ZdK-Vize Mock hofft auf konkrete Schritte bei der Weltsynode

"Spannende Weltkirche im Aufbruch"

Birgit Mock beobachtet die Weltsynode aus nächster Nähe. Aus Gesprächen mit Katholiken aus aller Welt schöpft die ZdK-Vizepräsidentin die Hoffnung, dass die Kirche auf Frauen zugeht und Laien künftig mehr Verantwortung zuträgt.

Die Öffentlichkeit wird nur häppchenweise über den Verlauf der Weltsynode informiert / © Andrew Medichini (dpa)
Die Öffentlichkeit wird nur häppchenweise über den Verlauf der Weltsynode informiert / © Andrew Medichini ( dpa )

DOMRADIO.DE: Sie sind keine Delegierte bei der Synode, sondern einer Einladung des internationalen katholischen Hilfswerks missio gefolgt. Was genau machen Sie aktuell in Rom?

Birgit Mock (r.) im Gespräch mit Irme Stetter-Karp / © Maximilian von Lachner (SW)
Birgit Mock (r.) im Gespräch mit Irme Stetter-Karp / © Maximilian von Lachner ( SW )

Birgit Mock (Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken / ZdK sowie Geschäftsführerin des Hildegardis-Vereins): Das Hilfswerk missio hat direkt gegenüber der Tore der Audienzhalle ein Forum für weltkirchliche Begegnungen während der Weltsynode initiiert und hat dort an verschiedenen Abenden sogenannte "Evening Conversations" (Abendgespräche, Anm. d. Red.). Das sind Begegnungen von Menschen, die noch einmal auf die Synode blicken.

Dieser Einladung bin ich gefolgt und erlebe hier auch schon in den ersten Gesprächen eine spannende Weltkirche im Aufbruch.

Birgit Mock

"Ich habe erlebt, welche Bereicherung die Weltkirche wirklich sein kann, wenn man sich gegenseitig zuhört."

DOMRADIO.DE: Sie waren zum Beispiel bei der ersten Weltkonferenz der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten dabei. Es gibt aktuell ganz viele weltweite Bewegungen. Wie tickt diese Weltkirche?

Mock: Am Mittwochabend ist das Grundsatzpapier dieser weltweiten Initiative bei einem Abschlusstreffen vorgestellt worden. Das war beeindruckend. Auf dem Dach, unter dem Sternenhimmel des bayerischen Pilgerbüros durften wir diesen ganz besonderen Moment beiwohnen, wo Fachpersonen aus zehn Ländern gemeinsam zusammengetragen haben, wie sie sich eine synodale Kirche der Zukunft vorstellen.

Es war ein ganz besonderer Moment, bei dem wir auch viel darüber gehört haben, was in anderen Ländern an Bewegung schon da ist.

Kardinal Steiner aus Manaus in Brasilien hat beispielsweise erzählt, wie sie sich jetzt mit ihren 1.000 Gemeinden auf den Weg gemacht haben und alle Gemeinden danach gefragt haben, was sie wollen und was sie brauchen.

Birgit Mock

"Meine Erfahrung ist, dass wir Menschen in ihrer Würde annehmen und dazu gehört eben auch die Geschlechtlichkeit, die sexuelle Orientierung."

DOMRADIO.DE: Was haben Sie insgesamt für ein Gefühl? Sie sind sehr nah dran, sehen die Weltsynodalen am missio-Stand vorbeiziehen. Wie ist die Stimmung insgesamt?

Mock: Es ist schon spannend, zwischen Schweizergarde, Petersdom und der Audienzhalle zu stehen. Am Mittwoch hatte ich kurz die Gelegenheit, mit Helena Jeppesen-Spuhler zu sprechen, die aus dem deutschsprachigen Raum stimmberechtigte Delegierte ist.

Ich glaube, alle sind auch ein bisschen aufgeregt. Gleichzeitig sind sie aber auch in Anwaltschaft für die Menschen aus ihrem Land da und werden in ihren Beiträgen, in ihren Stimmen diese Anwaltschaft wahrnehmen. Das finde ich gut.

Eröffnungsmesse mit Papst Franziskus zur Weltsynode auf dem Petersplatz im Vatikan / © Romano Siciliani (KNA)
Eröffnungsmesse mit Papst Franziskus zur Weltsynode auf dem Petersplatz im Vatikan / © Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Man wirft der deutschen Kirche häufig vor, Weltkirche nicht so mitzudenken. Wie finden die deutschen Delegierten da ihren Platz?

