Wie ein Imbissbesitzer mit Leuten über Gott spricht

Pommes und die frohe Botschaft

In einer Pommessbude in Verden gibt es zur Currywurst auch mal einen Bibelvers. Denn Inhaber Michael Zielke spricht gern über Gott. Im Interview erzählt er, wie es zum ungewöhnlichen Konzept kam und was er erlebt.

Currywurst mit Pommes / © gkrphoto  (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Göttlich sind bei Ihnen nicht nur Pommes und Würstchen. Was treibt Sie an? Warum möchten Sie nicht nur ihr Essen, sondern auch die frohe Botschaft unters Volk bringen?

Michael Zielke (Inhaber von Verdens "evangelistischer Pommesbude"): Ich würde sagen, weil ich persönlich Jesus Christus vor ungefähr 16 Jahren kennengelernt habe, weil er mein Leben und das Leben meiner Frau absolut bereichert hat in allen Lebensbereichen und weil ich in Gesprächen mit meinen Kunden festgestellt habe, wie viele Menschen Jesus nicht wirklich kennen. Da möchte ich gerne helfen, so eine Art Bildungslücke aufzufüllen und vielleicht zu ermutigen, eine Beziehung zu Jesus zuzulassen.

DOMRADIO.DE: Wie gehen denn die Leute damit um, wenn Sie da mit dem Thema Gott oder Jesus kommen? Da hat sicher nicht jeder Lust, sich auf ein Gespräch über Gott einzulassen.

Zielke: Das ist klar. Es gibt jede Art von Reaktion. Es gibt Leute, die unseren Ladenbereich betreten, unsere Halle betreten, wo der Imbiss-Anhänger drin steht und gucken sich um. Da hängen Plakate, Großraumplakate mit Bibelversen und so weiter. Manche drehen sich um und gehen wieder raus. Andere kommen, stellen ein paar Fragen: Was ist denn das hier? Welche Kirche steckt dahinter?

Wenn ich dann sage das macht keine Kirche, das machen wir, weil wir in Jesus verliebt sind, weil wir ihn erleben und weil wir einfach dazu stehen und uns nicht schämen, an Jesus zu glauben, dann gibt es Leute, die sagen "Okay, das ist nichts für mich" und gehen. Andere kommen, gucken sich um und stellen fest: Es gibt bei uns nur Currywurst und Pommes und gehen. Aber davon könnte ich ja kaufmännisch nicht leben.

Viel mehr Leute kommen und sagen: "Wow, supi, das ist ja toll. Erzähl' doch mal und sind dann interessiert."

DOMRADIO.DE: Das heißt, die paar Kunden, die gehen, können sie verknusen?

Zielke: Interessanterweise habe ich im Laufe der Jahre festgestellt, dass die, die gehen, gar nicht ins Gewicht fallen, weil mein himmlischer Vater mir viel mehr von denen sendet, die bleiben und die wiederkommen.

DOMRADIO.DE: Was macht Ihren Imbisswagen zur "evangelistischen Pommesbude"?

Zielke: Ich denke vordergründig unsere Begeisterung für Jesus. Für uns ist Jesus jetzt nicht nur Theorie, sondern er lebt in uns, wie die Bibel das sagt. Er ist für uns Realität. Er ist für uns der Begleiter, der uns in der Pommesbude, im Alltag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr begleitet.

Er bereichert unser Leben in allen Lebensbereichen. Das kann man nicht verschweigen. Wenn man erlebt, wie viele meiner Kunden, die zu mir kommen, in Sorgen und Nöten sind, in Problemen untergehen und ich selber weiß, dass in Christus Rat und Tat und Kraft ist, wie könnte ich das verschweigen wollen? Also lasse ich es raus.

DOMRADIO.DE: Wie kommen Sie denn dann ins Gespräch? Wie verbreiten Sie sozusagen das Wort Gottes?

Zielke: Das ist auch völlig individuell. Als ich vor vielen Jahren angefangen habe - als Gott in mein Leben kam, als ich Jesus kennenlernen durfte - war ich so gefüllt mit diesem Wow-Effekt "Gott ist erfahrbar durch Jesus Christus", dass ich quasi jeden von mir aus voll gequatscht habe. Das kam jetzt nicht so gut an. Da haben manche Leute gesagt: "Du, das ist mir zu viel".

Ich habe dann irgendwann lernen müssen - und bin vielleicht ein bisschen weiser geworden -, sozusagen mehr den inneren Impulsen zu folgen. Sie können zu mir kommen, einfach Pommes bestellen und es passiert gar nichts. Es kriegt nicht jeder gleich eine Predigt serviert.

Es kann aber auch sein, dass Sie vor mir stehen und ich kriege einen Impuls, der irgendwie sagt "Sprich' Sie an", so vom Herzen her. Und dann spreche ich Sie an. Meinetwegen, dass ich einfach nur sage "Mensch, Sie sehen aber belastet aus" und Sie öffnen sich, nehmen das Gespräch auf. "Na ja, ich habe gerade große Probleme und so" kommt dann. Dann bringe ich einfach Jesus rein als den aktiven Problemlöser.

Manche Leute reagieren darauf. Da kann dann zum Beispiel ein Gebet kommen. Andere Leute hören zu, lassen sich einen Rat geben und so ergibt sich das. So, wie wir Menschen individuell sind, ist auch der Umgang mit Jesus Christus zu den Menschen sehr individuell.

