Essener Bischof Overbeck warnt vor Polarisierung und einfachen Parolen

Blick auf Ursachen der Krisen

"Einfach abschotten reicht nicht aus", sagt der Essener Bischof Overbeck. Zum Jahreswechsel kritisiert er politische Parolen und fehlenden Kompromiss. Die Kirche sieht er in der Pflicht, Brücken zu bauen und auf Versöhnung zu setzen.

Bischof Franz-Josef Overbeck / © Nicolas Ottersbach (DR)
Bischof Franz-Josef Overbeck / © Nicolas Ottersbach ( DR )

"Es ist immer schon eine große Versuchung gewesen, dass, wenn Menschen Angst haben, diese sich an einfache Parolen klammern", so der Ruhrbischof laut vorab verbreitetem Redemanuskript. "So wird halt bekannterweise behauptet: Wir müssen uns nur abschotten und die eigenen Interessen an die erste Stelle setzen, dann würden die Schwierigkeiten schon schwinden. Solche Vereinfachungen bieten keine nachhaltigen und gerechten Lösungen. Sie verstellen den Blick auf die vielschichtigen Ursachen der Krisen."

Kirche soll Brücken bauen

Aufgabe der Kirche ist es dagegen laut Overbeck, Brücken zu bauen. "Christsein bedeutet, auf Ausgleich und Versöhnung zu setzen, Menschen in all ihrer Vielfalt miteinander zu verbinden und die Freiheit und die Demokratie zu stärken, die von Ausgewogenheit der Interessen und vom Kompromiss lebt."

Auch innerkirchlich mahnte der Bischof einen respektvollen Umgang an. Polarisierung, Ausgrenzung und gegenseitige Diffamierungen widersprächen dem katholischen Anspruch. "Wir brauchen die Bereitschaft zum gegenseitigen Verstehen, zum geduldigen Zuhören und Ringen, zur Suche nach Verständigung und Kompromiss."

Bistum Essen

Das Bistum Essen ist eines der jüngsten und kleinsten unter den 27 römisch-katholischen Bistümern in Deutschland. Auch in Nordrhein-Westfalen ist es mit 1.877 Quadratkilometern und knapp 680.000 Mitgliedern das kleinste Bistum.

Es wurde am 1. Januar 1958 aus Teilen der (Erz-)Bistümer Köln, Münster und Paderborn errichtet; damals zählte die Diözese noch rund 1,5 Millionen Mitglieder. Heute sind es 638.000 Mitglieder (Stand März 25). 

Blick auf den Essener Dom / © frantic00 (shutterstock)
Quelle:
KNA