Prozess zum Eichstätter Finanzskandal stockt

Angeklagter nicht da

Vor dem Landgericht München II geht der Prozess zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt weiter. Zum Auftakt hatte es einen Eklat gegeben, denn ein Angeklagter erschien nicht zur Verhandlung. Auch beim zweiten Termin fehlte er.

 Eichstätter Dom
 / © Christopher Beschnitt (KNA)
Eichstätter Dom / © Christopher Beschnitt ( KNA )

Der Prozess zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt kommt nicht recht in Gang. Auch zum zweiten Verhandlungstag erschien einer von zwei Angeklagten, ein US-Immobilienentwickler, nicht vor dem Landgericht München II. Der Beschuldigte hatte schon vergangenen Donnerstag zum Prozessauftakt gefehlt – laut seinem Verteidiger, weil er sich zur Behandlung in einer Klinik befindet.

Das Gericht hörte am Dienstag nun zwei behandelnde Ärzte des Mannes sowie zwei Sachverständige an und schloss dazu die Öffentlichkeit aus, wie ein Justizsprecher der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mitteilte. Daraufhin entschied das Gericht demnach, den Immobilienentwickler in den nächsten Tagen von einem weiteren Sachverständigen untersuchen zu lassen. Der für Donnerstag geplante dritte Verhandlungstag sei daher abgesagt, der für nächsten Dienstag angesetzte Termin bleibe vorerst bestehen.

Damit steht auch eine Entscheidung des Gerichts über einen Antrag der Staatsanwaltschaft aus. Diese fordert wegen der Abwesenheit des Immobilienentwicklers beim Prozessstart einen Haftbefehl gegen den Mann.

Worum geht es in dem Prozess?

In dem Finanzskandal geht es um Investitionen aus Bistumsvermögen in US-Immobilienprojekte in den Jahren 2014 bis 2016. Rücklagen von fast 60 Millionen US-Dollar waren hochriskant angelegt worden. Zwei Beschuldigten werden in diesem Zusammenhang diverse Vorwürfe gemacht: Neben dem US-Immobilienentwickler betrifft dies einen früheren leitenden Mitarbeiter in der Finanzabteilung des Bistums. Beide Beschuldigten sind keine Geistlichen. 

Die 10. Strafkammer des Landgerichts München II hat für den Prozess 59 Verhandlungstage anberaumt - bis 20. August. Der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke (71) soll am 5. März als Zeuge vernommen werden.

Bischof em. Gregor Maria Hanke / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof em. Gregor Maria Hanke / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Dem ehemaligen Bistumsmitarbeiter werden Untreue in 22 Fällen, Bestechlichkeit in 24 Fällen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen. Dem Immobilienentwickler werden 25 Fälle von Bestechung, 24 Fälle von Anstiftung zu Untreue und darüber hinaus fünf Fälle von Untreue zur Last gelegt.

Zwischenzeitlich Untersuchungshaft

Die beiden Beschuldigten saßen zwischenzeitlich in Untersuchungshaft. Gegen den Immobilienentwickler hat das Bistum zudem Zivilklage vor dem Landgericht Ingolstadt erhoben. Dieses Zivilverfahren ist allerdings wegen des Münchner Strafverfahrens zurzeit ausgesetzt.

Publik gemacht hatte den Finanzskandal der damalige Eichstätter Bischof Hanke Anfang 2018, der seit Pfingsten 2025 im Ruhestand ist. Im Sommer 2017 hatte Hanke externe Wirtschaftsprüfer und Anwälte eingeschaltet und Anzeige erstattet. Zeitweilig befand sich auch Hanke selbst im Visier der Ermittler; das Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft jedoch ein. Als Folge des Skandals überarbeitete die Diözese ihre Anlagerichtlinien. Heute kümmern sich externe Dienstleister um die Investments. Bisher hat das Bistum ungefähr die Hälfte der Investitionen zurückerlangt.

Bistum Eichstätt

Das katholische Bistum Eichstätt erstreckt sich auf einer Fläche von 6.025 Quadratkilometern. In vseinen 271 Pfarrgemeinden leben aktuell rund 342.000 Katholikinnen und Katholiken, das sind gut ein Drittel der Gesamtbevölkerung im Bistumsgebiet. 

Die historischen Wurzeln des Bistums reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück. 740 wurde Willibald († 787), ein angelsächsischer Mönch, von Bonifatius in Eichstätt zum Priester und 741 in Sülzenbrücken bei Erfurt zum Bischof geweiht. Bischofsweihe und endgültige Niederlassung in Eichstätt markieren die Anfänge des Bistums.

Eichstätter Dom / © Armin Weigel (dpa)
Eichstätter Dom / © Armin Weigel ( dpa )
Quelle:
KNA