Bischöfe irritiert über Erwartungen an Kirchen in Pandemie

Zwischen Querdenkern und Bedeutungslosigkeit

Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige bekommt nach eigenen Worten immer mehr Post von "Querdenkern". Auf der anderen Seite klagt Landesbischof Kramer über fehlende Wahrnehmung von Kirche.

Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg / © Harald Oppitz (KNA)
Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg / © Harald Oppitz ( KNA )

Es könne sein, dass es - aus der Geschichte der DDR heraus, wo die Kirche in Opposition zum Staat gestanden habe - bei einigen nun die Erwartung gebe, dass sich die Kirche jetzt auch dem Protest gegen die staatlichen Maßnahmen, Corona-Verordnungen und Impfungen anschließen sollte, sagte Feige am Mittwochabend beim "Magdeburger Ökumenischen Neujahrsgespräch". Diese Menschen hätten nicht verstanden, dass die Situation in der gegenwärtigen Demokratie in keiner Weise mit dem DDR-Staat vergleichbar sei.

Der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer konstatierte, es gebe zunehmend keine öffentliche Erwartungshaltung mehr an die Kirchen, sich zu gesellschaftlichen Themen zu äußern. "Wir kommen in unserer Normalität medial kaum vor, sondern eher als Skurrilität", so der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Manches sei auch schwer zu vermitteln, etwa manche theologischen Gedanken zum Thema Leiden und Würde. Es sei oft "bitter", dass viele positive Projekte und Initiativen der Kirchen kaum wahrgenommen würden.

Zu wenig zu Wort gemeldet oder zu wenig gehört?

Ähnliche Erfahrungen schilderte auch Feige: "Nicht immer, wenn wir etwas sagen möchten, werden wir auch gehört." In der Corona-Krise war den Kirchen vorgeworfen worden, sich zu wenig zu Wort gemeldet zu haben.

Die katholische Theologin Julia Knop sprach mit Blick auf die Corona-Pandemie von einer "seelischen Irritation durch das abrupt angehaltene Hamsterrad". Weiter führte die in Erfurt lehrende Dogmatik-Professorin aus: "Wir werden einiges lernen und andere geworden sein nach der Pandemie, vielleicht Beziehungen bewusster gestalten, Kontakte liebevoller pflegen, Termine reduzieren, ein anderes Zeit- und Körpergefühl entwickeln."

Zugleich räumte sie ein: "Vielleicht wird es aber am Ende auch zu fordernd gewesen sein." Mit Gott lebe und denke es sich nicht unbedingt einfacher. "Und Theologen sollten angehalten sein, vorschnelle Deutungen der Pandemie abzuweisen - um Gottes und der Menschen willen." Corona sei kein "Missionsvehikel", betonte Knop.

Not lehre nicht unbedingt beten, und manchem vergehe auch in der Not das Beten, aber es sei "eine Weise, um mit einer aus den Fugen geratenen Welt umzugehen".

Quelle:
KNA
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