Synodale Werner Otto hat den Gesprächsprozess "Synodaler Weg" der Kirche in Deutschland gegen kirchenrechtliche Kritik verteidigt. Es "stand von vornherein fest, dass die Beschlüsse dieses Gremiums – wie die der Synodalversammlung – von sich aus keine Rechtswirkung entfalten und die Vollmacht der Diözesanbischöfe nicht antasten", schreibt Otto in einem Beitrag für feinschwarz.net.

Pfarrer Dr. Werner Otto (privat)
Pfarrer Dr. Werner Otto / ( privat )

Beim Synodalen Weg berieten deutsche Bischöfe und Laienvertreter ab 2019 über die Zukunft der katholischen Kirche. Ausgangspunkt war die jahrelange Kirchenkrise, die der Missbrauchsskandal verschärft hat.

In der Debatte ging es vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche. Ende Januar trifft sich das Gremium erneut, um seine Arbeit zu evaluieren.

Kirchenrechtliche Kritik

Ende Dezember hatte der Tübinger Kirchenrechtler Bernhard Sven Anuth kritisiert, katholische Laien in Deutschland seien einer bischöflichen "Gesprächs- oder Beschäftigungstherapie" auf den Leim gegangen. Die Begeisterung über die beschlossene Satzung der geplanten Synodalkonferenz sei für ihn nicht nachvollziehbar. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) verkaufe als Mitentscheidung, was rechtlich nur unverbindliche Ratschläge seien, so Anuth.

Bernhard Sven Anuth, Professor für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, spricht während der zweiten Sitzung des Synodalen Ausschusses, am 14. Juni 2024 in Mainz / © Angelika Zinzow (KNA)
Bernhard Sven Anuth, Professor für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, spricht während der zweiten Sitzung des Synodalen Ausschusses, am 14. Juni 2024 in Mainz / © Angelika Zinzow ( KNA )

Otto hält nun dagegen: "Wer Partizipation ausschließlich an unmittelbarer Rechtsdurchgriffsmacht misst, verkennt, wie kirchliche Verbindlichkeit in der Praxis häufig entsteht: durch Selbstbindung, Rechenschaft und eingeübte Verfahren gemeinsamen Entscheidens." Entscheidend sei daher weniger die juristische Stärke synodaler Gremien als ihre pastorale Wirksamkeit, so der Geistliche.

Otto: Prozess hat Empfinden der Menschen geändert

Künftig würden Bischöfe und gewählte Mandatsträger zu überdiözesanen Fragen gemeinsam beraten und entscheiden. "Zwar entfalten die Beschlüsse keine unmittelbare Rechtswirkung, sie erzeugen jedoch Selbstbindung und Rechenschaftspflichten." Wer ihnen nicht folge, müsse dies begründen und den Entscheidungsprozess transparent machen, schreibt Otto.

Zudem habe der Synodale Weg im Empfinden vieler Menschen bereits Veränderungen bewirkt, so Otto. Betroffene sexueller Gewalt würden nicht länger als Störfaktor wahrgenommen und auch der Umgang mit Paaren, die kirchlich nicht heiraten können, habe sich verändert.

"Der Handlungstext zu den Segensfeiern schafft erstmals eine verlässliche Grundlage dafür, dass ihre Beziehungen nicht länger moralisch abgewertet, sondern ausdrücklich als segenswürdig anerkannt werden." Gespräche mit Betroffenen zeigten, dass dies "sehr positiv aufgenommen wird", schreibt Otto.

Grenzen des Prozesses

Zugleich benennt Otto Grenzen des Prozesses: "In manchen Anliegen ist der Synodale Weg hinter den Erwartungen zurückgeblieben." Das Scheitern eines Textes zur kirchlichen Sexualmoral zeige, dass Machtmissbrauch für Bischöfe auch darin bestehen könne, Loyalität zum eigenen Amtsstand über die Loyalität gegenüber den Gläubigen zu stellen. Auch das Papier zur Rolle der Frau sei deutlich abgeschwächt worden.

Sein Fazit: "Zusammenfassend zeigt sich, dass der Synodale Weg zwar nicht in jeder Hinsicht gelungen ist, jedoch in zentralen Fragen nachhaltige Reformimpulse gesetzt hat, die auch von vielen Gläubigen als relevante Veränderung erfahren werden." Ohne kirchenrechtliche Reformen habe der Prozess bestehende Strukturen performativ transformiert.

Die Voten des Synodalen Wegs im Überblick

Die fünfte und letzte beschlussfassende Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt (9. - 11. März) hat Beschlüsse zu Reformen in der katholischen Kirche gefasst. Insgesamt berieten die 210 Delegierten von Donnerstag bis Samstag zehn Papiere. Acht Texte wurden in Zweiter Lesung verabschiedet. Ein Text wurde zur Weiterbearbeitung in den noch zu gründenden Synodalen Ausschuss überwiesen. Ein Text passierte die Erste Lesung und ist deswegen noch nicht final beschlossen.

Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) fasst wesentliche Inhalte und Abstimmungsergebnisse zusammen.

Abstimmungsgerät bei der vierten Synodalversammlung / © Max von Lachner (SW)
Abstimmungsgerät bei der vierten Synodalversammlung / © Max von Lachner ( SW )
Quelle:
KNA