DOMRADIO.DE: In der kommenden Nacht sinken die Temperaturen auf bis zu minus 5 Grad am Dom. Bettina Rudat, Sie koordinieren die Kältehilfe vom Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln. Was brauchen die Menschen denn jetzt am dringendsten?
Bettina Rudat (Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln, Bereich Gefährdetenhilfe): Kurz gesagt: alles, was hilft gegen Erfrierung und gegen gesundheitliche Schäden bei Nässe und Kälte, also alles, was das Leben bei dieser Witterung erleichtert. Das sind aus materieller Sicht natürlich erstmal ein gesicherter Schlafplatz, aber auch Hilfsmittel wie Thermoschlafsäcke, Isomatten, Igluzelte, warme Kleidung, warmes Essen, warme Getränke, aber auch technische Hilfsmittel, wie beispielsweise Taschenwärmer.
Immateriell darf man natürlich auch nicht vergessen, dass es darum geht, Aufmerksamkeit zu schaffen und Informationen zu vermitteln. Für alle, für die Betroffenen, aber auch für Bürger, damit alle wissen, was zu tun ist. Es ist immer gut, mit den betroffenen Menschen ins Gespräch zu gehen, denn die wissen meistens am besten, was sie brauchen.
DOMRADIO.DE: Haben Sie denn wenigstens theoretisch genug Schlafplätze drinnen für alle, die sonst draußen schlafen müssen?
Rudat: Theoretisch ja, denn gesetzlich sind die Kommunen verpflichtet, die Menschen bei Bedarf gegen die sogenannten Unbillen der Witterung zu schützen. Das passiert in Kooperation mit den vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Angeboten der Caritas und der gesamten Freien Wohlfahrt. Aber praktisch betrachtet muss man sagen, dass das System da an seine Grenzen kommt. Sonst hätten wir nicht diese Obdachlosen-Zahlen und dieses sichtbare Ausmaß an Obdachlosigkeit mit Verelendung auf der Straße.
DOMRADIO.DE: Wie koordinieren Sie denn die Kältehilfe in Nordrhein-Westfalen?
Rudat: Sobald das Land die Fördergelder zur Verfügung stellt, nutzen wir als Diözesan-Caritasverband alle Informationskanäle der Freien Wohlfahrtspflege, um die Angebote über diese Fördermöglichkeiten zu informieren. Diese wiederum eruieren dann die regionalen Bedarfe bei den betroffenen Menschen, melden die bei uns an, in einem sehr unkomplizierten Antragsverfahren, und wir verteilen die Mittel flächendeckend und gleichmäßig, damit dann vor Ort die Hilfsmittel besorgt werden und verteilt werden können. Am Ende wird natürlich auch noch ein Verwendungsnachweis eingereicht.
DOMRADIO.DE: Wie sieht es denn im Moment aus, ist das Angebot ausreichend?
Rudat: Mit Blick auf die Wohnungslosenstatistik und bei jedem Gang durch unsere Stadt muss man diese Frage leider mit Nein beantworten. Gerade deshalb sind solche zusätzlichen Fördermittel des Landes überhaupt wichtig und kommen auch bei den betroffenen Menschen an.
Aber: kein Schlafsack ersetzt eine nachhaltige Perspektive und ein sicheres Wohnverhältnis. Hier braucht es viel mehr Möglichkeiten für zugehende und akzeptierende Unterstützung, für Anschlusshilfen und auch für individuelle Wohnformen, ganz unabhängig von aller Witterung. Es muss aus meiner Sicht übergeordnet darum gehen, Armut und Ausgrenzung entgegenzuwirken.
Das Interview führte Hilde Regeniter.