Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa drängt vor dem Hintergrund steigender Lebenserwartung und längerer Bezugszeiten auf eine grundlegende Rentenreform. Das derzeitige System sei dysfunktional und müsse vom Kopf auf die Füße gestellt werden,
erklärte Welskop-Deffaa in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin.
Diejenigen, die gesundheitsbedingt früher aus dem Berufsleben ausscheiden müssten, könnten häufig von ihrer Rente kaum leben. Auf der anderen Seite gebe es viele Menschen, die ab einem bestimmten Alter Rente bezögen, aber weiterarbeiten könnten, ohne dass der Verdienst auf die Rente angerechnet werde.
Glaubwürdigkeit ins System stärken
Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission müsse solche Ungerechtigkeiten beenden und versuchen, die Glaubwürdigkeit in das System wieder zu stärken. Das könne nur gelingen, wenn die einzahlenden Menschen es begründet als zukunftsfähig und gerecht empfänden.
Dabei könne ein Blick zurück auf die Einführung der Rente helfen, so die Caritas-Präsidentin. Der Gedanke sei gewesen, dass das Renteneintrittsalter im Kern eine gesetzliche Vermutung für altersbedingte Erwerbsunfähigkeit gewesen sei. Das sei seit langem in Vergessenheit geraten. Die Rentenkommission soll im Sommer ihre Empfehlungen vorlegen.
"Beamte und Selbstständige einbeziehen"
Weiter fordert Welskop-Deffaa, alle Erwerbseinkommen in die Beitragspflicht einzubeziehen, also auch Beamte und Selbstständige. Derzeit fokussiere sich die Debatte bei dieser Frage zu stark auf die Beamten. Sie teile die Einschätzung, dass diese in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden können und sollten. Viel wichtiger sei aber die Einbeziehung von Selbstständigen und freien Berufen. Am Montag startet die Caritas ihre Jahreskampagne unter dem Motto "Zusammen geht was". Damit will sie einen Fokus auf ein besseres Miteinander der Generationen legen. Ein Schwerpunktthema ist die Rentenreform.
Unterdessen hatte sich der CDU-Sozialpolitiker Karl-Josef Laumann für einen späteren Renteneintritt als wichtigen Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Sozialstaates ausgesprochen. Er wäre zufrieden, wenn ein Eintrittsalter von 68 oder 69 Jahren erreicht werden könne, sagte der NRW-Sozialminister im Podcast Tagesanbruch von t-online. "Ich würde mir so wünschen, dass wir in der Gesellschaft wieder so eine Art, eine Stimmung kriegen, dass Arbeit nicht Strafe ist, sondern dass das eigentlich zum Leben dazugehört."