Für diesen Donnerstag ist der Start des Prozesses zum Finanzskandal des Bistums Eichstätt angesetzt. Es geht um Investitionen aus Bistumsvermögen in US-Immobilienprojekte in den Jahren 2014 bis 2016. Dabei waren Rücklagen in Höhe von fast 60 Millionen US-Dollar hochriskant angelegt worden, zwei Beschuldigten werden in diesem Zusammenhang diverse Vorwürfe gemacht.
Die 10. Strafkammer des Landgerichts München II hat für den Prozess 59 Verhandlungstage anberaumt - vom 8. Januar bis 20. August. "Die weiteren Termine sind dem Umfang des Verfahrens geschuldet", erklärte ein Justizsprecher auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Ursprünglich waren nur 39 Termine veranschlagt gewesen. Der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke soll im Prozess um den Finanzskandal in seinem Bistum als Zeuge vor Gericht aussagen. Er werde voraussichtlich am 5. März vernommen, teilte der Sprecher mit.
Zivilverfahren ausgesetzt
In dem Prozess verantworten müssen sich zwei Beschuldigte, beide keine Geistlichen: der frühere Vize-Finanzdirektor des Bistums und ein US-Immobilienentwickler. Dem ehemaligen Vize-Finanzdirektor wird Untreue in 22 Fällen und Bestechlichkeit in 24 Fällen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen. Seinem Kompagnon werden 25 Fälle der Bestechung, 24 Fälle der Anstiftung zur Untreue und darüber hinaus fünf Fälle der Untreue zur Last gelegt.
Die beiden Beschuldigten saßen zwischenzeitlich in Untersuchungshaft. Gegen den US-Immobilienentwickler hat das Bistum zudem Zivilklage vor dem Landgericht Ingolstadt erhoben. Dieses Zivilverfahren ist allerdings wegen des Münchner Strafverfahrens zurzeit ausgesetzt.
Das Bistum erklärte am Mittwoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zum Prozessbeginn, es begrüße, dass die erhobenen Vorwürfe nun in einem rechtsstaatlichen Verfahren geklärt würden. Auch wenn die Diözese selbst keine Verfahrensbeteiligte in diesem Strafprozess sei, unterstütze sie eine "vollständige, umfassende und transparente Aufklärung der Vorgänge".
Zu möglichen Zeugenaussagen, auch im Hinblick auf den früheren Bischof Hanke, äußerte sich die Diözese nicht. "Sie wird diesen Zeugenaussagen schon deswegen nicht vorgreifen, weil ihr die Fragen des Gerichts und der weiteren Prozessbeteiligten nicht bekannt sind."
Auch Hanke war im Visier der Ermittler
Publik gemacht hatte den Finanzskandal der inzwischen emeritierte Eichstätter Bischof Hanke Anfang 2018. Im Sommer zuvor hatte Hanke externe Wirtschaftsprüfer und Anwälte eingeschaltet und Anzeige erstattet. Zeitweilig befand sich auch Hanke im Visier der Ermittler; das Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft jedoch ein. Als Folge des Skandals überarbeitete die Diözese ihre Anlagerichtlinien. Heute kümmern sich externe Dienstleister um die Investments. Bisher hat das Bistum ungefähr die Hälfte der Investitionen zurückerlangt.
Hanke ist seit Pfingsten 2025 im Ruhestand. Für seinen Rückzug hatte er unter anderem Krisen seiner Amtszeit wie den Finanzskandal angeführt: "Ich will nicht verhehlen, dass ich nach den vielen Herausforderungen, Skandalen und ungelösten Konflikten eine innere Ermüdung spüre."
Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurde um 17:30 Uhr aktualisiert.