"Worauf warten Sie eigentlich noch?" Diese Frage bekommt man schon einmal gestellt, wenn es anderen nicht schnell genug geht. Etwa, wenn man selber noch Zeit braucht, um den Einkauf aufs Kassenband zu laden oder das Auto an der Tankstelle wegzufahren. Ehe man sich versieht, heißt es, man solle doch schneller machen. Aber schnell ist eben nicht immer auch gründlich und sorgfältig. Deshalb sollte man sich die Zeit nehmen, die man braucht – und sich nicht von anderen hetzen lassen.
Am Fest Darstellung des Herrn
Worauf warten Sie eigentlich noch? Diese Frage könnte man auch den beiden stellen, die uns im Evangelium am Fest Darstellung des Herrn begegnen.
Der Evangelist Lukas berichtet von zwei alten Menschen. Simeon, ein gerechter und frommer Mann, der auf den Trost Israels wartet; er schaut aus nach einem, der Frieden und Gerechtigkeit schafft. Und Hanna, eine Witwe, die mit 84 Jahren hochbetagt ist, aber dennoch ein Amt als Prophetin ausübt.
Auch sie ist ständig im Tempel, will Gott immer nahe sein. Beide Menschen charakterisiert Lukas als Wartende: Sie halten Ausschau nach einer besseren Zukunft und einer Welt, in der Gott alles in allem ist.
Warten auf eine bessere Welt
In dieser Haltung des Wartens, der Sehnsucht und der Hoffnung sind wir diesen beiden alten Menschen eng verbunden. Diesem Warten auf eine bessere Welt haben wir besonders in der Adventszeit viel Raum gegeben. Wir haben die alten Verheißungen gehört, von denen etwa der Prophet Jesaja spricht:
"In jenen Tagen" wird es eine bessere Welt geben. Simeon und Hanna warten auf "jene Tage" - so, wie wir es bis heute tun. Und an Weihnachten haben wir das Fest gefeiert, an dem uns verkündet wird, dass der Friedensfürst geboren ist.
Seit alters her ist das Fest Mariä Lichtmess eng mit Weihnachten verbunden. Noch einmal steht das Jesuskind im Mittelpunkt, noch einmal geht es besonders um das Licht, das von ihm ausgeht, nicht nur an den merklich länger werdenden Tagen. Und so dürfen wir rückblickend fragen:
Was hat sich seit Weihnachten verändert? Wo konnte der Friede der Heiligen Nacht schon Fuß fassen? In welchen Situationen ist der Segen der Sternsinger bereits fruchtbar geworden?
Erfüllte Hoffnung
Worauf warten Sie eigentlich? Simeon und Hanna warten auf den Messias. Sie wissen, dass sich das Warten lohnt.
Und ihre Geschichte weist noch auf etwas anderes hin: Der Messias kommt nicht mit lautem Donnerschall und auf den Wolken des Himmels, wie es die alttestamentlichen Propheten verheißen haben. Vielmehr kommt der Messias klein und unscheinbar, in der Gestalt eines Babys, das mitten im Alltag der beiden alten Menschen in den Tempel gebracht wird.
Plötzlich ist er da, auf den sie so lange gewartet habe; plötzlich dürfen sie ihm in die Augen schauen, ihn auf den Arm nehmen, seine Gegenwart spüren. Trotz des langen Wartens haben sie sich ihre Hoffnung nicht nehmen lassen - und am Ende hat sie sich erfüllt.
Die Geschichte von Simeon und Hanna, die wir im Evangelium des 2. Februar hören, zeigt: Wir müssen sensibel bleiben für die neue Welt, die uns im Advent und an Weihnachten verheißen wurde. Denn mit Christus ist der göttliche Friede in die Welt gekommen. Aber vielleicht nicht so, wie man es häufig erwartet: als alles umstürzender Friede, der sich von einem Augenblick auf den anderen über die Welt legt.
Unscheinbares kann groß werden
So klein und unscheinbar wie das Kind in der Krippe ist zunächst auch der Friede, den es bringt. So klein sind auch Liebe und Versöhnung, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, die in der Nacht von Bethlehem verkündet werden. Diese vermeintlich kleinen Dinge schenkt uns Christus. Diese kleinen Dinge können groß werden, wenn wir sie hegen und pflegen.
Dabei müssen wir offen bleiben für den Alltag: So können wir selber zu Friedensstiftern werden. Und wir können die Liebe weitergeben, die wir von Christus empfangen haben. Der Messias kommt so in kleinen Taten und Gesten in die Welt. Mit ihnen können wir selbst wachsen lassen, was wir empfangen haben. Christus kommt dort in unsere Welt, wo wir Frieden schaffen, lieben, Versöhnung üben, barmherzig sind und gerecht. Worauf warten wir eigentlich noch?