Lateinamerikas Bischofsrat stellt Weichen für die Zukunft

Zwischen Missbrauchskrise und Amazonas-Synode

Mit neuem Personal und neuen inhaltlichen Schwerpunkten hat der CELAM bei seiner Generalversammlung im honduranischen Tegucigalpa auf die veränderte gesellschaftliche Situation in Lateinamerika reagiert.

Brustkreuz eines Bischofs / © Harald Oppitz (KNA)
Brustkreuz eines Bischofs / © Harald Oppitz ( KNA )

Geht es nach dem neuen Vorsitzenden des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM, ist die künftige Ausrichtung der katholischen Kirche in der "Neuen Welt" klar: Es gelte, sich für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft zu positionieren, sagte Erzbischof Miguel Cabrejos aus der peruanischen Diözese Trujillo gleich nach seiner Wahl. Konkret bedeute dies vor allem ein noch stärkeres Engagement in der Migrationspolitik.

Für den CELAM gelte die Maßgabe, die Papst Franziskus gegenüber den Migranten ausgegeben habe: Aufnehmen, schützen, unterstützen und integrieren seien die vier Schlüsselworte für eine erfolgreiche Migrationspolitik. Lateinamerika wird derzeit vor allem von zwei Migrationskrisen erschüttert: dem Massenexodus aus Venezuela und den Migrationsbewegungen aus Mittelamerika über Mexiko in Richtung USA.

Personelle Weichenstellung

Der Peruaner wird als neuer Präsident des CELAM die Geschicke des Bischofsrates in den nächsten vier Jahren leiten. Er folgt damit auf den kolumbianischen Kardinal Ruben Salazar Gomez. Cabrejos zur Seite stehen mit den Kardinälen Odilo Scherer (Sao Paulo/Brasilien) und Leopoldo Jose Brenes (Managua/Nicaragua) zwei Schwergewichte der lateinamerikanischen Kirche als erste und zweite Vizepräsidenten.

Neuer Generalsekretär ist der Weihbischof der kolumbianischen Metropole Cali, Juan Carlos Cardenas. Der Rat für wirtschaftliche Angelegenheiten wird vom mexikanischen Erzbischof Rogelio Cabrera Lopez aus Monterrey geleitet.

Eine Personalie sorgt aber gleich schon zum Auftakt der neuen Amtszeit für Gesprächsstoff. Dass der Vorsitzende der Chilenischen Bischofskonferenz, Militärbischof Santiago Silva, als einer von acht Bischöfen mit der Aufgabe einer Restrukturierung der pastoralen Arbeit betreut wurde, stieß in der Heimat auf Kritik.

Immerhin muss sich Silva noch vor der chilenischen Staatsanwaltschaft wegen Vorwürfen der Vertuschung von Missbrauchsfällen erklären. Roberto Sanchez, Sprecher einer Laienorganisation in Santiago sagte der Tageszeitung "La Tercera", es sei inakzeptabel, dass Silva eine solche Aufgabe im CELAM übernehme. Silva lebe offenbar in einer Parallelwelt, so Sanchez. Es wäre besser gewesen, er hätte diese Aufgabe gar nicht erst angenommen.

Bewältigung der Missbrauchskrise

Die Bewältigung der Missbrauchskrise ist eine der großen Herausforderungen für die neue CELAM-Mannschaft. Hinzu kommen die Vorbereitung der mit Spannung erwarteten Amazonas-Synode, die Migration sowie der immer stärkere Einfluss der evangelikalen Kirchen in Lateinamerika.

Weil die Probleme und Herausforderungen so groß sind, werden die Rufe nach einer neuen - der dann fünften - Vollversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe immer lauter. Zum Abschluss ihres Treffens in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa haben die versammelten Bischöfe deshalb eine entsprechende Forderung formuliert.

Ziel einer solchen Vollversammlung sei es, den neuen Herausforderungen auf dem Kontinent zu begegnen. Zugleich müsse die Einheit der lateinamerikanischen und karibischen Kirche gestärkt und die Evangelisierung vorangetrieben werden.

Die historisch bedeutsamen Vollversammlungen der lateinamerikanischen Bischöfe in Medellin (1968), Puebla (1979) und Santo Domingo (1992) wurden jeweils vom Papst eröffnet. 2007 reiste Benedikt XVI. (2005-2013) zur bislang letzten CELAM-Vollversammlung ins brasilianische Aparecida, wo eine "neue Mission für den Kontinent" beschlossen wurde. Vorsitzender des Redaktionskomitees für das Abschlussdokument war damals der Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, der heutige Papst Franziskus.

Papst Pius XII. hatte 1955 nach einer ersten Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Rio de Janeiro die Gründung des CELAM (Consejo Episcopal Latinoamericano) genehmigt. Der aus 22 nationalen Bischofskonferenzen Lateinamerikas und der Karibik bestehende Zusammenschluss hat seither der Kirche in der Region wichtige theologische und pastorale Impulse gegeben und die Entwicklung der "Theologie der Befreiung" maßgeblich beeinflusst.

 

Quelle:
KNA