Christliche Gläubige sollten sich vielmehr mit Blick auf Ereignisse in der Vergangenheit, in der auch Christen gewalttätig gewesen seien, "beschämt verneigen". Sie dürften sich nicht moralisch über andere Religionen erheben.
Tutu betonte, Religion sei im Grunde moralisch und ethisch neutral. Nicht der Glaube sei ein Problem, "sondern die Gläubigen". Es gebe Muslime genauso wie Christen, die gute Menschen oder schlechte Menschen seien. Dies sei bei allen Weltreligionen gleich. Darüber hinaus sei die Religion, die ein Mensch annehme, vor allem "ein Zufall der Geburt und der Geografie", weniger eine bewusste Entscheidung. Diese Einsicht sei für Toleranz von großer Bedeutung.
Tutu hielt auf Einladung des Theologen und Präsidenten der Stiftung Weltethos, Hans Küng, die achte Weltethosrede an der Universität Tübingen. In den Jahren zuvor waren unter anderen der frühere britische Premierminister Tony Blair, der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan und Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) zu Gast.
Tutu ruft zu Toleranz zwischen Religionen auf
"Wir sollten die letzten sein, die auf andere zeigen"
Der Friedensnobelpreisträger und frühere Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, hat die Christen zu Toleranz gegenüber Andersgläubigen aufgerufen, insbesondere gegenüber Moslems. "Wir als Christen sollten die letzten sein, die auf andere Religionen zeigen", sagte Tutu am Montag in seiner Weltethosrede in Tübingen.
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