Mock: Ich habe gestern noch mal erlebt, welche Bereicherung die Weltkirche sein kann, wenn man sich gegenseitig zuhört und wenn man versucht zu verstehen, wie Kirche auch in den anderen Ländern erlebt wird. Diese Erfahrung aus Brasilien, wo jetzt eben die Laien die Gemeinden tragen, ist inspirierend. Da gibt es auf 80 Gemeinden einen Priester und die Arbeit wird von Laien getan. Die werden jetzt gerade darauf vorbereitet, in den Gemeinden zu taufen. Das finde ich bereichernd.

Birgit Mock (m.), Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) / © Julia Steinbrecht (KNA)
Birgit Mock (m.), Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) / © Julia Steinbrecht ( KNA )

So bringen wir auch die Erfahrungen aus dem Synodalen Weg in Deutschland mit ein. Das werden die Kollegen tun, die aus Deutschland da sind, Bischof Bätzing und die weiteren Bischöfe und auch Thomas Söding als Berater.

Ich war beim Synodalen Weg für das Forum Sexualität und Partnerschaft verantwortlich. Das liegt mir wirklich besonders am Herzen. Meine Erfahrung ist, dass wir Menschen in ihrer Würde annehmen. Dazu gehört auch die Geschlechtlichkeit, die sexuelle Orientierung und dass wir Menschen zurufen und zusagen: "Wir sind alle geliebte Kinder Gottes, so wie wir sind, auch in unserer Sexualität", und dass wir für diese Bewertung Formen finden, die dem auch Ausdruck verleihen.

Birgit Mock

"Wir wünschen uns, dass die Zeichen der Zeit anerkannt werden."

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie erwarten schon ganz konkrete Schritte?

Mock: Ich wünsche mir das, weil ich glaube, dass jetzt die Zeit zu handeln ist. Insofern wünschen wir uns mutige und offene Debatten. Wir wünschen uns, dass die Zeichen der Zeit anerkannt werden, dass auf das geachtet wird, was Menschen für ihr eigenes Leben als hilfreich und sinnvoll empfinden. Und letztlich wünsche ich der Synode den Heiligen Geist.

DOMRADIO.DE: Wenn die Synode endet, wird es zunächst keine offiziellen Beschlüsse geben.Wie realistisch sind diese Hoffnungen, die Sie gerade formuliert haben?

Mock: Wir haben das in anderen Synoden auch erlebt, dass dort sehr offen gesprochen wurde, dass sehr viel Energie in die Vorbereitungspapiere und die Abschlussdokumente investiert wurde. Die Vorbereitungsdokumente zeigen ja, dass die Fragen weltweit alle sehr ähnlich sind. Es geht immer um eine Beteiligung der Frauen und die Anerkennung ihrer Berufungen und ihrer Charismen, um mehr Vielfalt in der Kirche, mehr Beteiligung, geteilte Verantwortung, geteilte Macht.

Demonstrantinnen fordern zu Beginn der Weltsynode die Weihe von Frauen / © Cecilia Fabiano (dpa)
Demonstrantinnen fordern zu Beginn der Weltsynode die Weihe von Frauen / © Cecilia Fabiano ( dpa )

Wir haben es in "Amoris laetitia" erlebt, dem Papier, was wir auch für Fragen von Sexualität und Partnerschaft immer wieder zugrunde legen, dass uns Papst Franziskus dort die Chance eröffnet, in den Ortskirchen verantwortlich zu handeln.

Ich wünsche mir, dass wir letztlich auch mit ihm zusammen dieses Verständnis von Weltkirche haben. Wir sind eine Weltkirche in Vielfalt. Er hat immer wieder gezeigt, dass er diese Vielfalt anerkennt, die der Einheit im Übrigen gut tut und nicht widerspricht.

Das Interview führte Verena Tröster.

Weltsynode 2021-2024

Mit der Weltsynode hat Papst Franziskus in der katholischen Kirche etwas Neues geschaffen. Erstmals werden bei einer Synode Nicht-Bischöfe und Nicht-Priester im großen Umfang ein Stimmrecht haben, darunter auch Frauen.

Inhaltlich soll es vor allem um neue Wege der Mitwirkung der kirchlichen Basis bei wichtigen Entscheidungen in der katholischen Kirche gehen. Obwohl erstmals auch nicht geweihte Männer und Frauen ein Stimmrecht haben, handelt es sich kirchenrechtlich um eine Bischofssynode.

Eröffnung der Weltsynode im Oktober 2021 / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Eröffnung der Weltsynode im Oktober 2021 / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
DR