DOMRADIO.DE: Das ist quasi Seelsorge. Aber Sie sind ja gar nicht offiziell Seelsorger. Haben Sie sich das selber so angeeignet, mit den Menschen solche Gespräche zu führen?

Zielke: Das würde ich vielleicht so beantworten wollen: Bevor Jesus in mein Leben kam, habe ich ja auch mit dem Menschen Gespräche geführt. Es ist ja nicht so, dass Sie in eine Pommesbude gehen und dann steht da einfach jemand, der quasi nicht mit ihnen redet – übers Wetter, über Fußball, über Corona oder was auch immer. Ich habe vorher natürlich mit den Menschen gesprochen. Pommesbude ist wie Friseur: Dort wird kommuniziert. Das ist eine Begegnung der Menschen untereinander.

Und irgendwie hat es ja meinem Vater, den wir Gott nennen, wohl gefallen, dieses Medium zu nutzen. In meinem Leben sozusagen mich zu nutzen, meine Frau zu nutzen, um jetzt nicht nur über Weltliches zu sprechen, sondern auch um Geistliches ins Gespräch zu bringen. So reden wir einfach von den Dingen, die uns selbst begeistern.

DOMRADIO.DE: Sie haben eben gesagt, in Ihrer Imbussbude gibt es Dekorationen, da stehen Dinge drauf. Sie haben auch einen Gebetskasten aufgebaut, da können Menschen Gebete, Bitten reinwerfen. Gehen Sie damit dann in die Kirche und bringen die Gebete und Bitten vor Gott?

Zielke: Nein, gar nicht. Ich bete einfach direkt vor Ort. Das heißt, ich gehe an den Kasten - da ist ja auch meine Tagespost drin, also muss ich sowieso an den Briefkasten - und da sind manchmal Zettel drin. Irgendwelche abgerissene DIN A4-Zettel oder eine Telefonnotiz und dann steht da irgendwas drauf, ganz oft auch ohne Namen. Ich muss ja nicht wissen, für wen ich bete. Gott kennt schon die Person, die sich da über uns an ihn wendet. Und dann steht da irgendeine Sache: "Bitte betet für mich, meine Mutter ist krank" oder "Betet für mich, ich finde einfach keine Arbeit" oder wie auch immer. Und dann übernehmen wir das.

Das Gebet, das Kerstin und ich beten, ist ja ein Gebet aus dem Glauben heraus. Die Bibel sagt: Das Gebet eines Glaubenden vermag viel, wenn es denn ernstlich ist. Das glauben wir auch, weil es Gottes Wort sagt. Und jetzt beten wir für diesen Anlass, der auf dem Zettel steht. Nicht immer, aber oft, kommt jemand auf uns zu und und hat vielleicht Tränen in den Augen und sagt "Ich wollte mich bedanken. Ich hatte hier vor vier Wochen einen Zettel in den Kasten geworfen. Ich nehme mal an, da haben Sie gebetet, weil die Situation sich irgendwie innerhalb relativ kurzer Zeit komplett zum Besseren gewendet hat".

Das motiviert natürlich uns, zu sagen: "Wow, es funktioniert, Gott hört." Von daher, denke ich, ist das eine sehr sinnvolle Angelegenheit.

DOMRADIO.DE: Bibelkärtchen zum Mitnehmen gibt es bei Ihnen auch. Was steht da zum Beispiel drauf? Sind das Impulse für den Tag oder haben die Sprüche etwas mit Essen zu tun?

Zielke: Mit Essen vielleicht nur, wenn da irgendwas draufsteht wie, wo der Herr uns ermutigt, dass sein Wort Brot ist und so weiter. Es gibt ja auch solche Bibelverse. Aber ansonsten sind das Impulse, die dem Lesenden einfach einen Denkanstoß geben. Also irgendwas meinetwegen wie "Komm' her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken".

Und jetzt liest das jemand und ist vielleicht in einer Situation, wo er erquickt werden möchte, weil er eben belastet ist. Vielleicht redet er dann auf der Fahrt von der Pommesbude nach Hause und sagt "Mensch, Jesus, ich habe das gelesen, ich kenne dich vielleicht nicht, aber ich brauche eine Erquickung". Möglicherweise erlebt die Person eine innere Leichtigkeit, die in die Belastung kommt.

Das motiviert die Leute und dann kann es sein, dass dieser Mensch irgendwann wieder da ist und sagt "Ich habe da mal eine Frage, mir ist jetzt das und das passiert." Also Gott arbeitet, glaube ich, auf so individuelle Weise mit uns, so wie wir individuell vor ihm sind.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Stichwort: Vaterunser

Das bekannteste Gebet des Christentums hat seinen Namen nach den ersten beiden Worten, die in der lateinischen Fassung "Pater noster" (Vater unser) lauten. Es gilt in den Kirchen als "das Gebet, das Jesus selbst uns gelehrt hat". Dies bezieht sich auf das sechste Kapitel des Matthäus-Evangeliums, wo berichtet wird, Jesus habe seine Jünger dieses Gebet gelehrt. Das Gebet enthält sieben Bitten, die alles umfassen, worum Menschen Gott bitten können. Das Vaterunser ist das einzige Gebet, das von Christen aller Konfessionen gebetet wird.

Vaterunser / © Harald Oppitz (KNA)

Quelle:
DR