Vatikan will Kampf gegen Kindesmissbrauch verstärken

Kinderschutz studieren

Zuletzt war das Schicksal eines Neunjährigen aus Freiburg in der Öffentlichkeit. In allen Bereichen der Gesellschaft ist Kindesmissbrauch Thema. Die katholische Kirche setzt jetzt auf Bildung zum Kinderschutz an der Uni Gregoriana.

Päpstliche Universität Gregoriana / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Päpstliche Universität Gregoriana / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Im Kampf gegen Kindesmissbrauch erweitern die Päpstliche Universität Gregoriana und das dort angesiedelte Kinderschutzzentrum ihr Ausbildungsangebot. "Die '#MeToo'-Debatte, die Vorfälle in der Welt des Sports sowie die Debatte um den chilenischen Bischof Juan Barros von Osorno zeigen, wie dringend nötig es ist, hier weiterzuarbeiten", sagte der Leiter des Kinderschutzzentrums, der Psychologe Hans Zollner, am Freitag am Sitz der Universität in Rom.

Neuer Studiengang 

Die Gregoriana bietet ab Oktober einen neuen zweijährigen, interdisziplinär angelegten Studiengang zum Schutz von Minderjährigen an.

Hans Zollner, Präsident des Zentrums für Kinderschutz (CCP) / © Francesco Pistilli (KNA)
Hans Zollner, Präsident des Zentrums für Kinderschutz (CCP) / © Francesco Pistilli ( KNA )

Der viersemestrige Studiengang in englischer Sprache sieht unter anderem ein sechsmonatiges Praktikum vor. Am Abschluss steht der akademische Grad eines Lizenziats. "In seinem multidisziplinären Ansatz ist dieser Vollzeitstudiengang weltweit der erste dieser Art", so Zollner. Er äußerte sich bei einer Feier für 18 Absolventen eines einsemestrigen Fortbildungskurses zum Thema Kinderschutz. Daran nahmen auch die Botschafterinnen Australiens und Irlands beim Heiligen Stuhl teil.

Priester und Ordensleute aus aller Welt

Die Absolventen, meist Priester und Ordensleute aus fast allen Kontinenten, befassten sich etwa mit den Risiken für minderjährige Straßenverkäufer, Kinderehen oder der persönlichen Reife von Klerikern und ihrer Anfälligkeit für Missbrauchstaten. Der Kurs fand zum dritten Mal statt; er wird für Herbst erneut angeboten.

 © Francesco Pistilli (KNA)
© Francesco Pistilli ( KNA )

Der Generalvikar des Erzbistums München-Freising, Peter Beer, betonte in seiner Predigt die Notwendigkeit, das Gelernte persönlich zu verinnerlichen. Als vier wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Arbeit zum Schutz Minderjähriger nannte Beer die vertrauliche, nicht-öffentliche Begegnung, einen persönlichen Zugang, den das Opfer oder die gefährdete Person gewährt, ein gläubiges Vertrauen in Gott sowie die Bereitschaft des von Missbrauch Betroffenen, selbst wieder aktiv zu werden. Das Erzbistum München unterstützt das Kinderschutzzentrum seit dessen Anfängen 2012.

Das Kinderschutzzentrum CCP an der Gregoriana

Gegründet wurde das Kinderschutzzentrum 2012 von der Gregoriana, der Erzdiözese München-Freising sowie der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universitätsklinik Ulm.

Während einer dreijährigen Pilotphase bis Ende 2014 war München Sitz des Zentrums; Anfang 2015 siedelte das CCP nach Rom an die Universität über. Das Zentrum ist Teil des Psychologischen Instituts der Gregoriana und gehört mittlerweile zu den führenden Einrichtungen weltweit, die sich mit Missbrauchsprävention und -aufarbeitung befassen.

Päpstliche Universität Gregoriana / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani (KNA)
Päpstliche Universität Gregoriana / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA