Michael Zielke und seine Frau betreiben seit mehr als 20 Jahren eine evangelistische Pommesbude in Verden. Das Besondere: Es geht nicht nur ums Essen. Zielkes wollen ihre Gäste für den Glauben begeistern. Ob durch einen geistlichen Smalltalk, ein Gebet oder die vielen christlichen Sprüche und Bibelgeschichten, die rund um den Pommeswagen zu entdecken sind.
Anfangs standen sie mit ihrem Wagen neben einer Videothek, der Laden lief gut. Mit dem Glauben hatten sie nichts am Hut. Dies änderte sich allerdings: Der 56-jährige Zielke erinnert sich noch genau: "Es war der 1. März 2004, an dem ich leibhaftig spürte: Gott gibt es." Schon lange plagten ihn, gerade 40 geworden, Sinnfragen: Was gibt mir Sinn? Was bleibt? Und was ist das echte Leben? In einem Moment erfasste es ihn und er spürte Gott. Plötzlich verstand er: "Ich brauche Jesus." Er sprach ein Gebet und fühlte sich frei. Bis dahin hatten die Zielkes nicht in der Bibel gelesen. Nun fanden sie darin Antworten auf ihre Lebensfragen.
Gottesbegegnung veränderte alles
Von der Begegnung mit Gott konnten sie nicht schweigen. Mehr und mehr fingen sie an, mit ihren Kunden über den Glauben zu sprechen und ermutigende Bibelverse an die Pommesbude zu hängen. Über einen Kunden fanden sie zu einer pfingstkirchlichen Gemeinde, unweit vom Pommeswagen. Aber bei vielen kam das missionarische Auftreten nicht gut an. Sie wollten ihre Currywurst essen und nicht über Gott oder gar einen eigenen Glauben sprechen. Das Geschäft brach um 50 Prozent ein. Rechnungen zu bezahlen, fiel teilweise schwer. Doch das Ehepaar entschied sich, den Weg weiterzugehen. "Wir haben unsere Existenz in Gottes Hände gelegt", erklärt Zielke.
Seit diesem Entschluss änderte sich die Lage: Teilweise kehrten Kunden zurück, die zuvor weggeblieben waren. Und vor allem kamen neue Kunden – auch einige, die den evangelistischen Ansatz des Ehepaars begrüßten, weil sie selber Christen waren. Manche sind auch einfach gern bei Zielkes, weil es ihnen hier besonders gut schmeckt. Seit diesem Entschluss, an der evangelistischen Pommesbude festzuhalten, verzeichnet Zielke steigende Einnahmen. Er ist sich sicher: "Gott segnete uns und diese Arbeit."
Menschen mit Evangelium erreichen
Seit vier Jahren steht die beliebte Pommesbude unweit der Videothek, die mittlerweile geschlossen ist, in einer Halle in einem Gewerbegebiet in Verden. Ein roter Teppich führt durch die Halle dorthin. Rund um die Bude haben Zielkes eine Art christliche Erlebnislandschaft eingerichtet: Vitrinen mit Figuren zu Bibelgeschichten sind zu sehen, etwa die Arche Noah, umgeben von unzähligen Schleich-Tieren. An den Wänden hängen Plakate und Bilder mit hoffnungsvollen und ermutigenden Sprüchen und Versen.
Bibeln im handlichen Format liegen aus, damit jeder sich das Wort Gottes mit nach Hause nehmen kann. Und das Angebot wird angenommen. "Es gibt Tage, da lege ich abends fünf Bibeln nach", sagt Zielke. Darüber freut er sich immer besonders. Nach dem Feierabend auf dem Weg nach Hause bete er dann für die Personen, die sich eine Bibel mitgenommen haben.
Mehrmals die Woche betet das Paar für Kunden. Schon öfter seien sie ein paar Wochen später wiedergekommen und hätten davon berichtet, dass sich ihre Lage zum Besseren verändert habe. Zielke ist sicher: "Gott verändert und Gott wirkt."
"Einfach nur Pommes" ist auch in Ordnung
Das persönliche Gespräch mit den zahlreichen Kunden ist Zielkes auch nach all den Jahren wichtig. In der Anfangszeit des Glaubens sei Zielke auch schon mal über das Ziel hinausgeschossen, verrät er. Mit der Zeit habe er dazu gelernt und verstanden, dass nicht jeder mit ihm über Jesus reden will. "Einfach nur Pommes" ist auch in Ordnung, denn vorrangig sei es eben eine Pommesbude. Auch wenn viel los ist und zwanzig Kunden warten, bleibt keine Zeit, über Jesus zu reden.
Die evangelistische Pommesbude in Verden ist mittlerweile über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Immer wieder kommen Kunden auch von weiter her, etwa aus der Schweiz oder Dänemark. Auf dem Parkplatz stehen Autos aus verschiedenen Regionen in Norddeutschland und darüber hinaus. In den vergangenen Jahren haben zudem einige regionale und überregionale Medien über die ungewöhnliche Pommesbude berichtet, darunter die taz, der Weserkurier, der NDR oder die BILD-Zeitung. In Verden ist Michael Zielke mittlerweile als Pommes-Prediger oder Pommes-Jesus bekannt.