Hilfswerk sieht Christen weltweit gefährdeter denn je

Verfolgungsrate auf Höchststand

Fast 5.000 Christen wurden vergangenes Jahr wegen ihres Glaubens getötet, sagt ein neuer Bericht. Die Zahl verfolgter Christen habe ein neues Maximum erreicht. Vor allem in islamischen Staaten grassiert die Gefahr.

Symbolbild Christenverfolgung / © Uygar Onder Simsek (KNA)
Symbolbild Christenverfolgung / © Uygar Onder Simsek ( KNA )

Die Zahl verfolgter Christen auf der Welt hat nach Angaben des Hilfswerks Open Doors einen neuen Höchststand erreicht. Laut dem am Mittwoch veröffentlichten Weltverfolgungsindex 2026 der Organisation, die den evangelikalen Freikirchen nahesteht, sind insgesamt rund 388 Millionen Christen einem hohen bis extremen Maß an Verfolgung ausgesetzt. Vor einem Jahr nannte der Jahresbericht des Hilfswerks mit Sitz im hessischen Kelkheim noch rund 380 Millionen Betroffene.

Weltweit wurden demnach 4.849 Christen wegen Ausübung ihres Glaubens getötet; im Jahr zuvor waren es fast 400 weniger. Allein 3.490 Opfer christenfeindlicher Gewalt kamen den Angaben zufolge in Nigeria ums Leben, wo islamistische Radikale insbesondere in den nördlichen Landesteilen immer wieder schwere Anschläge und Massaker verüben.

Nordkorea auf Platz 1

Insgesamt listet der Weltverfolgungsindex 50 Länder auf, in denen Christen wegen ihres Glaubens weltweit am stärksten verfolgt werden. Auf Platz 1 liegt erneut Nordkorea. "Zehntausende befinden sich in Arbeitslagern, wo ihnen systematische Folter und Hinrichtungen drohen", heißt es dazu in der Mitteilung. Es folgen Somalia, Jemen, Sudan, Eritrea, Syrien, Nigeria, Pakistan, Libyen und der Iran. Damit sind erneut vorrangig islamisch geprägte Staaten unter den ersten zehn vertreten.

Syrien, bisher auf Platz 18, ist nach der Machtübernahme der islamistischen Regierung vor gut einem Jahr erstmals auf den sechsten Platz vorgerückt. "Mindestens 27 Christen wurden im Berichtszeitraum wegen ihres Glaubens getötet", so Open Doors. Christen berichteten von Einschüchterung im Alltag, Aufrufen zur Annahme des Islams und Forderungen nach Zahlung einer Kopfsteuer. "Heute leben nur noch rund 300.000 Christen in Syrien. Hunderttausende haben das Land in den vergangenen Jahren verlassen." Eine ähnliche Entwicklung sei im Irak zu beobachten - "der Nahe Osten blutet durch anhaltende Christenverfolgung zunehmend aus".

Schlimme Lage in Subsahara

Besonders dramatisch ist die Lage für Christen laut Open Doors auch in Subsahara-Afrika. "14 Länder dieser Region stehen auf dem Weltverfolgungsindex 2026. Schwache staatliche Strukturen schaffen ein Machtvakuum, das islamistische Gruppen ausnutzen."

Auch in China (Platz 17) habe der Staat den Druck weiter verstärkt. Neue Vorschriften regulierten jegliche Online-Aktivitäten von Geistlichen. "Viele Gemeinden treffen sich nur noch in kleinen Gruppen im Untergrund." Open Doors unterstützt nach eigenen Angaben verfolgte Christen in rund 60 Ländern. In Deutschland widmet sich das Hilfswerk vorwiegend der Berichterstattung über ihre Unterdrückung.

Hilfswerk Open Doors

Open Doors ist ein überkonfessionelles christliches Hilfswerk, das sich in rund 60 Ländern der Welt für Christen einsetzt, die aufgrund ihres Glaubens benachteiligt oder verfolgt werden. Die deutsche Niederlassung des internationalen Werkes (früher "Offene Grenzen") befindet sich in Kelkheim bei Frankfurt am Main. Open Doors hat seit 2003 das Spendensiegel der Deutschen Evangelischen Allianz.

Open Doors Geschäftsführer Markus Rode / © N.N. (Open Doors)
Open Doors Geschäftsführer Markus Rode / © N.N. ( Open Doors )
Quelle:
KNA