Das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis begrüßt die geplante Neuausrichtung der deutschen Entwicklungspolitik. Der Reformplan "Zukunft zusammen global gestalten" sei ein wichtiger Schritt hin zu einer strategisch ausgerichteten Kooperationspolitik, teilte Renovabis am Dienstag in Freising mit.
Besonders positiv bewerte man die Rolle des Entwicklungsministeriums als "Wiederaufbau-Ministerium". Die vorgesehenen Investitionen in die Ukraine sowie in Südost- und Osteuropa seien von zentraler Bedeutung für die geopolitische Resilienz Europas.
Renovabis-Hauptgeschäftsführer Thomas Schwartz ergänzte zum´Reformplan: "Die ausdrückliche Anerkennung kirchlicher Träger als Teil eines deutschen Alleinstellungsmerkmals zeigt, wie stark die Bundesregierung den Wert gewachsener, zivilgesellschaftlicher Strukturen schätzt."
Zugleich mahnte Renovabis, der im Reformplan genannte "gesellschaftliche Zusammenhalt" müsse über technische Maßnahmen hinausgedacht werden. Thomas Schwartz sagte: "Echter Frieden braucht die Heilung von Traumata, Bildungsgerechtigkeit und starke lokale Kirchengemeinden, die für viele Menschen die letzten verbliebenen Ankerpunkte darstellen." Kirchliche Partner seien bei der Ausgestaltung der Regionalstrategien systematisch einzubeziehen.
Verweis auf Zentralasien
Mit Blick auf Zentralasien forderte Schwartz, diese Region künftig nicht zu vernachlässigen. Dort brauche es weiter ein starkes Engagement für soziale Stabilität, den Schutz zivilgesellschaftlicher Räume und die Unterstützung religiöser Minderheiten: "Strategische Allianzen dürfen sich nicht nur an Rohstoffen oder sicherheitspolitischen Erwägungen orientieren. Die Länder Zentralasiens befinden sich in einem tiefgreifenden Umbruch und benötigen verlässliche Unterstützung bei der sozialen Transformation", so Schwartz.
Angesichts sinkender Mittel will die Bundesregierung bei Deutschlands Entwicklungszusammenarbeit stärker priorisieren. Die neue Entwicklungspolitik soll künftig unter vier übergeordneten Zielen stehen: Das erste ist der Kampf gegen Hunger, Armut und Ungleichheit auf dem afrikanischen Kontinent. Das zweite ist die Stärkung von Frieden und nachhaltiger Sicherheit inklusive Bekämpfung von Fluchtursachen. Drittes Ziel sind mehr wirtschaftliche Kooperationen mit Ländern des Globalen Südens. Das vierte Ziel sind mehr Allianzen, etwa beim Klimaschutz und der Gesundheitsförderung.